ZDK-Referentin geht in den Ruhestand Abschied von Miss Oldtimer

Von Doris Pfaff

ZDK-Referentin Andrea Zeus setzt sich zumindest beruflich zur Ruhe. 22 Jahre lang prägte sie in der Abteilung Berufsbildung drei Themen, die verschiedener nicht sein können: Old- und Youngtimer, ZDK-Messeauftritte und Berufswettbewerbe.

Anbieter zum Thema

Andrea Zeus vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe hat sich maßgeblich für das neue Berufsbild „Geprüfte/r Restaurator/in im Handwerk“ eingesetzt.
Andrea Zeus vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe hat sich maßgeblich für das neue Berufsbild „Geprüfte/r Restaurator/in im Handwerk“ eingesetzt.
(Bild: Word Skills Germany)

Für Andrea Zeus ist bald Schluss im ZDK. Ende Februar geht die Referentin der Abteilung Berufsbildung in den Ruhestand. 22 Jahre lang kümmerte sie sich vor allem um die Themen Automechanika, internationale Berufswettbewerbe und Old- und Youngtimer.

Letzteres prägte sie so sehr, dass sie in Branchenkreisen den Titel „Miss Oldtimer“ verliehen bekam. Dabei hatte Zeus mit historischen Fahrzeugen zunächst nichts am Hut. Damit kam sie erst in Berührung, als ihr 2006 Bundesinnungsmeister und ZDK-Vizepräsident Wilhelm Hülsdonk das Thema antrug. „Ich hatte von Oldtimern überhaupt keine Ahnung und musste mich zunächst schlau machen“, sagt sie. Schließlich fasste sie all ihr gesammeltes Wissen in einer Broschüre zusammen. Das war die erste, die es im Kfz-Gewerbe überhaupt zum Thema Oldtimer gab. Schon früh stand dabei die Frage nach den Fachkräften im Raum. Schließlich sind für Reparatur und Wartung der Klassiker Fachkenntnisse gefragt. Über diese verfügten aber bis dato nur Bastler oder ältere Kfz-Mechatroniker als „alte Hasen“, weil sie früher selbst täglich an solchen Fahrzeugen gearbeitet hatten. Inzwischen werden sie weniger – ein Großteil von ihnen ist schon in den Ruhestand gegangen. Ihr Wissen droht verloren zu gehen, wenn es nicht weitergegeben wird, erkannte Zeus.

Bildergalerie

Oldtimer brauchen Fachkräfte

Der Bedarf an Fachkräften für den Oldtimermarkt besteht also, stellte Zeus schnell fest. Doch einen eigenen Ausbildungsberuf im Bereich Oldtimer umzusetzen, gelang ihr nicht. Dabei hatte sie im deutschsprachigen Raum auf Rallyes mit dem roten Servicemobil kräftig dafür die Werbetrommel gerührt. Und auch der erste Oldtimer-Kongress ging auf die Initiative der ZDK-Referentin zurück.

Zeus hatte parallel zu ihrem Bemühen um einen eigenen Ausbildungsberuf auf die Fortbildung der Kfz-Mechatroniker gesetzt. Mit dem „Master Professional Restaurator für das Kfz-Gewerbe“ erreichte sie 2020 dieses Ziel. Vor zwei Jahren wurde die Verordnung für den Restaurator im Handwerk erneuert, dem bis dahin 17 Gewerke angehörten. Jetzt ist auch das Kfz-Gewerbe dabei.

In diesem Jahr soll die erste Weiterbildung für Kfz-Mechatroniker zum Restaurator starten. Auch die große Herausforderung, dafür entsprechende Dozenten mit einer akademischen Ausbildung zu finden, konnte Zeus meistern. Der Kampf um die Fachkenntnisse über klassische Fahrzeuge sei jedoch noch nicht gewonnen. „Wenn uns der Wissenstransfer hinsichtlich dieser Fahrzeuge nicht gelingt und keiner mehr in der Lage ist, sie zu reparieren, können wir zukünftig Oldtimer nur noch im Museum bewundern und nicht mehr auf der Straße“, sagt sie.

