VW-Handel: Nie dagewesene Kaufzurückhaltung beim Golf

Autor: Christoph Seyerlein

VW/Audi-Händlerverbandspräsident Dirk Weddigen von Knapp sieht bei den wichtigsten VW-Modellen Golf und Tiguan weiterhin Probleme und fordert vom Hersteller Verbesserungen. Positiver bewertet er die Lage rund um den ID 3.

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In den ersten fünf Monaten 2020 kam der VW Golf hierzulande auf 49.909 Neuzulassungen. Das waren 43 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, in dem die Händler noch die Vorgänger-Generation verkauften.
In den ersten fünf Monaten 2020 kam der VW Golf hierzulande auf 49.909 Neuzulassungen. Das waren 43 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, in dem die Händler noch die Vorgänger-Generation verkauften.
(Bild: Volkswagen)

Der Ärger im VW-Handel über die Patzer des Herstellers rund um den neuen Golf ist noch nicht verflogen. Das brachte nun der VW/Audi-Partnerverbandspräsident im Gespräch mit dem „Business Insider“ zum Ausdruck. „Beim Golf 8 liegt das Problem ganz klar bei der mangelnden Qualität. Die Produkteinführung war eine Katastrophe, dann kam es zu massiven Schwierigkeiten in der Produktion“, sagte Dirk Weddigen von Knapp.

Das sei der Golf-Kunde nicht gewohnt. Und offenbar lässt er es sich auch nicht gefallen: „Die Folgen spüren wir leider sehr bei den Auftragseingängen. Es gibt eine Kaufzurückhaltung, die wir bei dem Brot-und-Butter-Modell von Volkswagen bislang noch nicht erlebt haben“, so der Verbandschef. Er hoffe, dass der Hersteller die Probleme nun endlich in den Griff bekomme.

Die Golf-Misere lässt sich auch an den Zulassungszahlen in Deutschland ablesen. In den ersten fünf Monaten brachte VW – zusätzlich zu den hausgemachten Problemen von der Corona-Pandemie gebeutelt – 49.909 Einheiten seines Bestsellers hierzulande neu auf die Straße. Das waren satte 43 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Und das, obwohl die Händler zwischen Januar und Mai 2019 nur den in die Jahre gekommenen Golf 7 zur Verfügung hatten.

Auch beim Tiguan, dem in Deutschland zweitwichtigsten und weltweit sogar bedeutendsten Modell des Autobauers, läuft es derzeit nicht rund. Allerdings sind bei dem SUV die Probleme anders gelagert. Ihm mangelt es nicht an Kundeninteresse, sondern an Verfügbarkeit. Wie »kfz-betrieb« exklusiv berichtete, können die Partner das aktuelle Modell hierzulande seit Mai nicht mehr bestellen.

Weddigen sagte dazu: „Das ist natürlich schlecht fürs Geschäft, wenn ich meinen Kunden den Verkaufsschlager des Konzerns derzeit nicht anbieten kann und sie bis ins nächste Jahr warten müssen, ob sie einen Tiguan bekommen. Diese Liefersituation ist wirklich ärgerlich. Da hat die Planung von Volkswagen leider nicht funktioniert, auf Kosten von Händlern und Kunden.“ Am Mittwoch stellte VW nun das Facelift des Modells vor. Einen Starttermin nannte der Hersteller dabei aber nicht. Vermutlich müssen die Händler bis mindestens Herbst 2020 warten.

„ID 3 wird das neue Brot-und-Butter-Modell“

Positiver bewertete Weddigen von Knapp dagegen die Lage beim Elektro-Hoffnungsrträger ID 3. Die ersten Einheiten des Autos will der Hersteller nach manchen Problemen in der Vorbereitung Anfang September ausliefern. Der Händlerverbandspräsident bezeichnete das Modell als „Super-Auto“ und „Meilenstein in der Geschichte von Volkswagen“. Der ID 3 habe eine große Reichweite, fahre sich toll und sei lieferfähig. „Das wird das neue Brot-und-Butter-Modell des Konzerns. Entsprechend viele Vorbestellungen haben wir bereits vorliegen“, sagte Weddigen.

Auch insgesamt hofft der Partnerverbandspräsident nach den schwierigen letzten Monaten für die Händler, die bis zuletzt über ein brachliegendes Neuwagengeschäft klagten, zeitnah auf Besserung. „Die Lust aufs Auto ist wieder da. Das spüren wir Händler. Die Kunden kommen wieder zurück in die Autohäuser, das Auto hat weiter einen hohen Stellenwert“, so Weddigen. Viele Menschen würden aktuell das Auto Bus oder Bahn vorziehen. „Mit Verkaufsaktionen wie der erlassenen Mehrwertsteuer werden wir den Verkauf wieder ankurbeln, davon bin ich überzeugt.“ Ähnlich hatte sich zuletzt auch VW-Deutschlandchef Holger B. Santel gegenüber »kfz-betrieb« geäußert.

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Entwicklungsredakteur