30 Jahre Lancia Ypsilon: Italienisches Kleinod

Autor / Redakteur: sp-x / Christoph Seyerlein

Einst wurde der Cityflitzer zum Inbegriff des italienischen Fashion-Minis. Jetzt steht er für das Finale von Lancia und verschwindet bald von den hiesigen Preislisten.

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Insgesamt 2,7 Millionen Einheiten verkaufte Lancia bislang vom Ypsilon.
Insgesamt 2,7 Millionen Einheiten verkaufte Lancia bislang vom Ypsilon.
(Foto: Lancia)

Der Fiat-Konzern konnte seine edle Tochter nicht aus der Krise befreien. Lancia, einst der Inbegriff eines avantgardistischen Autobauers mit viel Feingefühl für schöne Formen, konzentriert sich mit dem verbliebenen Kleinwagen Ypsilon künftig auf den italienischen Markt. Legendäre Marken sterben selten in Schönheit. Es ist meist ein schmerzhafter Abschied auf Raten, der es an Würde vermissen lässt. Rover oder die noch immer zuckende Marke Saab sind nur zwei traurige Beispiele.

Jetzt folgt Lancia, ein Traditionsunternehmen, das nächstes Jahr seinen 110. Geburtstag feiert und das lange Zeit zu den innovativsten Autoherstellern überhaupt zählte. Als letztes Modell soll die italienische Ikone unter den Lifestyle-Minis, der in vier Generationen und mehr als 2,7 Millionen mal verkaufte Ypsilon, die kaum noch flackernde Flamme auf dem Heimatmarkt weitertragen bis sie wahrscheinlich irgendwann ganz erlischt.

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Ein klägliches Ende der einst von Vincenzo Lancia gegründeten und seit 1969 im Besitz von Fiat befindlichen Marke. Technik und Couture vom Feinsten ohne Rücksicht auf die Kosten und dies sogar in der kleinsten Klasse – das war es, wofür Lancia stand und was der Turiner Edelfabrik zum Verhängnis wurde. Viel Geld verdient haben die genialen Italiener zu selten, zumal nur kleine Modelle wie der Ypsilon mehrfache Produktionsmillionäre wurden.

Der Morgen des 4. März 1985 war sonnig, aber bitterkalt. Doch den Männern, die sich vor den Toren der Genfer Messe um den Mini mit den eigenwilligen und zugleich extravaganten Formen scharten, machte das nicht das Geringste aus. Wie beobachtende Journalisten zu berichten wussten, diskutierten die Mitarbeiter des Fiat-Konzerns noch einmal hitzig die Frage, unter welchem Markenlogo der 3,39 Meter kurze und 720 Kilogramm leichte Kleinwagen nun fahren sollte. Dabei war doch längst alles entschieden. Der Y10 – benannt nach dem gleichnamigen Entwicklungscode – sollte die Lancia-Renaissance im City-Car-Segment beflügeln und zugleich die Nachfolge des Autobianchi A112 antreten. Dieser hatte 1969 das Konzept des englischen Minis um eine Heckklappe ergänzt und in feinste italienische alta moda gekleidet.

Lifestyle, der nun von den Autobianchi-Entwicklern in die Formen der 1980er Jahre gebracht wurde und mit dem Y10 debütierte. Autobianchi war jene Avantgarde-Marke innerhalb des Fiat-Konzerns, bei der die Mutter neue Konzepte wie Frontantrieb und Heckklappe erprobte, bevor sie auf Fiat-Fahrzeuge übertragen wurden. Eine feine Nischenmarke, deren Einstellung Fiat Auto aber schon 1975 beschlossen hatte.

Autobianchi wurde nun in Lancia integriert, zumal die Händlernetze in verschiedenen Ländern ohnehin beide Marken vertrieben. Dennoch erhielt Autobianchi mit dem Y10 als kompromisslos-kantigem Aerodynamik-Weltmeister der kleinen Klassen (cW-Wert 0,31) eine Gnadenfrist, wovon auch die Genfer Weltpremiere zeugte. Die Ausstellungsfahrzeuge trugen das Autobianchi-Logo, die Presseinformationen gab es auch mit Lancia-Label. So wie die Vermarktung, abgesehen von Italien und drei weiteren Märkten, mit Lancia-Logo erfolgte.

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