Verbandspolitik wird Europapolitik
Mit der fortschreitenden europäischen Integration gewinnen die europäischen Gremien in Brüssel für das Kfz-Gewerbe große Bedeutung. Der ZDK und weitere nationale Kfz-Verbände gründen den europäischen Kfz-Gewerbeverband Cecra und nehmen deutlichen Einfluss auf die 1985 erstmals verabschiedete europäische Gruppenfreistellungsverordnung für den Automobilvertrieb (Kfz-GVO). Ein neuer Abschnitt der Verbandsgeschichte beginnt mit der Öffnung der Ostgrenzen.
In der damaligen DDR gründen selbstständige Kfz-Handwerker Innungen und Landesverbände. Präsident des ZDK der DDR wird Edgar Perduß aus Leipzig. Mit dem Vollzug der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten schließen sich auch die beiden Verbände im Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) zusammen. Im Zuge einer beispiellosen Aufholjagd bei der Motorisierung – in der früheren DDR musste man bis zu 14 Jahre auf ein bestelltes neues Fahrzeug warten – erfolgten viele Neugründungen von Kfz-Betrieben. Diesem Boom folgte naturgemäß Mitte der neunziger Jahre ein scharfer Rückgang, der zu starken Strukturveränderungen in der Branche führte.
Die Euro-Einführung sowie die Erweiterung der EU um weitere zehn Mitgliedsstaaten stellten den Verband und seine Mitglieder vor neue Herausforderungen. In den gleichen Zeitraum fiel das Ringen um und die Verabschiedung der neuen Kfz-GVO, mit der die EU-Kommission die Unabhängigkeit der Händler und Werkstätten von den Herstellern stärken wollte. Inwieweit dies gelang, ist umstritten.
Allein das heftige Tauziehen um die ab 1.10.2005 wegfallende Standortklausel, eine Reparaturklausel beim Designschutz für Fahrzeugteile und die freie Verfügbarkeit von Reparaturinformationen belegen: Der Kfz-Organisation wird es künftig nicht an Arbeit im Interesse der Mitglieder mangeln.
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