WLTP macht Aufbauherstellern Sorgen

Autobauer wollen Aufbauhersteller mit Berechnungstools unterstützen

| Autor: Konrad Wenz

Ab September greift die WLTP-Gesetzgebung auch für individuelle Aufbauten.
Ab September greift die WLTP-Gesetzgebung auch für individuelle Aufbauten. (Bild: Dautel)

Der Zentralverband für Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) hat mit allen relevanten Herstellern sowie Prüfgesellschaften, dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) und dem Verband der Automobilhersteller (VDA) in einem offenen Erfahrungsaustausch die näher rückende WLTP-Einführung für Nutzfahrzeuge diskutiert. Der ZKF vertritt unter anderem rund 600 Aufbauhersteller, die je nach Kundenwunsch die Fahrgestelle um zweckdienliche Aufbauten ergänzen, darunter Inneneinrichtungen ebenso wie Signalanlagen.

Das Problem: Über 40 Prozent der produzierten Nutzfahrzeuge der Transporterklasse werden von der Industrie als reine Fahrgestelle verkauft und erlangen erst in den überwiegend mittelständisch geprägten Aufbauherstellerbetrieben ihre kundenspezifische Aufbauart. Das heißt, für alle Fahrzeuge mit individuellen Auf- und Ausbauten müssen vom Aufbauhersteller alle relevanten Werte zur Erstellung eines WLTP-Dokuments ermittelt werden.

Betroffen sind davon viele Kunden: Ob Feuerwehr, Bäcker, Glaser oder Wäscherei – ab 1. September 2019 gilt die WLTP-Zertifizierung für alle neu zugelassenen Nutzfahrzeuge der Kategorie N1 und N2 mit einer Bezugsmasse von bis zu 2.840 Kilogramm (Fahrzeugleergewicht inklusive Fahrer, 90 Prozent Tankfüllung + 25 Kilogramm).

WLTP-Problematik beginnt bei der Angebotserstellung

Der Vizepräsident des ZKF, Claus Evels, betont, dass der Aufbauhersteller bereits bei der Angebotserstellung mit WLTP konfrontiert ist und schon zu diesem Zeitpunkt eine umfangreiche Hilfestellung seitens der Hersteller benötigt. Entsprechende Berechnungstools unter Berücksichtigung von Daten wie Stirnfläche, Gewicht und Reifenabrollwiderstand ohne notwendige Eingabe einer VIN (Vehicle Identification Number) seien unverzichtbar, damit bereits vor der Produktion des Basisfahrzeugs die WLTP-Konformität des Auf- und Umbaus geprüft werden könne. Anderenfalls bestehe im schlechtesten Fall das Risiko, dass das Fahrzeug nicht zugelassen werden könne.

Derzeit bieten nur wenige Fahrzeughersteller webbasierte Kalkulationsplattformen an, mit denen Aufbauhersteller die WLTP-Konformität ihrer Projekte durch eine Kombination aus den jeweiligen Motor- und den weiteren Fahrzeugdaten ermitteln können. Da bei der Bestimmung des WLTP-Werts in den meisten Fällen eine konkrete VIN gefordert wird, stellen einige Autokonzerne – wie durch den ZKF in den vergangenen Monaten gefordert – einen vorläufigen Marketingcode zur Verfügung, der sich zur Angebotserstellung ohne VIN und ohne reale Bestellung des Fahrzeugs eignet.

Nach Angaben der Hersteller werden sie alle ab Juni 2019 eine Onlineplattform zur WLTP-Berechnung zur Verfügung stellen. In diesem Zusammenhang hat der ZKF angeboten, die erforderlichen Schulungen zu koordinieren und in der Geschäftsstelle des ZKF zu zentralisieren.

Prüfgesellschaften agieren je nach Bundesland

Die Prüfgesellschaften äußerten sich dahingehend, dass noch nicht alle Detailfragen auf nationaler Ebene geklärt seien und eine bundesweite WLTP-Regelung für Aufbauhersteller nicht durchzusetzen sei. Die Erteilung einer Einzelbetriebserlaubnis für die betroffenen Fahrzeuge erfolgt durch die örtliche Zulassungsstelle, die dem Ministerium des jeweiligen Bundeslandes untergeordnet ist, womit sich unterschiedliche Verfahren ergeben können. Von Seiten des TÜVs bestehen Arbeitskreise, die eine einheitliche Umsetzung anstreben.

Als Fazit des Erfahrungsaustausches ist festzuhalten, dass das Thema noch nicht vollständig und für die Aufbauhersteller zufriedenstellend gelöst ist. Die webbasierenden Berechnungsprogramme sind herstellerspezifisch und nicht standardisiert.

Spannend und höchst aktuell bleibt diese Herausforderung allerdings, denn die neue Norm RDE (Real Driving Emission) steht quasi schon vor der Tür. Im Gegensatz zu WLTP erfolgt die Bestimmung der Verbrauchs- und Emissionswerte nach RDE nicht auf dem Prüfstand, sondern im laufenden Straßenverkehr.

Die Herausforderung wird sein, gemeinsam mit Gesetzgeber und Fahrzeugindustrie Verfahren zu erarbeiten, damit auch künftig die individuellen Aufbaulösungen in Deutschland zugelassen werden können.

Weitere Antworten zum Thema WLTP sollen der ZKF-Branchentreff in Esslingen am 24./25. Mai 2019 und das Forum Fahrzeugbau am 29. Oktober in Würzburg liefern.

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