CAM-Analyse Viele Hersteller leiden unter Absatzschwund – auch die Chinesen

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

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Der globale Automobilmarkt fährt im Rückwärtsgang. Davon sind nicht nur die deutschen Hersteller betroffen. Auch einige chinesische Autobauer weisen dramatische Absatzverluste aus.

Der Neuwagenmarkt ist weltweit rückläufig. Das macht sich nicht zuletzt in den deutschen Fabriken bemerkbar.(Bild:  Mercedes-Benz)
Der Neuwagenmarkt ist weltweit rückläufig. Das macht sich nicht zuletzt in den deutschen Fabriken bemerkbar.
(Bild: Mercedes-Benz)

Das Krisengefühl in der Automobilindustrie reicht weit über die deutschen Hersteller hinaus. Einer Untersuchung des Center Automotive Management (CAM) zufolge kämpft die Branche global mit rückläufigen Zahlen. Demnach lieferten die 20 untersuchten Automobilhersteller im ersten Halbjahr 2026 zusammen rund 37,3 Mio. Fahrzeuge aus. Das waren 1,1 Millionen Autos weniger als im Vorjahreszeitraum (-2,8 %). 14 der 20 untersuchten Konzerne meldeten rückläufige Auslieferungszahlen.

Die deutschen Hersteller sind von der Entwicklung deutlich betroffen, allerdings bei weitem nicht exklusiv. Jedoch liegen die zuletzt in den Quartalszahlen bereits kommunizierten Absatzrückgänge der deutschen Konzerne Volkswagen (-6,5 %), Mercedes-Benz (-7,0 %) und BMW (-4,2 %) allesamt über dem Durchschnitt der untersuchten Hersteller, wie sich aus dem „Automotive Performance Report“ des CAM herauslesen lässt. Stark überdurchschnittliche Absatzverluste weisen zudem die chinesischen Hersteller BYD (-15,7 %) und Changan (-19,9 %) sowie die US-Hersteller Ford (-10,0 %) und GM -9,0 %) auf.

Die Entwicklung des Pkw-Absatzes globaler Automobilhersteller im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum(Bild:  CAM)
Die Entwicklung des Pkw-Absatzes globaler Automobilhersteller im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum
(Bild: CAM)

„Die globale Automobilindustrie tritt in eine neue Phase der Marktbereinigung ein“, warnt Studienleiter Stefan Bratzel. Es sei unvermeidlich, dass sich die Konzerne zügig den neuen Markt- und Technologiebedingungen anpassen. Andernfalls drohe diesen Herstellern, dass sie vom Markt verschwinden oder zumindest ihre Unabhängigkeit verlieren, warnt der langjährige Branchenbeobachter. Das Jahr 2026 wertet er als einen „weiteren Beschleuniger der Konsolidierung und Restrukturierung in der globalen Automobilindustrie“.

Ein Fünftel weniger Neuwagen in China

Die Absatzverluste von BYD und Changan werfen ein Schlaglicht auf die Ursache der Verwerfungen: den chinesischen Markt mit einem Absatzrückgang von 20 Prozent im ersten Halbjahr. Die Nachfrageschwäche auf dem größten Pkw-Einzelmarkt der Welt trifft einerseits die heimischen Hersteller, die in der Folge vermehrt nach neuen Absatzmärkten suchen – speziell in Europa. Andererseits trifft es die deutschen Hersteller, die lange Zeit begehrte Produkte nach China lieferten und damit – auch – die heimischen Werke auslasteten.

Der Absatz von BYD im rückläufigen chinesischen Markt ging um harte 39 Prozent zurück, was durch Zugewinne im globalen Geschäft zunächst nicht kompensiert werden konnte. GM und Ford verloren überdurchschnittlich im Heimatmarkt USA, was zum Teil auch an Portfoliobereinigungen und Lieferproblemen lag. Toyota büßte im ersten Halbjahr ebenfalls rund 3 Prozent seiner globalen Verkäufe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein, wobei die Absatzrückgänge in China teilweise durch höhere Verkäufe in den USA kompensiert werden konnten.

Doch es gibt auch Gewinner im schwachen Marktumfeld. Tesla (+16,3 %) profitierte von einer Erholung der Nachfrage nach Elektromobilität und einer verbesserten Modellverfügbarkeit. Stellantis steigerte die Auslieferungen um 10,8 Prozent, ausgelöst durch neue Modelle und eine Erholung insbesondere in Nordamerika. SAIC (+12,7 %) und Chery (+7,7 %) lebten vor allem von der Expansion ins Ausland und der Nachfrage nach elektrifizierten Modellen. Suzuki (+9,9 %) wird durch die traditionell starke Stellung im robusten Indiengeschäft gestützt.

Die Entwicklung des Neuwagenabsatzes in den drei großen Märkten im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum(Bild:  CAM)
Die Entwicklung des Neuwagenabsatzes in den drei großen Märkten im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum
(Bild: CAM)

eben dem chinesischen Markt (-20,2 %) fiel auch der Absatz in den USA (-2,5 %). In Europa lief es in den ersten sechs Monaten des Jahres dagegen besser (+4,5 %). „In Europa stützen insbesondere die steigende Nachfrage nach elektrifizierten Fahrzeugen und neue Modellangebote den Markt“, heißt es in der Untersuchung. Die US-Nachfrage wird durch ein schwächeres Marktumfeld sowie handelspolitische und regulatorische Unsicherheiten belastet.

Für China rechnet das CAM im Gesamtjahr mit einem Abflachen des Verkaufsrückgangs, in der Endbilanz aber mit einem Verkaufsminus von gut 4 Millionen Einheiten (-17 %). „Dadurch verschärft sich der Verdrängungswettbewerb weiter“, die Konsolidierung des Marktes werde sich beschleunigen. Für die deutschen Hersteller werde eine Besserung der Lage zusätzlich erschwert, weil sie bislang vor allem mit dem Verkauf von Verbrennern gepunktet hatten, die jedoch in China an Bedeutung verlieren. Im ersten Halbjahr waren die China-Verkäufe von Volkswagen um 25,9 Prozent, von BMW um 20,4 Prozent und von Mercedes-Benz um 28,3 Prozent gesunken.

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