Werkstattkonzepte: Markenpartner durch die Hintertür

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Werkstattkonzepte für den freien Markt gibt es nicht nur vom Teilegroßhandel, sondern auch von Autoherstellern. Besonders weit ist PSA mit seiner Kette Eurorepar Car Service. Doch andere Konzerne ziehen jetzt nach.

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Kfz-Technik Cenan in Niederzier ist der 400. Partner von Eurorepar in Deutschland.
Kfz-Technik Cenan in Niederzier ist der 400. Partner von Eurorepar in Deutschland.
(Bild: Christine Winkler)

So konsequent wie der PSA-Konzern ist wohl noch kein Autohersteller auf den freien Ersatzmarkt vorgedrungen. Die Franzosen betreiben mit Eurorepar Car Service ein vollwertiges Werkstattkonzept, dessen Partner Ersatzteile und Reparaturinformationen für alle Automobilmarken beziehen können. Zusätzlich gibt es noch Originalteile der Konzernmarken Citroën, Peugeot, DS und Opel.

Mit über 400 Partnern in Deutschland ist das ERCS-Netz bereits auf eine ernst zu nehmende Größe herangewachsen; in ganz Europa betreut Eurorepar nach eigenen Angaben mehr als 3.300 Betriebe. Waren es anfangs überwiegend ehemalige Markenhändler, die sich dem Konzept anschlossen, um weiterhin Originalteile beziehen zu können, so überzeugt es jetzt zunehmend auch freie Werkstattunternehmer oder Existenzgründer.

Als Beispiel kann Sinan Cenan aus Niederzier (Nordrhein-Westfalen) dienen, den Eurorepar Ende letzten Jahres als 400. Partner verpflichtete. Nach 20 Jahren als Angestellter in der Kfz-Branche erfüllte er sich 2018 seinen Traum von der Selbstständigkeit. „Dank der umfangreichen Unterstützung von PSA und Eurorepar wurde aus einem kleinen Traum ein großer Plan. Dafür bin ich sehr dankbar“, erklärt Cenan. Mit dem Autohaus Haas in Simmerath und Atrax in Neuss schlossen sich im Frühjahr 2019 zwei weitere Partner dem Eurorepar-Netz an.

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Ein neues Feature für die Eurorepar-Betriebe ist ein Onlinekatalog, der das umfangreiche Teileangebot des Konzepts komplett abbildet. Immerhin beliefert PSA die Werkstätten außer mit Originalteilen auch mit der preisgünstigen Ersatzteillinie Eurorepar, mit Produkten von Zulieferern, Reifen, Öl sowie Verbrauchsmaterial für Karosserieunternehmen. Der Katalog mit der Bezeichnung Service Box Multi-Brand soll genauso einfach zu bedienen sein wie ein Teileportal im Internet, gleichzeitig aber eine hohe Präzision bieten und ein One-Stop-Shopping ermöglichen.

Eine detaillierte Darstellung technischer Daten hilft den Mechanikern dabei, die richtigen Teile für jede Reparatur auszuwählen. Die Auswahl erfolgt über Referenznummern des Automobilherstellers oder des Zulieferers. Der „Car Selector“ erleichtert die Identifizierung von Fahrzeugen unter Verwendung der Zulassungsdaten oder der Fahrgestellnummer.

Mit der Service Box Multi-Brand haben Mechaniker − abhängig von ihrer Abonnementstufe ihres Eurorepar-Vertrags − außerdem Zugriff auf weitere technischen Informationen, etwa die Serviceintervalle des Herstellers oder die empfohlenen Arbeitsstunden. Damit lässt sich ohne viel Aufwand ein Kostenvoranschlag erstellen.

Weitere Funktionen von Service Box Multi-Brand sind die Anzeige der empfohlenen Verkaufspreise zusammen mit den personalisierten Einkaufsbedingungen der Werkstatt über ihren Distrigo-Hub sowie eine Anzeige der Verfügbarkeit der Ersatzteile in der Lieferkette.

