Urlaubscheck und Co.: „Auto-Bild“ wirft Werkstätten Abzocke vor

Kfz-Betriebe werden als Betrüger dargestellt

| Autor: Jan Rosenow

Auf zwei Seiten erklärt die Auto-Bild in ihrer aktuellen Ausgabe Kfz-Werkstätten zu Abzock-Betrieben.
Auf zwei Seiten erklärt die Auto-Bild in ihrer aktuellen Ausgabe Kfz-Werkstätten zu Abzock-Betrieben. (Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

„Die Methode ist fies, schwer nachzuprüfen und kostet Autofahrer viel Geld.“ Mit dieser Schlagzeile geht die Zeitschrift „Auto-Bild“ aus dem Springer-Konzern in ihrer Ausgabe vom 11. Juli auf Kundenfang. Die „Auto-Bild-Experten“ haben diesmal die „Tricks der Abzock-Schrauber“ recherchiert: Damit sind Kfz-Betriebe gemeint, die einen günstigen oder gar kostenlosen Urlaubs-Check anbieten, um den „arglosen Kunden“ anschließend ein „kleines Vermögen“ abzuknöpfen – natürlich ungerechtfertigt.

So wittern die Redakteure bereits einen Abzockversuch, wenn die Werkstatt den Kunden vor der Urlaubsfahrt auf den schlechten Zustand der Bremsanlage hinweist – obwohl hier die Fahrsicherheit absoluten Vorrang haben sollte. Eine Bremse, die bei der täglichen Kurzstreckenfahrt noch für ein paar 1.000 Kilometer gut ist, versagt vielleicht trotzdem, wenn es mit Kind, Kegel und vielleicht noch Wohnwagen im Schlepp den Katschberg hinuntergeht.

Ein Scheibenwischerwechsel dauert nicht nur zwei Minuten

Ebenso fragwürdig ist die folgende Aussage: „So berechnen Markenbetriebe schon mal ungefragt 65 Euro für das Beseitigen von Laub aus dem Motorraum.“ Doch wenn dieser Punkt Teil der Herstellervorgaben ist, dann muss er eben auch durchgeführt werden – sonst würde das die „Auto-Bild“ im nächsten Werkstatttest sofort bemängeln. Und wenn der Mechatroniker eine halbe Stunde braucht, um den Lüfterkasten zu demontieren und zu reinigen, dann sind 65 Euro ein akzeptabler Preis.

Ebenso leicht lässt sich erklären, warum „für den zwei Minuten dauernden Austausch der Scheibenwischerblätter selbst bei Billig-Marken wie Dacia 21 Euro fällig“ werden. Mit dem angeblich zwei Minuten dauernden Austausch der Blätter ist es eben nicht getan. Vorher hat sich ein Annehmer und ein Serviceberater mit dem Wagen beschäftigt, Auftrag und Rechnung müssen geschrieben werden, der Lagerist pickt die Teile – all das muss bezahlt werden.

Maximale Transparenz bei Annahme und Rechnung ist Pflicht

Doch das erschütterndste an dem „Auto-Bild“-Beitrag sind nicht die Beispiele, sondern der Tonfall, den die Autoren gegenüber der Kfz-Branche an den Tag legen: Mit Begriffen wie „fies“, „Abzocke“, „Tricks“, „Panikmache“, „schamlos“ oder „Machenschaften“ werden Autowerkstätten in die Nähe krimineller Betrügerbanden gerückt. Das ist umso fragwürdiger, wenn man bedenkt, dass das Hamburger Blatt gleichzeitig Aktionen wie „Die 1.000 besten Autohändler Deutschlands“ durchführt, mit denen den Betrieben mehrere 1.000 Euro teure Marketingpakete angedient werden sollen.

Natürlich gibt es umsatzgetriebene Werkstätten, oft aus größeren Ketten, die sich fragwürdiger Methoden oder Übertreibungen bedienen, um an Zusatzaufträge zu kommen. Doch die große Mehrheit der inhabergeführten Kfz-Betriebe ist an einer langfristigen Kundenbeziehung interessiert und nicht an Abzocke. Maximale Transparenz bei der Direktannahme und bei der Rechnungsstellung sollten für sie trotzdem Pflicht sein. Dann müssen sich die „Enthüller“ beim Springer-Autoblatt künftig andere Sommerloch-Themen suchen.

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