750 Betriebe sind zertifiziert

Die Kfz-Betriebe, die Kunden mit Oldtimern betreuen, haben das erkannt. Inzwischen haben sich rund 750 Kfz-Betriebe für das Zusatzschild „Fachbetrieb für historische Fahrzeuge“ zertifiziert. Zeus hatte es für Innungsmitglieder ins Leben gerufen. Dass Zeus schließlich den Vorsitz des 2017 gegründeten ZDK-Fachausschusses übernahm, verstand sich von selbst. Ihre Nachfolge im Ausschuss tritt Matthias Kemmer an, ebenfalls Ausschussvorsitzender.

Das Thema Oldtimer schließt Zeus mit ihrer Amtsübergabe nun aber ab: Trotz ihres Engagements habe sie keine leidenschaftliche Liebe dazu entwickelt und sei nicht selbst Besitzerin eines klassischen Flitzers geworden, gesteht Zeus. Das sei aber kein Nachteil gewesen:„Gerade für meine Neutralität wurde ich von vielen Ausschussmitgliedern geschätzt.“

Neben den Oldtimern war Zeus auch für die Messeauftritte des ZDK zuständig. Diese Aufgabe sei in den vergangenen Jahren komplexer geworden, und die Ansprüche an eine Messe seien gestiegen. Mit zunehmender Digitalisierung werde es schwieriger, Besucher zu begeistern. Das zeige auch die Automechanika, die längst kein Selbstläufer mehr sei. „Die Pandemie zwang uns zu Änderungen und überraschte uns. Denn die hybride Form der Automechanika plus im vergangenen Jahr wurde gut angenommen. Unsere gestreamten Angebote hatten sehr gute Zugriffszahlen.“

Pokale für die Kfz-Ausbildung

Trotz ihres Engagements für Messen und Oldtimer schlug ihr Herz vor allem für ihr drittes Aufgabengebiet: die berufliche Weiterbildung beziehungsweise die Berufswettbewerbe für duale Ausbildungsberufe. „Ich finde es einfach wichtig, nicht nur diejenigen zu fördern, die Schwächen haben, sondern vor allem auch die, die richtig gut sind und Talent haben“, sagt Zeus. Wenn diese Kfz-Talente dafür in internationalen Wettbewerben jährlich Pokale einheimsten, sei das die beste Werbung für die Kfz-Ausbildungsberufe überhaupt. „Gerade heute ist es im Hinblick auf den Ausbildungsmarkt wichtig, zeigen zu können, dass das Kfz-Gewerbe eine exzellente Ausbildung bietet, die auch im internationalen Ranking ganz oben steht.“

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Von Beginn an brachte sich Zeus mit Eifer ein und rief als ZDK-Mitglied 2006 die World Skills Germany mit ins Leben. So sorgte sie dafür, dass Deutschland weiterhin mit seinen Ausbildungsberufen am internationalen Wettbewerb teilnehmen konnte. Immer wieder stand Zeus als Vorstandsmitglied mit den erfolgreichen Talenten aus dem Kfz-Gewerbe auf dem Siegertreppchen. Nun heißt es auch hier Abschied nehmen. Ihre Funktion als Vorsitzende wird bis zu den Neuwahlen im Mai ihr Stellvertreter Michael Hafner vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) übernehmen.

Der Abschied aus dem Berufsleben fällt der 62-Jährigen nicht schwer, dafür hat sie zu viele Pläne. Neben ihrer Familie möchte sie der Kunst und dem Reisen ihre Zeit widmen. Seit ihrer Jugend malt sie und hat bereits mehrfach Werke ausgestellt. „Darauf freue ich mich schon lange, genauso wie auf meine zweite Heimat Sizilien.“

(ID:47964345)