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VW sieht keinen Zusammenhang zwischen Dieselgate und Wertverlusten

| Autor: Christoph Seyerlein

Das Verfahren um die Musterfeststellungsklage gegen Volkswagen dürfte sich mehrere Jahre hinziehen. Der Hersteller sieht sich nach wie vor im Recht – und lieferte dafür am Freitag teils erstaunliche Gründe.

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(Bild: VW)

Volkswagen rechnet in Sachen Musterfeststellungsklage mit einem Mammutverfahren, sieht sich aber weiter im Recht. In einer Telefonkonferenz mit Journalisten berichtete der Hersteller über den aktuellen Stand der Dinge bei den Diesel-Klagen. Mittlerweile gebe es über 420.000 „Einträge“ für die vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) am 1. November 2018 eingereichte Klage gegen Volkswagen.

In Wolfsburg rechnet man mit einer Verfahrensdauer von mindestens vier Jahren. VW geht davon aus, dass rund zwei Jahre vor dem Oberlandesgericht (OLG) Braunschweig und danach zwei weitere Jahre vor dem Bundesgerichtshof (BGH) verhandelt wird. Das OLG hatte kürzlich den 30. September als Starttermin für die Verhandlung bekanntgegeben.

Sollte letztlich rechtskräftig entschieden werden, dass sich VW schuldig gemacht hat, hätte das nicht automatisch Schadenersatzansprüche für die klagenden Kunden zur Folge. Dazu müssten Verbraucher im Nachgang Einzelklagen einreichen, die erneut durch mehrere Instanzen gehen könnten. Eine Feststellung möglicher individueller Schadenersatzansprüche sieht VW deshalb nicht vor 2024.

VW ist sich keiner Schuld bewusst

Dass es überhaupt dazu kommt, erwartet der Autobauer aber nicht. „Aus unserer Sicht haben die Kunden keinen Schaden erlitten, da alle Autos im Verkehr genutzt werden können und sicher sind“, sagte ein VW-Sprecher.

Doch nicht nur das: Der Konzern sieht auch „keinen kausalen Zusammenhang zwischen möglichen Minderwerten von Fahrzeugen mit dem betroffenen EA 189-Motor und der Diesel-Thematik“, wie aus einem VW-Schreiben an Journalisten hervorgeht. Das machen die Wolfsburger an drei – nach Unternehmensangaben von gerichtlich bestellten Sachverständigen übereinstimmend festgehaltenen – Punkten fest:

  • Auf Basis der Daten von Schwacke und DAT seien bis etwa Sommer 2017 keinerlei Auswirkungen auf den Marktpreis bei betroffenen Dieselfahrzeugen erkennbar.
  • Ebenso sei kein Einbruch des Diesels gegenüber dem Benziner zu erkennen.
  • Erst mit Beginn der Thematisierung der Fahrverbote im Bundestagswahlkampf 2017 sei eine Reaktion des Marktes in Form einer Kaufzurückhaltung erkennbar geworden. Diese Wertminderung betreffe nicht nur Volkswagen-Fahrzeuge mit EA 189-Motor, sondern die Dieselfahrzeuge aller Hersteller.

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