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ADAC: GW-Händler verschweigen Fahrzeugmängel

| Autor: Jens Rehberg

Anhand einer Stichprobe kommt der ADAC zu dem Ergebnis, die deutschen Gebrauchtwagenhändler würden dazu neigen, ihre Kunden in Puncto Fahrzeugzustand übers Ohr zu hauen.

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(Bild: VBM-Archiv)

Der ADAC kommt nach der Überprüfung von 36 Freien und markengebundenen Autohändlern zu dem Ergebnis, diese hätten Informationen zu Fahrzeugmängeln beim Gebrauchtwagenkauf möglichst lange zurückgehalten. Bei der Stichprobe untersuchte der Club laut einer Pressmitteilung vom Dienstag 16 Freie und 20 Fabrikatshändler in Berlin, Hamburg, München, Köln, Stuttgart und Dresden. Alle hätten die „Tendenz“ offenbart, über Fahrzeugmängel erst dann zu reden, wenn sie vom Kunden direkt darauf angesprochen worden seien.

Zudem hätten die Freien oft an der Aufbereitung beziehungsweise Instandsetzung der Fahrzeuge gespart. Sei ein Mangel oder der allgemeine Fahrzeugzustand vom Kunden moniert worden, hätten sich die fabrikatsgebundenen Betriebe deutlich serviceorientierter verhalten.

Die Mängel, über die die Händler angeblich nicht gerne sprechen, konkretisiert der ADAC folgendermaßen: Unter anderem hätten 14 Fahrzeuge „rostige oder verschlissene Bremsen“ und damit „erhebliche Mängel“ aufgewiesen. In einem Fall habe man im Fahrzeug eines Renault-Händlers Schimmel auf den hinteren Sitzen festgestellt.

Im Gespräch mit »kfz-betrieb« räumte ADAC-Projektleiter Florian Fischer allerdings ein, dass der Zustand der beanstandeten Bremsen nicht einem „erheblichen Mangel“ im Sinne eines HU-Mangels entspreche. Trotzdem sei es angemessen, von „Mängeln“ zu sprechen, denn der Zustand der Bremsen hätte sich mehrfach „hart an der Verschleißgrenze“ befunden. Zudem seien Bremsanlagen in einigen Fällen so stark verrostet gewesen, dass sich der Rost nicht mehr habe entfernen lassen. In einem Fall sei auch trotz frisch zugeteilter HU-Plakette eine sehr stark verschlissene Bremse festgestellt worden.

Insgesamt hat der Club laut Florian Fischer bei einem Drittel der besuchten Händler – fast alles Freie – eine „K.O.-Wertung“ erteilt. Hierunter seien neben technischen Mängeln beispielsweise auch falsche Angaben zum Kilometerstand gefallen. In mehreren Fällen habe es eine Abweichung zur Angabe im Inserat von mehr als 10.000 Kilometern gegeben. In einem Fall habe sich erst bei Besichtigung herausgestellt, dass es sich um ein Raucherfahrzeug gehandelt habe. In einem weiteren habe sich das zunächst angegebene Erstzulassungsdatum als falsch herausgestellt.

In seiner Stichprobe hat der ADAC bei den einzelnen Fahrzeugen den Preis, Motor und Antrieb, Fahrwerk und Lenkung, Räder und Reifen, Bremsen sowie die Elektrik überprüft. Außerdem standen unter anderem der Verlauf des Verkaufsgesprächs, die Abwicklung der Probefahrt, das Mängelgespräch und die Preisverhandlung auf dem Prüfstand.

Der Club rät den Verbrauchern, Gebrauchtwagen vor dem Kauf beim Händler „am besten einer professionellen Gebrauchtwagenprüfung zu unterziehen“.

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) bezeichnete die Aussagen des ADAC am Dienstag als „wenig überzeugendes Stichprobenergebnis“. Bei mehr als vier Millionen Gebrauchtwagenverkäufen, die 2013 über den Fachhandel abgewickelt wurden, hätten nur rund 1.700 Verkäufe Anlass gegeben, die Kfz-Schiedsstellen anzurufen. Das seien lediglich 0,04 Prozent aller Gebrauchtwagenverkäufe und damit ein verschwindend geringer Anteil. „Damit dokumentiert der Fachhandel nachhaltig, Qualitätsprodukte anzubieten, die so gut wie keinen Grund zu Beanstandungen geben“, so der ZDK. Ausreißer ließen sich nicht völlig verhindern, seien aber nicht repräsentativ.

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Über den Autor

 Jens Rehberg

Jens Rehberg

stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Newsdesk bei der Vogel Communications Group