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VW ID Buzz: So fährt sich der E-Bulli

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Beim Concours d’Elegance in Pebble Beach treffen hochwertige Oldtimer auf futuristische Studien – meistens von der sportlichen und luxuriösen Sorte. VW hat dort nun die Serienfertigung seines E-Bullis angekündigt und zu einer ersten Ausfahrt gebeten.

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Der VW ID Buzz ist ein Retro-Bulli mit Zukunftstechnik.
Der VW ID Buzz ist ein Retro-Bulli mit Zukunftstechnik.
(Bild: Volkswagen)

Vor dem Hotel ein Dutzend Ferrari, auf dem 17-Miles-Drive drei Jahresproduktionen von Koenigsegg und Pagani und auf den Straßen dazwischen mehr Bentleys als BMWs – kein Wunder, dass sich ein Mann wie Herbert Diess hier ein bisschen fremd fühlt. Schließlich ist er Chef von VW und seine Marke hat beim Concours d’Elegance in Pebble Beach etwa so viel zu suchen wie Pappteller im Sterne-Restaurant. Und trotzdem sonnt sich ausgerechnet Volkswagen diesmal in Glanz der großen Aufmerksamkeit. Denn die Niedersachsen bitten am Rande der edelsten Autoshow der Welt zur ersten Ausfahrt mit dem ID Buzz und stehlen damit jedem Supersportwagen die Schau.

Während man sonst in Pebble Beach vor allem zurückschaut, wagen wir deshalb den Blick in die Zukunft und steigen ein den elektrischen VW Bus von morgen. Das schnörkellose, cleane und radikal reduzierte Design erinnert dabei zwar geschickt an die erste Generation des Bulli, die mittlerweile auch schon fast 70 Jahre auf dem Buckel hat. Und das Format entspricht mit seinen knapp fünf Metern beinahe dem T6.

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Doch sonst ist nicht mehr viel, wie es einmal war: Die Türen öffnen automatisch, sobald man sich mit dem Smartphone autorisiert oder die Kamera das Gesicht erkannt hat und wenn man einsteigt, betritt man tatsächlich eine andere Welt. Denn noch nie hat VW ein Auto so weit entschlackt und auf das wesentliche reduziert wie hier. Alle Anzeigen werden vom Head-Up-Display ersetzt und auch der letzte Schalter macht Platz für eines der vielen Sensorfelder. Die finden sich nicht nur in den Türen, sondern vor allem in dem ungewöhnlich eckigen Lenkrad, in dem Designchef Klaus Bischoff neben dem Blinker und der Steuerung des Infotainments gleich auch noch die Gangauswahl integriert hat.

Wie jeder VW Bus bietet auch der ID Buzz Platz in Hülle und Fülle. Erst recht, wenn hinten nur ein verschiebbarer Klapptisch und ein riesiges Sofa montiert sind. Doch es selbst wenn man ihn mit vollen acht Plätzen bestuhlt, sitzt man bequemer als im T6, versprechen die Macher. Und wenn man ihn leerräumt, wächst der Kofferraum von 660 auf 4.600 Liter. Die 200 Liter hinter der Haube im Bug nicht mitgerechnet.

So ungewöhnlich das Ambiente, so gewöhnlich ist der Antrieb. In der Praxis, weil die Prototypen-Bauer für das Einzelstück einfach einen E-Golf ausgeschlachtet haben. Und in der Theorie, weil der ID Buzz auf dem Modularen Elektrizitätsbaukasten fußt und deshalb mit lauter Standardkomponenten fährt: Wahlweise mit einem Motor mit 150 kW/204 PS oder als Allradler mit dann zwei Motoren und maximal 275 kW/375 PS und im besten Fall mit einem 111 kWh großen Akku, der für mehr als 600 Kilometer reichen soll. Und wäre der ID Buzz kein sündhaft teures Unikat, das auf fragilen Spezialfelgen mit besonders hohen aber sehr schmalen Reifen rollen würde, man könnte mit ihm bis zu 160 km/h fahren und in weniger als fünf Sekunden von 0 auf 100 beschleunigen. Davon können VW-Bus-Fahrer bislang nur träumen.

Davon einmal abgesehen, wirkt der ID Buzz aber schon nach ein paar Minuten ungeheuer vertraut. Denn gerade weil VW alles neu macht, ist der Bulli plötzlich wieder ganz der alte: „Er bietet eine unerreichte Raumeffizienz, er ist variabel wie eh und je, und er hat sogar wieder einen Heckantrieb“, sagt Dzemal Sjenar, der den Aufbau des Showcars geleitet hat.

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