VW Golf 8: „Die Mild-Hybride werden Volumenträger“

Autor: Christoph Seyerlein

Der VW Golf 8 hat sich von seinem missglückten Start inzwischen etwas erholt. Im Juli war er das meistverkaufte Auto Europas. Nun sollen weitere Motor-Varianten zusätzlichen Schub verleihen.

Firmen zum Thema

Vom Golf 8 gibt es bald drei Mild- und zwei Plug-in-Hybride.
Vom Golf 8 gibt es bald drei Mild- und zwei Plug-in-Hybride.
(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Eine reinelektrische Variante des Golf 8 gibt es nicht. Dafür fährt Volkswagen bei der Hybridisierung seines Kompaktmodells groß auf. Zwischen insgesamt fünf elektrifizierten Modellen können Kunden wählen. Zwei davon – der GTE und der E-Hybrid – sind Plug-in-Hybride, zudem gibt es aktuell zwei Mild-Hybrid-Versionen, denen später im Jahr noch eine dritte, leistungsstärkere folgen soll.

Gerade auf letzteren, von VW E-TSI getauften, Autos ruhen in Wolfsburg einige Hoffnungen. Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann erklärte: „Die Mild-Hybride werden Volumenträger.“ Die Motorentechnik sei so etwas wie „der logische Nachfolger eines Diesel“. Abschaffen will VW den Selbstzünder aber nicht: Ihn soll es im Golf auch noch mit der Abgasnorm Euro-7 geben.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 12 Bildern

Dennoch vereinen die Mild-Hybride mit ihrer Kombination aus Benzinmotor und 48 Volt-Mild-Hybridsystem einige eigentlich dieseltypische Eigenschaften. Kunden sollen die Fahrzeuge mit geringen Verbrauchswerten und gleichzeitig dennoch sportlichen Fahrgefühl überzeugen. Dank elektrischem Zusatz-Boost bieten die E-TSI-Modelle eine starke Anfahrperformance.

Vorerst gibt es den Golf E-TSI mit 110 und 150 PS, eine stärkere Version soll wie erwähnt folgen. Beide aktuell verfügbaren Varianten unterschreiten beim Verbrauch zumindest laut Herstellerangaben die 5-Liter-Marke auf 100 Kilometer. Der Startpreis für den Mild-Hybrid liegt bei 27.510 Euro.

Bei den Plug-in-Hybriden stellt Volkswagen dem Golf GTE mit dem Golf E-Hybrid nun auch einen kleinen Bruder zur Seite. Beide haben eine 13 kWh große Batterie an Bord. Diese ist damit doppelt so groß wie die des Golf 7 GTE. Bis zu 80 Kilometer sollen mit den Plug-in-Hybriden so reinelektrisch möglich sein. Allerdings handelt es sich dabei um einen Wert, der noch nach dem alten Prüfzyklus NEFZ bemessen wurde und damit ein gutes Stück weit von der Realität entfernt liegen dürfte.

Einstiegspreis knapp unter 40.000 Euro

Der E-Hybrid kommt in Verbindung mit seinem Benzin-Motor auf eine Systemleistung von 150 kW/204 PS. Die Gesamtreichweite gibt VW mit 870 Kilometern an. Jedoch ist auch das ein NEFZ-Wert. Der Bordcomputer schätzte die Reichweite bei einer ersten Testfahrt auf gut 600 Kilometer. Preislich startet der kleinere Plug-in-Hybrid bei 39.781 Euro.

Die Systemleistung seines großen Bruders GTE liegt mit 180 kW/245 PS noch etwas über dem E-Hybrid. Er kommt laut NEFZ reinelektrisch 62 Kilometer und insgesamt 745 Kilometer weit. Wie erwähnt sind aber auch diese Werte mit Vorsicht zu genießen. Bei einer Testfahrt verabschiedete sich die Batterie des GTE nach weniger als 50 Kilometern. Der Einstiegspreis für das Modell liegt bei 41.667 Euro.

Auf einer jeweils rund 120 Kilometer langen Ausfahrt mit beiden Plug-in-Hybriden fiel auf, dass sie im Hybrid-Modus sehr geschmeidig und kraftvoll unterwegs sind. Zügiges fahren zu geringen Verbrauchswerten ist definitiv möglich – solange die Batterie noch aktiv ist. Ist diese allerdings erst einmal leer, klettert der Verbrauch sprunghaft. Auf rund 50 Kilometern ohne Autobahnanteil stiegen die Durchschnittswerte sowohl beim E-Hybrid als auch beim GTE um mehr als einen Liter an.

„Wir haben nie daran gezweifelt, dass der Golf wieder die Nummer 1 in Europa wird“

Insgesamt ist an den Modellen aber wenig auszusetzen. Das Fahrgefühl ist Golf-typisch grundsolide. Weiter gewöhnungsbedürftig dürfte für manchen langjährigen Golf-Kunden das Bediensystem sein. VW hat sich aber nunmal dafür entschieden, auch seinen Kompaktwagen deutlich digitaler zu gestalten als bislang.

Helfen sollen wie erwähnt vor allem die Mild-Hybride in Sachen Volumen. In dem Zusammenhang tat sich der neue Golf lange schwer, die Zahlen bislang fallen äußerst mau aus. Zuletzt verbesserte sich die Lage aber – auch angetrieben durch besondere Förderung der Wolfsburger. Im Juli war der Golf wieder das meistverkaufte Auto Europas, nachdem er seinen Abo-Platz zuvor kurzzeitig hatte räumen müssen.

Jürgen Stackmann merkte an, dass es der Golf schwer gehabt habe, da sein Hochlauf genau in die Corona-Pandemie gefallen sei. Deshalb gehe es jetzt für das Auto noch einmal so richtig los. „Wir haben nie daran gezweifelt, dass der Golf wieder die Nummer 1 in Europa wird“, so Stackmann. Nun sei es an der Zeit, den Abstand zur Konkurrenz auch mithilfe der neuen Motorvarianten wieder auszubauen.

(ID:46843617)

Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«