Alpine A110: Legendäre Franzosen-Flunder

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Internationaler wurde in den 1960er Jahren kein reinrassiger Sportwagen vermarktet und doch blieben Rédélés Kassen stets klamm. Nicht einmal der Imagegewinn durch den Einsatz der A 110 als Autobahnabfangjäger der französischen Polizei oder die ab 1965 offizielle Vertriebskooperation mit Renault sowie die 1968 erfolgte Ernennung von Alpine zum offiziellen Motorsport-Werksteam von Renault änderten dies.

Immerhin erleichterte die Kooperation mit Renault Käufern im Ausland den Erwerb der französischen Renner deutlich. In Deutschland etwa gab es die A 110 zum Modelljahr 1970 beim örtlichen Renault-Händler zu Preisen zwischen 14.989 Mark und 22.866 Mark. Damit kosteten die Flachmänner – Pilot und Cockpit platzierten sich in diesen Geschossen in halb liegender Position – zwar gut das Doppelte der Techniklieferanten Renault 8 Gordini und Renault 12, aber weniger als vergleichbare Alfa Romeo GT, Lancia Fulvia HF Coupé oder Porsche. Besonders die Zuffenhausener zollten den wildesten Franzosen größten Respekt, waren die puristischen Fahrmaschinen des Jean Rédélé doch auf Autobahnen schneller als ein 911 T und bei Rallyes dessen schärfste Rivalen.

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Ein erstes Ausrufezeichen setzte Alpine bei der Rallye Monte Carlo 1968, denn die von Gérard Larousse pilotierte A 110 lag klar in Führung, als überengagierte Zuschauer in das Rallyegeschehen eingriffen. Am Col de Turini kippten sie in einer Kurve Schnee auf die Piste, Larousse kam von der Strecke ab und der Sieg gehörte Vic Elford und seinem 911 T. Dennoch zählte die A 110 fortan zu den Publikumslieblingen, konnte sich doch der Faszination ihres Motorsounds und dem in Kurven künstlerisch tänzelnd nach außen drängenden Heck niemand entziehen.

In den Jahren 1969/70 sicherten sich zwar nochmals Porsche 911 den Lorbeer der legendären Monte-Carlo-Rallye, danach gelang es jedoch den gallischen Motorenmagiern, die Alpine A 110 aufzurüsten und als teuflisch schnelle Berlinette 1600 S bzw. 1800 in die berüchtigte Nacht der langen Messer zu schicken. Lohn der Mühe waren Monte-Siege in den Jahren 1971 und 1973 sowie der Gewinn der Markenmeisterschaft 1971, vor allem aber der Titel des Rallye-Weltmeisters 1973.

Auch das Turbo-Zeitalter wurde von der A 110 gezündet, als eine 1600 S Berlinette im Jahr 1972 per Lader auf 147 kW/200 PS gebracht wurde und so ihr Auftaktrennen, das „Critérium des Cevennes“, souverän gewann. Es war zugleich der erste Erfolg überhaupt für ein turbogeladenes Fahrzeug im europäischen Motorsport.

Nach 1973 richtete Renault Sport – Alpine war inzwischen vollständig in den Konzern integriert - zwar den Fokus auf Le Mans, die Evolution der alternden A 110 wurde dennoch nicht vernachlässigt. Galt die leichtgewichtige Heckschleuder mit Zentralrohrrahmen-Chassis doch für alle Fahrdynamikern noch immer als Idealfall, ungeachtet der schon 1971 vorgestellten designierten Nachfolgerin A 310. So spendierte Renault der A 110 nicht nur die moderne hintere Einzelradaufhängung aus der A 310, sondern auch ein 1,6-Liter-Aggregat mit Benzineinspritzung. „Le Turbot“ bedankte sich dafür mit sensationellem Bestellaufkommen, noch 1976 erzielte sie die zweitbesten Verkaufszahlen ihrer langen Karriere.

Nachdem 1977 die allerletzte A 110 von der Montagelinie gelaufen war, setzte die Equipe Bleu ganz auf die stärkeren und luxuriöseren Modelle A 310 bis A 610. Trotz respektabler Zulassungen konnten diese Coupés Alpine aber nicht zum ertragreichen Volumenhersteller transformieren, weshalb die Diepper Vmax-Schmiede ab 1995 in einen Tiefschlaf fiel. Daraus gibt es heute ein wundersames Erwachenin Form einer neuen A 110. Kann die Enkelin der Flunder frühere Erfolge wiederholen? Das Zeug dazu hat die Neue, bringt sie doch Sportfahrer zum Träumen wie einst.

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