Ehrung Albert K. Still erhält „Executive Circle Award 2021“

Autor / Redakteur: Wolfgang Michel / Andreas Grimm

»kfz-betrieb« hat Albert K. Still mit dem „Executive Circle Award 2021“ für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Ausgehend von zwei elterlichen Autohäusern hat der Preisträger das Familienunternehmen ab 1967 zum zweitgrößten Autohändler Deutschlands entwickelt.

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Albert K. Still, der frühere Vorstands- und spätere Aufsichtsratsvorsitzende der AVAG-Holding SE (r.), erhält aus den Händen von »kfz-betrieb«-Chefredakteur Wolfgang Michel den „Executive Circle Award 2021“.
Albert K. Still, der frühere Vorstands- und spätere Aufsichtsratsvorsitzende der AVAG-Holding SE (r.), erhält aus den Händen von »kfz-betrieb«-Chefredakteur Wolfgang Michel den „Executive Circle Award 2021“.
(Bild: Stefan Bausewein)

Der „Executive Circle Award 2021“ geht an Albert K. Still. Mit der Auszeichnung ehrt »kfz-betrieb« den 78-Jährigen für sein Lebenswerk. Ein Lebenswerk, das früh Formen annahm und an dem Albert K. Still bis ins hohe Alter arbeitete.

Zurück zu den Anfängen: Albert K. Still wuchs als Einzelkind im elterlichen Betrieb auf – die heutige AVAG Holding SE mit zuletzt 2,15 Milliarden Euro Umsatz. Über dem Geschäft wohnten seine Großeltern, im zweiten Stock lebte er mit seinen Eltern. Inmitten von Kriegsruinen spielte er mit seinen Freunden. Denn der Stammbetrieb des diesjährigen Preisträgers lag nach dem Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche. Erst 1949 ging es mit dem Verkauf von Motorrädern wieder los. Verkauft wurden vor und nach dem Krieg Motorräder von BMW, NSU und Horex. 1955 feierte das Unternehmen sein vierzigjähriges Bestehen.

Executive Circle Award: Hohe Ehre für Albert K. Still
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Dass der Junior einmal in die Firma einsteigen würde, war für die erste und zweite Unternehmergeneration immer klar. Doch eine entscheidende Weichen stellten noch die Eltern – sie wechselten 1955 in das Autogeschäft. Meistverkauftes Modell war seinerzeit die Isetta von BMW. Der Kleinstwagen wurde von 1955 bis 1962 gebaut, er kostete anfangs 2.580 Deutsche Mark. Eine von rund 1.000 verkauften BMW Isetta steht noch heute in der Garage des Preisträgers.

Vom Kfz-Mechaniker zum Verkaufsleiter

Mit dem Einstieg in das Autogeschäft einher ging der Umzug in einen neuen größeren Betrieb. Dort absolvierte Albert K. Still seine Lehre zum Kfz-Mechaniker. 1961 verstarb der Großvater, und sein Vater übernahm alleinig die Geschäfte. Zu seinem Sohn sagte er damals: „Bua, jetzt werfen wir den ganzen Kram raus und verkaufen richtige Autos.“

Gesagt, getan: Im Januar 1963 wurde der Familienbetrieb Unterhändler für die Marke Opel. Im ersten Jahr verkaufte man bereits 250 Neuwagen. Und der Junior? Direkt im Anschluss an sein Studium zum Wirtschaftsingenieur am Polytechnikum in München schickte Opel den jungen Mann 1966 nach Detroit auf die „Chevrolet-Dealer School for Management and Merchandising“. Diese Zeit bezeichnete der Preisträger im Rückblick als „seinen großen Punkt des Durchbruchs.“ In den USA bekam er einen völlig neuen Blick auf das Automobilgeschäft, der sein Denken in Sachen Ertrag und Wachstum schärfte und in der Folge die künftige Geschäftsentwicklung prägte.

Den Executive Circle Award für sein herausragendes Lebenswerk im Automobilhandel erhält 2021 eine Persönlichkeit, die es im deutschen Automobilhandelswelt so ganz sicher kein zweites Mal gibt. Herzlichen Glückwunsch, Albert K. Still!

Wolfgang Michel, Chefredakteur »kfz-betrieb«

Zurück aus den Staaten startete Still in eine neue automobile Zukunft. Als Erstes modernisierte er zusammen mit seinem Vater den Familienbetrieb. 1967 übernahm er mit gerade einmal 24 Jahren die Verkaufsleitung. Der Betrieb erzielte zu diesem Zeitpunkt einen Jahresumsatz von 1,9 Millionen Mark und beschäftigte 43 Mitarbeitende.

1971: Für jeden Opel-Händler nur ein Opel-Autohaus

Lohn der Arbeit war ein eigener Opel-Händlervertrag zu Jahresbeginn 1971. Im selben Jahr kaufte der Vater einen rund 100 Kilometer entfernten Opel-Händler. Problem: Der Hersteller vertrat damals die Position, dass jeder Opel-Händler nur ein Opel-Autohaus besitzen durfte. Somit kam aus Rüsselsheim die Anordnung, die Opel-Zeichen am zugekauften Betrieb zu entfernen.

