„Wir hinterfragen die Netzstrategie des Herstellers“

Interview mit Peter Ritter, Vorsitzender des Mercedes-Benz Vertreterverbands

| Autor: Dominik Faust

Peter Ritter führt den VMB turnusgemäß noch bis 2020.
Peter Ritter führt den VMB turnusgemäß noch bis 2020. (Bild: Hans Schenkel)

Die Daimler AG blickt auf ein weiteres Rekordjahr zurück. Davon profitieren auch die 108 Mercedes-Benz-Vertreter mit ihren rund 480 Standorten in Deutschland. Doch die im Verband der Mercedes-Benz Vertreter e.V. (VMB) organisierten Händler haben durchaus auch mit Problemen zu kämpfen, erklärt VMB-Präsident Peter Ritter im Gespräch mit »kfz-betrieb«.

Herr Ritter, am 29. November fand in Berlin die Mitgliederversammlung der Mercedes-Benz-Vertreter statt. Wie bewerten Sie als Verband die Zusammenarbeit mit der Daimler AG bzw. mit ihrer Vertriebsorganisation MBVD?

Sie ist gut und vertrauensvoll. Noch neu für uns als Verband, aber auch für uns als Unternehmer ist die höhere Geschwindigkeit, mit der die Daimler AG relevante Themen angeht. Das gilt auch für die deutlich frühere Einbindung unseres Verbandes bzw. unserer Mitgliedsbetriebe in den Veränderungsprozess des Herstellers. Stichwort: Projektarbeit. Wir begrüßen das, weil wir schon sehen, dass Ergebnisse auf diese Weise deutlich rascher vorliegen, auch wenn auf dem Weg dorthin Anpassungen und Korrekturen notwendig sind.

Was brennt Ihrem Verband derzeit am meisten unter den Nägeln?

Neben den bekannten Fragen des Geschäftsmodells und der Ertragssituation bewegen uns die Auswirkungen der Elektromobilität und der Digitalisierung.

Das sind sehr weite Felder. Ein konkretes Thema ist das Programm Rex, mit dem der Hersteller Prozesse im Handel optimieren und einen einheitlich hochwertigen Markenauftritt sicherstellen will. Dabei kommt es zu Lieferschwierigkeiten von Zulieferern bei der Ausstattung neuer Showrooms. Wie relevant sind solche Probleme?

Jenseits der vielen neuen Arbeitsfelder, die uns sicherlich fit für die Zukunft machen, dürfen wir das Tagesgeschäft und die aktuellen Probleme nicht aus den Augen verlieren. Wenn es dabei zu Randproblemen wie Lieferschwierigkeiten von Zulieferern hinsichtlich der Ausstattung neuer Showrooms kommt, werden in der Regel im Einzelfall Lösungen mit der MBVD gefunden. Entscheidend ist, dass den Unternehmen dadurch keine Mehrkosten entstehen und dass die Kunden nicht darunter leiden.

Nicht alle Vertreter werden sich hohe Investitionen in optimierte Prozesse und neue Architekturen leisten können. Die Konsolidierung des Vertriebsnetzes wird weitergehen. Was sagen Sie zu dem Gerücht, der MBVD wolle die Zahl der Vertreter von derzeit 108 mittelfristig auf 60 reduzieren?

Insbesondere vor dem Hintergrund der Ertragssituationen der Geschäftsfelder Neufahrzeug, Gebrauchtfahrzeug und Service der jeweiligen Produktsparten diskutieren und hinterfragen wir beim MBVD selbstverständlich auch die jeweilige Netzstrategie. Eine konkrete Anzahl von 60 Vertretern, auf die das Netz mittelfristig reduziert werden soll, ist nicht Gegenstand unserer Gespräche mit der Daimler AG. Ein solcher Ansatz würde der komplexen Situation im Handel auch nicht gerecht und wäre daher nicht zielführend.

Für Daimler war 2017 das siebte Rekordjahr in Folge. Die Händler profitieren davon. Aber es gibt auch Probleme. Darüber berichten wir in der Ausgabe 3-4 des »kfz-betrieb«, die in dieser Woche erscheint (zum Vergrößern bitte Bild klicken).
Für Daimler war 2017 das siebte Rekordjahr in Folge. Die Händler profitieren davon. Aber es gibt auch Probleme. Darüber berichten wir in der Ausgabe 3-4 des »kfz-betrieb«, die in dieser Woche erscheint (zum Vergrößern bitte Bild klicken). (Bild: »kfz-betrieb«)

Ein weiteres aktuelles Problem sind die Verluste durch die Rücknahme von Leasing- bzw. Flottenfahrzeugen. Welche Unterstützung gewährt der Hersteller den VMB-Mitgliedern?

Wir freuen uns, dass zum einen die DAT mit dem Dieselbarometer Transparenz und Objektivität in die öffentliche Diskussion bringt. Aber zum anderen auch, dass die Daimler AG mit der Eintauschprämie unterstützt und Konsequenzen für die Restwerte zieht. Daneben haben wir erfolgreich Maßnahmen für die mehrstufige Verbesserung der Rendite bei der Vermarktung von Leasing- bzw. Finanzierungsrückläufern mit dem MBD verhandelt. Das ist ein wichtiger Baustein zur Stabilisierung bzw. Verbesserung der Ertragssituation im Geschäftsfeld Pkw.

Womit sich Ihre Mitglieder derzeit außerdem auseinandersetzen müssen, ist die Tatsache, dass der MBVD das papierlose Autohaus anstrebt. Ist der Verband überzeugt, dass seine Mitglieder damit den Bedürfnisse ihrer meisten Kunden gerecht werden können?

Grundsätzlich kann die Digitalisierung in der Verwaltung Vorteile bringen, etwa durch das Führen digitaler Verkaufs- und Serviceakten. Durch deren Einführung müssen bestehende Prozesse überprüft und angepasst werden. Das wird mit einem entsprechenden Workflow verbunden sein, der sicher vielfach verbesserte Strukturen, Transparenz und Nachhaltigkeit zur Folge haben wird. Aus diesem Grund hatten wir bereits vor geraumer Zeit beim Hersteller gefordert, dass auch die digitale Verkaufsakte akzeptiert wird. Das ist inzwischen der Fall.

Aber glauben Sie, dass die meisten Ihrer Endkunden schon soweit digital affin sind, dass sie ab 2018 ohne gedruckte Prospekte auskommen – oder wird es Übergangslösungen geben müssen?

Ich glaube, das hat nicht zwingend etwas mit digitaler Affinität zu tun. Es muss beides geben. Mercedes-Benz erstellt aktuell haptisch, optisch und inhaltlich sehr ansprechende Broschüren. In allen Kundengruppen haben wir Menschen, die diese bestellen oder in unseren Läden mitnehmen. Wir sollten diese Interessen weiterhin befriedigen. Zufriedene Kunden sind die Basis unseres Erfolges und unserer Zukunft.

Dominik Faust
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