„Vitales Leben jenseits der Marke“

Autor: Udo Schwickal

Der Werbas-Aktionstag „Wege zu mehr Freiheit für Markenbetriebe“ hat Vertragshändler und -werkstätten zum Ausstieg aus der Fabrikatsbindung ermutigt.

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Berater Reinhold Thalhofer führte mit praxisnahen Vorträgen durch die Veranstaltung.
Berater Reinhold Thalhofer führte mit praxisnahen Vorträgen durch die Veranstaltung.
(Foto: Dialogmanufaktur)

20 Prozent Marktanteil sind laut Adviser-Geschäftsführer Reinhold Thalhofer nötig, damit ein mittelständischer Kfz-Betrieb in der Fläche überleben kann. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse es dem Händler gelingen, eine herstellerunabhängige und markenübergreifende Kompetenz aufzubauen. Anderenfalls sei es ihm nicht möglich, Gewinne für dringend notwendige Investitionen zu erwirtschaften. Einen derart hohen Marktanteil könne nach Meinung von Thalhofer fast nur ein markenunabhängiger Betrieb erzielen. Den klassischen Händlervertrag bezeichnet Thalhofer folglich als Auslaufmodell.

Der Geschäftsführer der Beratungsfirma Adviser empfahl dem Fabrikatshandel im Rahmen seines Vortrags sich dringend zu überlegen, ob sein Geschäftsmodell noch zukunftsfähig sei. „Der Grat zwischen Illusion und Vision wird immer schmaler“, erklärte Thalhofer und warb für eine ehrliche Analyse insbesondere bei den mittelständischen Familienbetrieben. Schließlich habe der freie Handel einen Marktanteil von 38 Prozent. „Außerhalb des Fabrikatsuniversums gibt es vitales Leben“, so Thalhofer, der 16 Jahre lang als Geschäftsführer eines Autohauses gearbeitet hat.

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Die politischen Rahmenbedingungen würden seit der Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) stimmen. Der Händler komme diskriminierungsfrei an alle Fahrzeugdaten heran. Mit einer einfachen Beispielrechnung, in der Thalhofer von einer Wertschöpfung pro Kundenfahrzeug von 600 Euro im Jahr ausging, legte er den anwesenden Händler nahe, ihr eigenes Geschäft ehrlich zu analysieren. Es werde mittel- und langfristig nur zwei zukunftsfähige Geschäftsmodelle geben: Die herstellerunabhängigen Händler und die großen Handelsgruppen, die auf Augenhöhe mit den Herstellern verhandelten. Letztere würden vor allem die Ballungszentren erfolgreich bedienen.

In einer ähnlichen Situation sieht Thalhofer auch die Markenwerkstätten. Bei einem durchschnittlichen Serviceaufwand von vier Stunden pro Kundenfahrzeug errechnet er eine Wertschöpfung von 400 Euro pro Jahr. Personalkosten von über 50 Prozent sowie ein Selbstkostensatz von unter 65 Euro pro Stunde sind aus seiner Sicht nicht mehr rentabel. 30 Prozent Marge würden gerade einmal die Unkosten decken.

Einen ausführlichen Bericht über den Aktionstag „Wege zu mehr Freiheit für Markenbetriebe“ lesen Sie in der nächsten Ausgabe des »kfz-betrieb«, die am 4. Dezember erscheint.

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