Quick Lane: Netzaufbau in sehr kleinen Schritten

In Krefeld wurde im Frühjahr der erste Quick-Lane-Standort in Deutschland eröffnet. Mittlerweile sind es zwei.
In Krefeld wurde im Frühjahr der erste Quick-Lane-Standort in Deutschland eröffnet. Mittlerweile sind es zwei.
(Bild: Thomas Kogler)

Von einer vergleichbaren Netzgröße wie Eurorepar träumt ein Newcomer unter den herstellergebundenen Servicekonzepten: Quick Lane. Das Konzept wurde 1997 von Ford in den USA ins Leben gerufen und führt nach eigenen Angaben weltweit rund 1.100 Werkstätten auf Lizenz- und Franchisebasis. Mittelfristig will der Betreiber hierzulande 300 Partner verpflichten, kommt dabei aber nicht recht voran. Bis dato gibt es erst zwei Standorte in Deutschland, und zwar in Krefeld und in Hennef.

Weitere Neueröffnungen waren beziehungsweise sind für das dritte und vierte Quartal vorgesehen, diese stehen aber noch aus. „Unsere Ziele sind nicht in Stein gemeißelt“, teilte die Presseagentur von Quick Lane auf eine entsprechende Anfrage von »kfz-betrieb« lapidar mit.

Offensichtlich steht bei dem Unternehmen nicht die einzelne Werkstatt im Fokus, sondern Investoren, die gewillt sind, „größere Areale mit mehreren Werkstätten“ zu erschließen. Man sei aber auch offen für freie oder markengebundene Kfz-Betriebe sowie Reifenfachhändler. Auf Franchisebasis bekämen interessierte Betriebe dann die Möglichkeit, in einem exklusiv zugewiesenen Gebiet ihre Kundschaft zu versorgen. Die einzelnen Betriebe sollten zwischen 420 und 750 Quadratmeter groß sein und eine Deckenhöhe von mindestens 4,5 Metern haben. Mindestens sechs Parkplätze und eine „Front zu einer stark befahrenen Hauptverkehrsstraße“ sind ebenfalls Pflicht.

Quick Lane bezeichnet sich selbst als „Schnellreparatur-Spezialist“ und clustert sein Angebot für Wartung und Reparaturen in 13 Kategorien – von „Kleine Inspektion“ über „TÜV-Prüfungen“ bis hin zu „Wechsel der Bremsflüssigkeit“. Ein Reifenservice wird ebenfalls angeboten. Auf der modern gestalteten Website hingegen lassen sich aber nur vier einfache Wartungspakete zu Festpreisen buchen (79 bis 239 Euro). Auch die Terminvereinbarung geschieht hier online. Alle weiteren Leistungen muss der Kunde aber in den Standorten selbst anfragen.

Trapofit: Idee aus dem Autohandel macht Schule

Das Autohaus Nühlen hat an seinem Standort in Duisburg das Trapofit-Konzept eingeführt.
Das Autohaus Nühlen hat an seinem Standort in Duisburg das Trapofit-Konzept eingeführt.
(Bild: Roland Packläuser)

Ebenfalls noch ganz am Anfang steht der Netzaufbau bei Trapofit, einem markenoffenen Werkstattkonzept für Transporter aus dem Daimler-Konzern. Erfinder von Trapofit ist der Mercedes-Benz-Partner Schloz Wöllenstein, der das Konzept seit einigen Jahren an seinem Standort Chemnitz nutzt. Trapofit wirbt mit Werkstattservice für alle Marken und bietet unterschiedliche Servicepakete, Flüssigkeitswechsel, Bremsenservice und Batteriewechsel an.

Trapofit ist ein Werkstattkonzept für alle Transportermarken. Begründet hat es das Mercedes-Benz-Autohaus Schloz Wöllenstein.
Trapofit ist ein Werkstattkonzept für alle Transportermarken. Begründet hat es das Mercedes-Benz-Autohaus Schloz Wöllenstein.
(Bild: Trapofit)

Mittlerweile ist auch der Daimler-Konzern auf das Konzept aufmerksam geworden und hat es im Februar auf der Tagung des Verbands der Vermittler und Servicepartner für Mercedes-Benz (VVMB) vorgestellt.

Öffentlich darüber reden will er aber nicht: Auch auf mehrfache Nachfrage weigerte sich der Stuttgarter Hersteller, »kfz-betrieb« Einzelheiten zum Konzept und der geplanten Netzgröße mitzuteilen – und darüber, ob es sich ausschließlich an Mercedes-Benz-Vertreter richtet. Immerhin hat sich kürzlich der erste neue Partner dem Konzept angeschlossen: Das Autohaus Nühlen in Duisburg fungiert seit diesem Herbst als Trapofit Niederrhein.

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