Dekra Musikgeschichte wieder auf den Rädern

Von Steffen Dominsky 3 min Lesedauer

In den 90ern tourte die Kelly Family mit ihm durch Europa. Nun ist der Bristol Lodekka, ein typischer englischer Doppeldeckerbus, voll restauriert wieder zurück auf der Straße – auch dank Dekra.

Freuen sich über die positive Begutachtung des restaurierten Doppeldeckers: (v. l.) Guido Kutschera (Dekra), Joey Kelly, Carsten Bräuer und Thomas Stüßer (Dekra).(Bild:  Miller Kommunikation)
Freuen sich über die positive Begutachtung des restaurierten Doppeldeckers: (v. l.) Guido Kutschera (Dekra), Joey Kelly, Carsten Bräuer und Thomas Stüßer (Dekra).
(Bild: Miller Kommunikation)

Er ist nicht nur eine Oldtimer-Legende, sondern auch ein Stück Musikgeschichte auf Rädern: der legendäre Doppeldecker-Bus, mit dem die Kelly Family in den 90er-Jahren unterwegs war. Bald wird er wieder am öffentlichen Straßenverkehr in Deutschland teilnehmen dürfen. Die Voraussetzungen dafür schafft eine Einzelbegutachtung des grundlegend restaurierten Fahrzeugs durch Dekra. Die Fahrzeugexperten hatten schon den gesamten Wiederaufbau begleitet. Nun kann Joey Kelly den Bus wieder zulassen. Der über 60 Jahre alte Bristol Lodekka kutschierte bis in die späten 80er-Jahre mit offenem Oberdeck Touristen durch London. Dann kaufte ihn die Kelly Family und funktionierte ihn zum Tourbus um: Unten wurde gewohnt, das Oberdeck fungierte als mobile Bühne. In den 90ern war das Fahrzeug zuletzt so im Einsatz. Danach wurde es wegen technischer Probleme ausgemustert und stand seitdem.

Entsprechend aufwendig war die Restaurierung. Im Herbst 2024 wurde die Außenhaut instand gesetzt, frisch lackiert und mit dem charakteristischen Schriftzug der Kelly Family beklebt. „Auch wenn das ein wichtiger Schritt war und der Bus äußerlich schon wieder ganz gut aussah: Was die Technik angeht, ging es dann eigentlich erst so richtig los“, erzählt Dekra-Oldtimer-Experte Carsten Bräuer. Motor, Fahrwerk, Bremsen, Unterboden, Elektrik, Lichttechnik – alles musste von Grund auf überholt bzw. erneuert werden. Regelmäßig schaute der Sachverständige vorbei, sah sich die Fortschritte an und gab Hinweise.

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Der flache Doppeldecker

Die Bristol Commercial Vehicles in England bauten zwischen 1949 und 1968 über 5.200 Exemplare des Bristol Lodekka. Doppeldeckerbus hat eine niedrigere Gesamthöhe als die sonstigen britischen Doppeldeckbustypen, sodass er auch auf Straßen mit niedrigen Brückendurchfahrten eingesetzt werden konnte (englisch: lowbridge). Der Bus besitzt ein halbseitiges Führerhaus. Das Unterdeck ist niedriger ausgeführt, um die Gesamthöhe des Fahrzeugs zu verringern. Die meisten Fahrzeuge wurden von Fünf- bzw. Sechszylinder-Dieselmotoren von Gardner angetrieben, bei einigen wurden Motoren von Bristol oder Leyland verwendet. Nachdem ab dem Ende der 60er-Jahre in Großbritannien der Einmannbetrieb (ohne Schaffner) für Doppeldeckerbusse gesetzlich erlaubt wurde, wurden die Lodekkas zunehmend von moderneren Bussen mit Einstiegen vor der Vorderachse verdrängt. Ein Teil der Lodekkas fand als Fahrschulfahrzeuge Verwendung. Die Firma Top Deck Travel baute zwischen 1973 und 1997 ungefähr hundert Busse zu Decker-home-Wohnmobilen um. Abnehmer des Lodekka waren verschiedene Busunternehmen in Großbritannien. In den 70er Jahren wurde der Bus durch die britische Fernsehserie On the Buses mit Reg Varney und Bob Grant populär.

Die erste Fahrt: nach Wacken

„Wenn man ein solches Mammutprojekt anpackt, braucht man die richtigen Partner“, sagt Joey Kelly. „Die Begleitung durch Dekra während des gesamten Prozesses war ein unschätzbarer Wert. Ich habe mich einfach in sicheren Händen gefühlt: Der spezialisierte Sachverständige sagt dir, was noch gemacht werden muss, und warum. Du kannst dich auf die Expertise wirklich verlassen. Das war im besten Sinne von Anfang an ein gemeinsames Projekt.“ Das hat auch der Dekra-Oldtimer-Experte so erlebt. „So etwas hat man auch als Sachverständiger nicht jeden Tag. Da steht ein Stück Kulturgeschichte vor einem, und es ist schon etwas Besonderes, es gemeinsam wieder so weit zu bringen, dass es funktionstüchtig und sicher ist“, sagt Carsten Bräuer. „In dem Bus steckt viel Herzblut von allen Beteiligten, und ich als Oldtimer-Fan freue mich sehr über den erfolgreichen Abschluss des Projekts.“

Diesen bildete nun formal die Abnahme in der Dekra-Prüfstelle in Bonn. Dort wurde der Bus im Rahmen der Einzelbegutachtung nach § 21 StVZO noch einmal überprüft. Damit steht seiner erneuten Zulassung für den Straßenverkehr nichts mehr im Weg. Das erste Reiseziel hatte Joey Kelly schon während der Restaurierung ausgerufen. „Ich fahre mit dem Bus nach Wacken“, so sein ambitionierter Plan. Aus dem Rheinland bis zum Festivalgelände in Schleswig-Holstein sind es satte 500 Kilometer. Bis zum legendären Rockfestival im Sommer hat er noch gut drei Monate Zeit zu überlegen, ob er dem betagten Bus die weite Reise antun will. Zuzutrauen wäre es ihm allemal – schließlich hat Joey Kelly oft genug bewiesen, dass er vor Extremtouren nicht zurückschreckt.

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