Renault Weniger Absatz, höherer Marktanteil

Autor: Yvonne Simon

Licht und Schatten bei der Groupe Renault in Deutschland: Während das Kernfabrikat dank der enormen Elektro-Nachfrage 2020 glimpflich davonkam, stürzte Dacia heftig ab. Der Marktanteil der Gruppe wuchs gleichzeitig auf den höchsten Wert seit 2003.

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Der Zoe verhalf Renault 2020 zu einer vergleichsweise positiven Absatzbilanz.
Der Zoe verhalf Renault 2020 zu einer vergleichsweise positiven Absatzbilanz.
(Bild: Renault)

Die Renault-Gruppe musste 2020 in Deutschland deutliche Absatz-Verluste hinnehmen, rutschte aber nicht ganz so stark ab wie der Gesamtmarkt. Das belegen Zahlen, die Importeurschef Uwe Hochgeschurtz am Dienstag bei der virtuellen Jahrespressekonferenz präsentierte. Demnach fuhren Renault, Dacia und Alpine zusammen ein Minus von 16,8 Prozent auf 202.500 Einheiten ein. Der Gesamtmarkt (Pkw und leichte Nutzfahrzeuge) war hingegen um 19 Prozent eingebrochen.

Erfreut zeigt man sich in Brühl über den gestiegenen Marktanteil. Die Gruppe kam auf 6,35 Prozent und damit 0,14 Prozentpunkte mehr als 2019 – damit erreichte das Unternehmen im vergangenen Jahr den besten Wert seit 2003. „Renault Deutschland hat sich in diesem sehr schwierigen Umfeld sehr gut geschlagen und gemeinsam mit den Händlern erfolgreich gegengesteuert“, erklärt Hochgeschurtz.

5,9 Prozent Minus bei Renault Pkw

Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Fabrikaten. Renault schlug sich deutlich besser als ein Großteil des Wettbewerbs. 150.000 Neuzulassungen bedeuten ein Minus von 5,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Pkw-Zulassungen betrugen 126.100 Fahrzeuge – ein Rückgang um 3,9 Prozent.

Renault profitierte dabei extrem vom erhöhten Umweltbonus und der gestiegenen Nachfrage nach Elektrofahrzeugen: Der Zoe war im vergangenen Jahr Topseller mit 30.400 Neuzulassungen (+222,1 %). Damit verkauften die Franzosen in einem Jahr mehr Einheiten des Kleinwagens als zwischen 2013 und 2019 zusammengerechnet. „Es hat ein absoluter Paradigmenwechsel hin zur Elektromobilität stattgefunden“, kommentiert Hochgeschurtz. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Clio und Captur, von denen Renault 24.700 (+ 5,4 %) beziehungsweise 22.800 (- 19 %), Fahrzeuge auf die Straße brachte.

Privatkundenmarkt und Modellwechsel belasten Dacia

Das Sorgenkind der Gruppe ist Dacia: Bei dem rumänischen Günstig-Fabrikat steht ein Minus von 37,4 Prozent auf 50.718 Einheiten in der Bilanz. Der Importeur begründet den Negativtrend mit dem anstehenden Modellwechsel beim Sandero sowie der Kaufzurückhaltung auf dem Privatkundenmarkt. Den Analysten von Dataforce zufolge war letzterer 2020 um 13 Prozent rückläufig. Die Nachfrage nach dem Sandero brach im Vergleich zum Vorjahr um 34,2 Prozent ein. Noch härter traf es den Duster: Seine Verkäufe halbierten sich auf rund 15.000 Einheiten.

Ich bin zuversichtlich, dass sich die Situation in wenigen Wochen deutlich verbessern wird und wir dann einen Run auf die Autohäuser erleben werden.

Uwe Hochgeschurtz

Ein schwieriges Jahr liegt auch hinter Alpine. Der Sportwagen A100 fand in Deutschland 166 Käufer – 2019 waren es 324 gewesen.

Beim Blick nach vorn gibt sich Hochgeschurtz optimistisch. Zwar werde 2021 „zumindest teilweise noch ein Corona-Jahr sein“. Doch der Manager rechnet damit, dass sich die Lage schnell erholt. „Ich bin zuversichtlich, dass sich die Situation in wenigen Wochen deutlich verbessern wird und wir dann einen Run auf die Autohäuser erleben werden.“

Vor allem will Renault die Schlagzahl in Sachen E-Mobilität erhöhen – unter anderem mit dem Twingo Electric. Im Frühjahr kommt der Kangoo in den Handel. Und im Sommer folgt mit dem Arkana ein SUV-Coupé, das auch als Hybridvariante erhältlich sein wird. Die Franzosen werden dann insgesamt sechs Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Modelle im Angebot haben.

Mehr Eigenständigkeit für Dacia

Bei Dacia startet 2021 neben dem Sandero Mitte des Jahres der rein batterieelektrische Spring Electric, welcher der günstigste Stromer am Markt werden soll. Dacia wird sich künftig eigenständiger entwickeln. „Die Marke wurde größer, als der ein oder andere gedacht hätte“, sagt Hochgeschurtz. Da sei es legitim, die Marken schärfer zu trennen. Was das konkret für die Händler bedeutet, ist noch unklar. Aber man werde die Partner „sicherlich nicht zu erheblichen Investitionen veranlassen“.

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Redakteurin Management & Handel