Ihr Wunsch, noch einmal ins Ausland zu gehen, war dennoch größer. Während der Genesung ihrer Mutter bewarb sich die damals 20-Jährige um ein Stipendium in Belfast. Nach dem dortigen Aufenthalt und Praktikum in der europäischen Kommission war 1994 dann definitiv klar: „Ich komme zurück und steige ins elterliche Autohaus ein.“ Zwei Jahre war sie Verkaufsberaterin für Neu- und Gebrauchtwagen, bevor sie an der BFC in Calw ihren Kfz-Betriebswirt machte. Dort habe sie richtig Blut geleckt, sagt sie. Nach dieser Zeit arbeitete sie an der Seite ihrer Mutter als Assistentin der Geschäftsleitung und als Verkaufsberaterin.
Betrieb der Eltern weiterführen
Ihr Bruder Jörg signalisierte nach seiner Ausbildung zum Kfz-Mechaniker und seiner anschließenden Meisterprüfung, dass er ebenfalls im Autohaus bleiben wolle. Mit diesem Entschluss übergaben die Eltern das Autohaus im August 1999 an zwei ihrer vier Kinder. Andrea Rapp-Kübler war damals 26 und ihr Bruder Jörg 24 Jahre alt.
„Unsere Mutter hat die Übergabe vorangetrieben, sie wollte sie vom Tisch haben“, erzählt Rapp-Kübler. Im Jahr 2001 starb die Mutter infolge ihrer Krankheit mit 55 Jahren. „Das Autohaus ist das Lebenswerk meiner Mutter und meines Vaters, das ich für sie weiterführen will“, erklärt Rapp-Kübler. So machten sich die beiden Kinder daran, diverse Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen umzusetzen.
Viel gewagt und bewegt
Seit der Übernahme eröffneten sie eine neue Verkaufsaußenstelle in Biberach. Im Jahr 2000 führten sie verschiedene Modernisierungen durch und bekamen das Umweltsiegel des Deutschen Kfz-Gewerbes. 2003 wurde die Ausstellungshalle zur Schnellservice-Werkstatt, und 2005 stand der Bau einer neuen Ausstellungshalle und eines Gebrauchtwagenplatzes auf dem Plan. Dass sich der Mut und das Engagement gelohnt haben, bestätigen die Top-Platzierungen von 2006 bis 2009 beim Global Quality Award von Renault.
Das nächste Projekt ist Rapp-Kübler ebenfalls bereits angegangen. Das Lager soll komplett neu strukturiert werden, um den hohen Bestand zu minimieren. Des Weiteren läuft die Bewerbung um einen Dacia-Händlervertrag, und der Betrieb soll zum Transporterstützpunkt ausgebaut werden.
Unternehmerin und Familienmensch
Mit Disziplin, Konsequenz und Flexibilität hat sich Rapp-Kübler als junge Unternehmerin von Beginn an durchgesetzt. Ihre Familie spielte dabei immer eine wichtige Rolle. Für ihre 6-, 4- und 2-jährigen Kinder hat Rapp-Kübler die Frühstücks- und Mittagszeit fest reserviert. Das gemeinsame Mittagessen ist Pflicht: „Wir kochen immer zusammen.“ Halt und Unterstützung erfährt Rapp-Kübler auch von ihrem Mann. Er arbeitet in der Jugendhilfeeinrichtung Martinshaus Kleintobel und hat auf eine 60-Prozent-Stelle reduziert. Damit ist er zwei Tage pro Woche komplett für die Kinder da.
Mit ihrer freundlichen und ausgeglichenen Art wird Andrea Rapp-Kübler sicherlich auch in Zukunft Familie und Beruf perfekt unter einen Hut bringen und den besten Weg für sich, ihre Familie und das Unternehmen finden.
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