VW-Managerin zu Dieselgate: Kunden haben „weder Verluste noch Schäden erlitten“

Rechtsvorständin Hiltrud Werner erntet heftige Kritik

| Autor: Christoph Seyerlein

Hiltrud Werner steht nach ihren Aussagen schwer in der Kritik.
Hiltrud Werner steht nach ihren Aussagen schwer in der Kritik. (Bild: Volkswagen)

VW-Rechtsvorständin Hiltrud Werner sorgt mit Aussagen zur Diesel-Affäre in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ für Aufsehen. Die Managerin sagte beispielsweise, Kunden hätten durch Dieselgate „weder Verluste noch Schäden erlitten.“ Sie bedauere zwar, dass sich Dieselfahrer von VW betrogen fühlen, für Klagen gäbe es aus ihrer Sicht aber keine Rechtsgrundlage. Zudem seien alle betroffenen Fahrzeuge „sicher und fahrbereit“.

Die Quittung für das Interview erhielt Werner prompt. Vor allem aus der Politik hagelte es Kritik. Beispielsweise sagte der saarländische Verbraucherschutzminister Reinhold Jost (SPD) dem Handelsblatt: „Die Äußerungen von Frau Werner sind dreist, verdeutlichen aber auch, dass VW die berechtigte Kritik der betroffenen Dieselfahrer und vieler Politiker gar nicht ernst nimmt.“ Der Konzern lasse weiter „keinerlei Schuldbewusstsein erkennen.“ Marktmacht sei jedoch „kein Freibrief für Betrug“. Jost forderte die Bundesregierung dazu auf, „im Sinne der Verbraucher“ Stellung zu beziehen.

Auch in Berlin reagierte man verwundert auf Werners Aussagen. Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Kirsten Lühmann, bezeichnete das Interview als „nicht hilfreich“ für VW, um Vertrauen zurückzugewinnen. Sie sprach sich dafür aus, dass die Industrie Hardware-Nachrüstungen finanziell unterstützen sollte.

SPD-Politikerin: VW-Partnerbetriebe müssen nachrüsten dürfen

Dazu gehöre auch, dass die Automobilhersteller ihren Vertragswerkstätten nicht mehr untersagen, zugelassene Nachrüstsätze einzubauen. Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup forderte von Verkehrsminister Andreas Scheuer, VW zu flächendeckenden Hardware-Nachrüstungen zu verpflichten.

FDP-Bundestags-Vizechef Michael Theuerer kritisierte Werner ebenfalls. „Dass ausgerechnet bei VW, das sich ja weiter teils in Staatsbesitz befindet, so wenig Verständnis für die Folgen des eigenen Handelns vorherrscht, ist hochproblematisch.“ Den Kunden sei in Form von Wertverlusten an ihren Autos definitiv wirtschaftlicher Schaden entstanden. Ähnlich äußerte sich Greenpeace-Mann Austrup, der die betroffenen VW-Diesel als „heute nahezu unverkäuflich“ bezeichnete. „Wer darin keinen Wertverlust sehen will, besitzt ein Ausnahmetalent in Realitätsverweigerung“, so Austrup.

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