Das kam für Albert K. Still nicht infrage. Er bereitete lediglich alles für den Fall der Fälle vor: Hätte sich mal jemand aus der Opel-Zentrale versehentlich in diesen Landstrich verfahren, lagen ausreichend Säcke und weitere Utensilien parat, um bei Bedarf sämtliche Opel-Blitze und Schriftzüge am Gebäude zu verhüllen. Opel-Neuwagen wurden dort weiterhin fleißig verkauft. Damit der Hersteller davon nichts mitbekam, wurden die Geschäfte kurzerhand auf den Hauptsitz verbucht. In der Folge gewannen seine Eltern jeden Verkaufswettbewerb und flogen auf Einladung des Herstellers durch die Welt. Aber mit diesem Versteckspiel gab sich der Preisträger nicht lange zufrieden.

In der Zusammenarbeit mit Banken muss man vor allem „schwindelfrei und nervlich belastbar sein.

Albert K. Still

Er schickte einen Brief nach Amerika und fragte beim Management von General Motors nach, warum ein Jungunternehmer in Deutschland nicht expandieren dürfe. Das wiederum führte dazu, dass sich die Amerikaner in Rüsselsheim meldeten. Anschließend kam der Händlernetzentwickler von Opel vorbei und meinte, dass über den Ozean ein großer Sturm aufgezogen sei.

Das war ein mutiger Schritt, den der Preisträger mit seiner Frau gemeinsam gegangen war. Beide hatten sie immer den Mut, gegen Widerstände anzugehen, für ihre Ziele zu kämpfen und bereits in jungen Jahren Verantwortung zu übernehmen. Aus dieser Zeit stammt folgender Satz des Ehepaars: „Und wenn alles kaputt geht, dann machen wir einen Bratwurststand auf und verkaufen Würste. Damit kann man auch gutes Geld verdienen.“

Zum Bratwurststand kam es nicht: 1972 wurde der Preisträger Mitglied der Geschäftsführung. Ein Jahr später bauten Vater und Sohn den Hauptsitz weiter aus. Unter anderem entstand ein mehrstöckiger, verglaster Ausstellungsraum. Eine solche Autohaus-Architektur war in Deutschland damals einmalig. Zu diesem Zeitpunkt verkaufte das Unternehmen rund 800 Fahrzeuge und erwirtschaftete einen Umsatz von 9,4 Millionen DM im Jahr. Doch auch das modernisierte Autohaus wurde rasch zu klein.

Es musste ein großes Baugrundstück her, und damit kam es zu einer neuen Herausforderung: Das bestehende Unternehmen warf zwar ordentlich Geld ab und war schuldenfrei, doch für das angestrebte Areal brauchte es viel Geld von der Bank. Der Preisträger wusste nicht wirklich, wie er die Kreditzinsen für den Grundstückskauf mit den zwei bestehenden Autohäusern erwirtschaften sollte. Im Rückblick bezeichnete er vor einigen Jahren den Kauf des Geländes, auf dem sich noch heute die Firmenzentrale befindet, als „den Startschuss für den immensen Erfolg, den die Firma bis heute hat“. Was die Zusammenarbeit mit Banken betrifft, müsse man vor allem „schwindelfrei und nervlich belastbar sein“.

Zwei Expansionswellen zwischen 1970 und 1991

Zwischen 1970 und 1991 wuchs der Familienbetrieb in Folge zweier Expansionswellen und einer Erweiterung des Markenportfolios auf 20 Standorte an. Vor allem eine starke Expansion in den neuen Bundesländern führte Ende 1991 schließlich zur Gründung der AVAG-Holding. Aus der wilden Expansionszeit gibt es folgendes Erlebnis zu berichten: Der Preisträger war mit seinem Finanzchef gerade in Ostdeutschland zur nächsten Autohaus-Übernahme unterwegs, als sein Autotelefon klingelte. Am anderen Ende fragte besorgt ein Autohändler aus Süddeutschland, ob denn noch ein Repräsentant des Still-Unternehmens komme. Der Notartermin für den angestrebten Zukauf „ist uns wohl durchgerutscht“, schmunzelt Still heute darüber.

Eher zufällig kam es 1993 zum ersten internationalen Engagement in Kroatien. Kurz nach dem Zerfall des ehemaligen Jugoslawiens erlangte das Unternehmen des Preisträgers dort schnell den Status als „Quasi-Importeur für Opel-Neufahrzeuge“. Aus dieser Zeit gibt es folgende Anekdote zu berichten, über die man heute zum Glück schmunzeln kann: In Kroatien wurde ein Autohaus gekauft. Der für das Ausland verantwortliche Kollege traute sich aber nicht hin. Grund: Der dortige Geschäftsführer – ein ehemaliger Militär aus dem Bürgerkrieg – hatte gesagt, wenn jemand vorbeikomme, erschieße er ihn. Somit stieg der Boss selbst in den Flieger. Der Revolver lag tatsächlich so lange auf dem Schreibtisch, bis beide Seiten sich handelseinig waren. Beim Notartermin holte der kroatische Verkäufer das Schießeisen ein weiteres Mal hervor. Erst als sich der Kaufvertrag notariell in trockenen Tüchern befand, war für den Verkäufer alles in Ordnung.

Natürlich gab es auch Rückschläge zu verkraften: Während der Ölkrise und nach der wilden Expansion in den Jahren 1989 bis 1993 gab es eine Restrukturierungsphase. 1993 und 1994 waren die einzigen zwei Geschäftsjahre, in denen das Unternehmen des Preisträges Verluste machte.

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Chefredakteur »kfz-betrieb«