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Volkswagen: Erdgas wird eingestellt, Wasserstoff nicht eingeführt

Autor: Christoph Seyerlein

Volkswagen steigt aus der Entwicklung von Erdgas-Autos aus. Aktuelle Modelle erhalten keine Nachfolger, erklärte Entwicklungschef Frank Welsch – und lieferte auch eine Begründung für den Schritt. Auch für einige andere alternative Antriebe sieht es bei den Wolfsburgern düster aus.

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Erdgas-Modelle wie der VW Golf TGI sind nur wenig gefragt.
Erdgas-Modelle wie der VW Golf TGI sind nur wenig gefragt.
(Bild: Volkswagen)

Volkswagen wird künftig keine Modelle mit Erdgasantrieb mehr entwickeln. „Diese Autos bekommen keine Nachfolger mehr“, sagte VW-Entwicklungschef Frank Welsch dem „Handelsblatt“ (Montag). Grund dafür seien geringe Verkaufszahlen der Modelle. „Die Resonanz am Markt ist nicht gewachsen“, erklärte Welsch. Es sei auch nicht absehbar, dass sich die Verkaufszahlen erkennbar steigern ließen.

Stattdessen konzentriert sich VW dem Bericht zufolge auf die Elektromobilität – auch alternative Antriebe wie synthetische Kraftstoffe und Wasserstoff seien für die Serienmodelle außen vor. „Wenn wir die Mobilitätswende und die Umweltziele ernst nehmen, müssen wir uns auf den batterieelektrischen Antrieb konzentrieren“, sagte Welsch. Alles andere verschwende regenerative Energie.

Die Entscheidung, voll auf Elektro zu setzen, begründete Welsch auch damit, dass der Wirkungsgrad batteriebetriebener Fahrzeuge „wesentlich größer“ sei als bei anderen alternativen Antrieben. Mit 100 Kilowattstunden an regenerativer Energie komme ein Batterieauto rund 500 Kilometer weit, ein Brennstoffzellenfahrzeug 200 Kilometer, und ein Auto mit synthetischen Kraftstoffen im Tank schaffe 80 Kilometer. „Es wird deshalb auf absehbare Zeit keine Brennstoffzellenfahrzeuge von unseren Pkw-Marken in Serienfertigung geben“, so Welsch.

Eines der letzten neuen Modelle mit CNG-Antrieb von Volkswagen dürfte der neue VW Caddy werden. Ihn hatte Volkswagen Nutzfahrzeuge erst kürzlich präsentiert. Dabei hatte Markenchef Thomas Sedran Erdgas eine wichtige Rolle im Antriebsmix zugesprochen. Allerdings trifft das nach den Aussagen von Welsch nur noch auf die kommende Generation zu, danach ist mit CNG Schluss. Auch bei den weiteren Konzernmarken – gerade Seat und Skoda hatten zuletzt auch auf Erdgas gesetzt – dürfte es so aussehen.

Marktanteil weit unter einem Prozent

Befürworter sehen in Erdgas eine klimafreundlichere Alternative zu Benzin- und Diesel-Fahrzeugen. Im Vergleich zu Benzinern erreichen CNG-Autos bis zu 20 Prozent bessere Abgaswerte. Zu einer echten Marktrelevanz hat es in den letzten Jahren allerdings nicht gereicht. 2019 registrierte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gerade einmal 7.623 neu zugelassene Erdgas-Autos in Deutschland. Das entsprach einem Marktanteil von 0,2 Prozent. Auch am Tankstellennetz lässt sich die geringe Resonanz ablesen: Aktuell gibt es gerade einmal 837 CNG-Tankstellen, die Zahl war zuletzt sogar rückläufig.

Auch bei Volkswagen fiel die Erdgas-Bilanz im vergangenen Jahr mager aus. Von den mit entsprechendem Antrieb verfügbaren Modellen Caddy, Golf, Polo, Up und Touran kamen hierzulande 2019 insgesamt 1.641 neu auf die Straße. Damit machten sie nur gut 0,3 Prozent vom VW-Gesamtabsatz in Deutschland im vergangenen Jahr aus.

Welsch sagte im Handelsblatt mit Blick auf den Erdgas-Antrieb: „Wir haben damit gerade einmal 0,3 Gramm pro Kilometer in der Flotte geschafft. Damit leistet er keinen Beitrag zu den Flottenzielen.“

Mit Material von dpa

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«