Women‘s Award: Familienmensch und Unternehmerin

Autor / Redakteur: Dr. Karin Bayha / Karin Bayha

Andrea Rapp-Kübler hatte eine Karriere im Ausland vor Augen. Nach zwei familiären Schicksalsschlägen kam sie jedoch zurück, um das Renault-Autohaus ihrer Eltern weiterzuführen.

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Ursprünglich hatte Andrea Rapp-Kübler andere Pläne, inzwischen führt sie erfolgreich den Betrieb ihrer Eltern.
Ursprünglich hatte Andrea Rapp-Kübler andere Pläne, inzwischen führt sie erfolgreich den Betrieb ihrer Eltern.
( Archiv: Vogel Business Media )

Sprachen und andere Länder kennenzulernen, war Andrea Rapp-Küblers Leidenschaft. Die Idee, einmal das Renault-Autohaus ihrer Eltern zu führen, kam ihr nach der Schule zunächst nicht in den Sinn. „Ich wollte weg und mich mit Sprachen beschäftigen“, sagt die 37-jährige Autohauschefin.

Gemeinsam mit ihren drei Geschwistern wurde sie im Betrieb ihrer Eltern groß und war schon früh in die Arbeit des mittelständischen Autohauses im oberschwäbischen Schemmerhofen eingebunden. „Samstags haben wir Hof und Straße gekehrt, Autos gewaschen oder Verpackungsmaterial beseitigt, bevor später in den Ferien gegen einen Stundenlohn Bürojobs dazukamen“, erinnert sich Rapp-Kübler. Die Arbeit machte ihr Spaß, doch der Drang, Englisch, Französisch und Spanisch zu lernen, war größer. Sie machte eine Ausbildung zur fremdsprachlichen Wirtschaftskorrespondentin und schloss 1992 eine Weiterqualifikation zur Europasekretärin ab. Danach ging sie ins Ausland.

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Poitiers in Frankreich war ihr erstes Ziel. In einer Baufirma bearbeitete sie Kundenanfragen und wurde in viele Aufgaben einfach „reingeschubst“. „Ich hatte Glück und immer nette Leute um mich herum, sodass ich mich schnell zurechtfand“, berichtet sie rückblickend. Sie hat sich durchgebissen. Sie hatte bereits ein festes Arbeitsverhältnis in einer Baufirma in Frankreich vor Augen, als Rapp-Küblers Schwester einen schlimmen Verkehrsunfall hatte und sich ihre Mutter 1993 einer schweren Operation unterziehen musste.

Plötzlich die Geschäfte in der Hand

Ohne Detailkenntnisse des Autohausgeschäfts kam Rapp-Kübler zurück. Sie übernahm mit 20 Jahren für ein Jahr die Vertretung ihrer Mutter. Zu dieser Zeit hatte der Betrieb 16 Mitarbeiter „Ich wusste nichts und kannte nur die Ablage“, beschreibt sie die harte und prägende Zeit. Ihre Mutter hatte immer Wert darauf gelegt, dass die Kinder lernten, selbstständig zu handeln, was Rapp-Kübler jetzt zugute kam. „Es war ein komisches Gefühl, auf dem Platz der Mutter zu sitzen“, blickt sie zurück. „Plötzlich musste ich entscheiden, was im Autohaus passiert.“ Sie war allein verantwortlich für die Bereiche Buchhaltung, Lohn- und Finanzwesen. Ihr Vater leitete den Service.

Um sich schnellstmöglich einzuarbeiten, wälzte sie nächtelang Ordner und befasste sich intensiv mit dem EDV-System. Sie fuhr mit Ordnern in die Klinik, um sich mit ihrer Mutter abzustimmen. Ohne das gute Personal wäre es nicht gegangen, sagt Rapp-Kübler. Trotz der großen Anstrengung war die Phase ausschlaggebend dafür, sich weiter in das Autohausgeschäft einzuarbeiten.

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