Reifenservice an DDR-Oldtimern Finger weg von Weißwandreifen und Klebegewichten

Von Dipl.-Ing. (FH) Kfz-Technik Peter Diehl 3 min Lesedauer

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Auf Oldtimertreffen im Osten Deutschlands sieht man stetig mehr Fahrzeuge mit Weißwandreifen und Klebegewichten. Beides gab es in der DDR nicht – mit einer Ausnahme: von Melkus selbst gegossene Klebegewichte für den RS 1000. Wir erklären die Hintergründe.

Weißwandreifen an DDR-Oldtimern? Der Anblick erinnert an das sächsische Fabelwesen Rasselbock. In Bayern sagt man Wolpertinger dazu.(Bild:  Peter Diehl)
Weißwandreifen an DDR-Oldtimern? Der Anblick erinnert an das sächsische Fabelwesen Rasselbock. In Bayern sagt man Wolpertinger dazu.
(Bild: Peter Diehl)

Das Ost-Mobil-Meeting Magdeburg (OMMMA) ist eines der größten Treffen für historische Fahrzeuge, die im damaligen Ostblock von den Bändern fuhren und in der DDR erstzugelassen wurden. Wer das Treffen wiederholt besucht, erkennt eine steigende Tendenz bei Fahrzeugen, deren Räder mit Weißwandreifen und Klebegewichten bestückt sind. Bei vergleichbaren Veranstaltungen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ist das nicht anders. Doch in diesem Staat mit seiner notorischen Ersatzteilknappheit gab es weder Reifen mit weißen Seitenwänden noch Wuchtgewichte zum Verkleben am Felgenbett. Nur: Womit lassen sich dann die beiden Trends, die die Technikhistorie des untergegangenen Staats verfälschen, erklären?

Der Trend zu Weißwandreifen auch bei DDR-Oldtimern erklärt sich zum einen mit dem „sehnsüchtigen Blick nach Westen“, den es zur Existenzzeit der DDR noch viel intensiver als heute gab. Weißwandreifen auf westlichen Oldtimern sind ein Hingucker und stehen manchen Fahrzeugen wirklich gut, weshalb man sie auch am eigenen Ost-Oldtimer haben will. Der zweite Grund sind vermeintliche einheimische Vorbilder, zu sehen auf Fotos von damaligen Messe- und Paradefahrzeugen, überliefert in Büchern wie „Das Messealbum“ von Autor Christian Suhr.