Versicherungsfall(e): Unterdeckung beim Oldtimer-Transport

Egal ob Handel, Reparatur oder Restaurierung: Risiken lauern überall – Beispiel 1

| Autor: Steffen Dominsky

In Sachen Oldtimer korrekt versichert? Die Experten von Belmot/Mannheimer zeigen anhand praktischer Beispiele, was passiert, wenn nicht.
In Sachen Oldtimer korrekt versichert? Die Experten von Belmot/Mannheimer zeigen anhand praktischer Beispiele, was passiert, wenn nicht. (Bild: Belmot)

Eine Werkstatt, selbst wenn sie nur sporadisch einen Oldtimer auf dem Hof hat, kann im Fall der Fälle finanziell schnell alt aussehen. Nämlich dann, wenn etwas mit dem Schmuckstück des Kunden passiert. Sei es, dass es gestohlen oder beim Transport, der Reparatur, der Restaurierung beschädigt wird. Selbst wenn einzelne Komponenten nicht mehr aufzufinden sind oder im Zuge einer Instandsetzung beschädigt oder gar zerstört werden, kann das einen Kfz-Betrieb gewaltig in die Bredouille bringen, wenn er auf die falsche Versicherungspolice vertraut.

Solch ein Versicherungsrisiko wird immer größer. Dafür sorgt vor allem die Tatsache, dass sich in den letzten gut fünf Jahren die Anzahl der Diebstähle von beliebten Oldtimern wie Porsche 911, Mercedes SL oder Ford Mustang vervielfacht hat. Dies ist allen voran zwei simplen Umständen geschuldet: Erstens sind diese Fahrzeuge für Diebe eine leichte(re) Beute, denn sie haben weniger Schutzmechanismen als moderne Fahrzeuge. Und zweitens sind Oldtimer generell – und besagte „Spekulationsmodelle“ erst recht – in jüngster Vergangenheit immer populärer, sprich teurer geworden.

Vor diesem Hintergrund sollte jeder Kfz-Betrieb prüfen und hinterfragen, ob er in Sachen Classic Business, dem Geschäft mit und rund um Oldtimer, richtig versichert ist. Das gilt übrigens auch für Handwerksbetriebe wie Sattler, die als Dienstleister für Werkstätten arbeiten. Im Folgenden ein praktisches Beispiel aus der Rubrik „Transport klassischer Fahrzeuge“.

Beispiel: Wie transportieren Sie klassische Fahrzeuge?

Für die Messe „Retro Classics“ wollte ein Händler einen Mercedes-Benz 280 SE 3.5 Cabriolet (W 111), einen Mercedes 280 SL (W113) und einen 190 SL (W 121) von Hamburg nach Stuttgart bringen. Er beauftragte damit eine große, alteingesessene Hamburger Spedition, die wiederum einen Subunternehmer beauftragte, der als Frachtführer die Transporte übernahm. Auf Nachfrage bestätigte die Spedition ihrem Auftraggeber, dass seitens der Spedition und für alle Frachtführer, die für sie tätig sind, eine Versicherung bestehe, die die transportierten Güter abdeckt. Er müsse deshalb keine separate „Transportpolice“ für die Fahrzeuge abschließen, teilte die Spedition dem Oldtimerhändler mit – auch ein Diebstahl sei abgedeckt.

Doch genau das kann sich als gravierender Fehler oder Falschinformation herausstellen. Denn gilt keine separate Transportversicherung, haftet der Frachtführer nach einer festgelegten Spielregel. Diese Spielregel heißt „Sonderziehungsrecht“ und gilt weltweit. Was bedeutet das für unseren im Fall der Fälle geschädigten Auftraggeber? Die Höchstentschädigung beispielsweise für das Cabrio ermittelt sich wie folgt: 1.510 Kilogramm Leergewicht der Fracht x 10 Euro, macht unterm Strich 15.100 Euro Höchstentschädigung – die 10 Euro basieren auf dem sogenannten Sonderziehungsrechte-Wert von 8,33.

Ralf Stumpfernagel von Belmot (Mannheimer Versicherung) berät auch Kfz-Unternehmen im Bereich „Classic Business“. „Vielfach setzen die sich in Sachen Young- und Oldtimer unwissentlich hohen Risiken aus“, weiß der Versicherungsspezialist aus Erfahrung.
Ralf Stumpfernagel von Belmot (Mannheimer Versicherung) berät auch Kfz-Unternehmen im Bereich „Classic Business“. „Vielfach setzen die sich in Sachen Young- und Oldtimer unwissentlich hohen Risiken aus“, weiß der Versicherungsspezialist aus Erfahrung. (Bild: Belmot)

Demgegenüber steht jedoch ein Fahrzeug-Wiederbeschaffungswert von circa 440.000 Euro. Bei einem tatsächlichen Diebstahl während des Transports würde der Eigentümer des Fahrzeugs auf einem Schaden von 425.000 Euro sitzenbleiben. Besonders schwerwiegend ist das, wenn es sich beispielsweise um ein Fahrzeug handelt, das in Kommission verkauft werden sollte. „Denn für ein solches Fahrzeug gilt die gleiche Sorgfaltspflicht wie für eigene Fahrzeuge, da für dieses Fahrzeug bereits aus der Obhut eine Haftung gegen den Betrieb hergeleitet werden kann“, erklärt Ralf Stumpfernagel, Markenmanager von Belmot, der Oldtimerversicherung der Mannheimer Versicherung AG. „Bei einem hochwertigen Fahrzeug benötigen Sie auf jeden Fall eine separate Police, und Sie sollten auch explizit darauf bestehen, für keine anderweitige Versicherung zu zahlen“, so der Rat des Experten.

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