Oldtimer-Rechtstipp Was sind „Matching Numbers“?

Autor: Steffen Dominsky

Durch die Oldtimerszene geistert derzeit ein Urteil, das jüngst das Landgericht Hamburg gefällt hat. Streitpunkt bei einem wertvollen Jaguar war der in letzter Zeit immer öfter zu lesende Begriff der „Matching Numbers“.

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Auch Oldtimer sind Gegenstand juristischer Auseinandersetzung. Im vorliegenden Fall war das Thema „Matching Numbers“ als zugesicherte Eigenschaft eines Kaufvertrags, wie Dr. jur. Götz Knoop, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht, weiß.
Auch Oldtimer sind Gegenstand juristischer Auseinandersetzung. Im vorliegenden Fall war das Thema „Matching Numbers“ als zugesicherte Eigenschaft eines Kaufvertrags, wie Dr. jur. Götz Knoop, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht, weiß.
(Bild: Knoop)

Von einem gefälschten Laubfrosch, also dem von Opel, hat man vermutlich noch nie etwas gehört. Das sieht am anderen Ende der oldtimertechnischen Nahrungskette anders aus: Eine, sagen wir nicht ganz echte Raubkatze aus Coventry, kann einem schon mal begegnen. Speziell dann, wenn es sich bei dem Jaguar um ein exklusives Kleinstserienmodell handelt. So wie in diesem Fall. 2015 erwarb ein Oldtimerfan in den Niederlanden ein Fahrzeug, das als Jaguar XK 150 S Roadster mit Linkslenkung und 3,8-Liter-Motor aus dem Jahr 1960 feilgeboten wurde. Das seltenste Modell aller innerhalb der XK-Serie produzierten Fahrzeuge, wie es heißt, von dem es weltweit gerade mal 14 Exemplare geben soll. „Ein super Investment“, wie der Verkäufer meinte. Und quasi alles original. Auch die Motornummer – sie lautete „VAS 1193‑9“ – sei original und damit eine „Matching Number“. Für stolze 305.000 Euro wechselte der Engländer den Eigentümer.

Götz Knoop von der Rechtsanwaltskanzlei Knoop, Albers & Hanke vertritt auch die Interessen von Oldtimerbesitzern und von Unternehmen, die im Classic Business agieren.
Götz Knoop von der Rechtsanwaltskanzlei Knoop, Albers & Hanke vertritt auch die Interessen von Oldtimerbesitzern und von Unternehmen, die im Classic Business agieren.
(Bild: Knoop)

Als der neue Eigentümer den Jaguar zwei Jahre später wieder veräußern wollte, erfuhr er von dem Gerücht, dass es sich bei seinem Fahrzeug um eine Fälschung handle. Drei entsprechende von ihm beauftragte Gutachter stellten diverse Unregelmäßigkeiten im Hinblick auf die Authentizität des XK fest. Unter anderem, dass der Motor eben kein Matching-Number-Motor sei. Es stellte sich heraus, dass der Motorblock – er trägt die Motornummer – als Teil des Motors irgendwann gegen einen solchen aus dem Jahr 1964 getauscht worden war, und somit nicht mehr der Motorblock war, mit dem das Fahrzeug ursprünglich ausgeliefert worden war. Der Fall landete – wie sollte es anders sein – vor Gericht. Dieses, das Landgericht Hamburg, holte hinsichtlich des Verständnisses, was man in der Oldtimerszene unter dem Begriff „Matching Numbers“ verstehen darf, ein Gutachten ein. Dabei kam es zu dem Ergebnis, dass es nicht egal sei, wie es zu der Gleichheit der Nummern von Motor, Getriebe und Fahrgestell gekommen sei.

Beim Kauf auf Nennung der Matching-Numbers-Komponenten bestehen

„Matching Numbers bedeutet nicht nur, dass relevante Nummern eines Fahrzeug ziffernmäßig übereinstimmen. Es bedeutet vielmehr, dass es über die Komponenten verfügt, mit denen das Fahrzeug erstausgeliefert wurde. Vor diesem Hintergrund akzeptierte das Gericht den ausgetauschten Motorblock nicht. Insofern sei das Fahrzeug nicht Matching Numbers“, kommentiert Dr. Götz Knoop, Fachanwalt Verkehrsrecht und Spezialist im Oldtimerrecht, den Fall. Somit trägt das Urteil der Hamburger zur Rechtssicherheit im Umgang mit der Begrifflichkeit „Matching Numbers“ bei. Insbesondere die bislang verwendeten Definitionen der Begrifflichkeit, nämlich der „Nummerngleichheit“ führte immer wieder zu Irritationen. „Stellt man alleine auf die Nummerngleichheit ab, wäre es schließlich egal, wie es zur Nummerngleichheit gekommen ist“, so Götz Knoop. Das heißt, diese könnte selbstverständlich auch später, im Verlauf des Fahrzeuglebens, entstanden sein.

Nebenbei: „Da das Landgericht Hamburg jedoch nur über einen Matching-Number-Motor urteilte, äußert sich dieses Urteil nicht zu der Frage, welche weiteren Komponenten eines Oldtimers von der Bezeichnung Matching Numbers erfasst sein müssen, wenn diese Bezeichnung ohne weitere Konkretisierung verwendet wird“, resümiert der Oldtimer-Anwalt. Üblicherweise bezieht sich diese auf den Motor und das Getriebe. Tipp: Ist der Begriff „Matching Numbers“ Teil eines Kaufvertrags, sollte der Käufer auf eine Nennung jener Komponenten wert legen, die der Verkäufer vorgibt unter dem besagten Begriff zu verstehen.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group