Alte Bullis: Oldtimer ins digitale Businessmodell integriert

Hobby und Geschäft schließen sich nicht aus

| Autor: Julia Mauritz

Mit Oldtimern imAallgemeinen und T1-Bussen im Speziellen hat sich das Autohaus Vögler ein neues Standbein geschaffen.
Mit Oldtimern imAallgemeinen und T1-Bussen im Speziellen hat sich das Autohaus Vögler ein neues Standbein geschaffen. (Bild: Autohaus Vögler)

Es gibt verschiedene Gründe, warum sich ein Autohaus entscheidet, ins Klassikgeschäft einzusteigen. Im Fall des Bad Königer VW- und Skoda-Autohauses Vögler war es die persönliche Leidenschaft von Geschäftsführer Jan Vögler für den legendären VW Bulli. Nachdem ihm ein attraktives Exemplar zum Kauf durch die Lappen gegangen war, begab sich der Unternehmer aus dem Odenwald auf die Suche nach Bezugsquellen für bezahlbare T1- und T2-Busse und wurde in Brasilien fündig.

Seit rund eineinhalb Jahren vermarktet das Autohaus nun neben den Ersatzteilen für klassische Autos auch Bullis sowie vereinzelt Karmann Ghias und VW Käfer, die aus dem südamerikanischen Land stammen. Nach einer Zwischenstation in einer Werkstatt in Portugal, wo sie umfangreich restauriert werden, landen sie im Autohaus in Bad König. Dort werden die Motoren noch einmal bis zur letzten Schraube gewartet, ehe die Bullis in den Verkauf gehen – zu Preisen ab rund 50.000 Euro.

Das Internet spielt für die Vermarktung der bezahlbaren automobilen Schätzchen, die vor allem Gewerbekunden gern für Werbezwecke nutzen, eine zentrale Rolle: „Nur so haben wir die Möglichkeit, weit über unser Marktverantwortungsgebiet hinaus auf unser Klassikgeschäft aufmerksam zu machen“, erklärt Jan Vögler. Der Webauftritt des Autohauses spielt dabei eine zentrale Rolle. Das Ziel jeder digitalen Kampagne und jedes Posts ist es, auf die Classic-Cars-Website von Vögler zu verlinken. Mit dem Programmieren einer einfachen Landingpage war es folglich für das Familienunternehmen nicht getan. Das Autohaus Vögler beauftragte vielmehr seine Onlinemarketingagentur Pix Mediendesign, die Markteinführung der neuen Marke „Vögler Classic Cars“ über eine digitale Marketingstrategie vorzubereiten und zu begleiten.

Die neue Marke strukturiert angehen

Den Startschuss für das neue Projekt markierte ein Strategie-Workshop mit mehreren Autohausvertretern. Dessen Teilnehmer definierten unter anderem die Zielgruppe, arbeiteten den Mehrwert heraus und legten die wichtigsten Funktionen der Website fest – etwa die Interaktionsmöglichkeiten. Ebenfalls von Anfang an spielte das organische Suchmaschinenmarketing (SEO) eine tragende Rolle, um die Sichtbarkeit zu steigern. Die Agentur machte eine umfangreiche Keyword-Recherche und optimierte die Website dahingehend. Darüber hinaus erstellte die Agentur einen Redaktionsplan, um ihren digitalen Classic-Cars-Auftritt zu steuern.

Auf der Classis-Cars-Landingpage stehen wie beim gesamten Internetauftritt des Autohauses die Interaktionsmöglichkeiten und die schnelle Auffindbarkeit der gewünschten Informationen im Vordergrund. Es gibt vier zentrale Kategorien: Oldtimer kaufen, Classic-Parts anfordern, Classic-Cars-Showroom und den Vögler-Classic-Cars-Blog. Zudem können die Website-Besucher den Classic-Newsletter abonnieren. Auch eine Chatfunktion hat das Familienunternehmen integriert.

Mit seinem strategischen Ansatz hat das Autohaus genau ins Schwarze getroffen: „Die öffentliche Wahrnehmung für unser Klassikgeschäft ist erstaunlich schnell gestiegen, und das weit über den Odenwald hinaus“, freut sich Jan Vögler. Wie stark, misst die Online-Marketingagentur regelmäßig, um beispielsweise Facebook-Kampagnen zielführend zu steuern.

„Digital“ bietet sich mit und für diverse Themen an

Dem Familienunternehmen geht es bei seinem neuen Klassikstandbein dabei weniger um reines Vertriebsvolumen: Im vergangenen Jahr hatte das Autohaus aufgrund der knappen Ware und seiner begrenzten personellen und räumlichen Kapazitäten nur knapp zehn Bullis verkauft. Jan Vögler ist etwas anderes wichtiger: „Wir besetzen damit eine Nische, heben uns von unseren Wettbewerbern ab und erreichen damit neue Kunden“, erklärt er.

Dennoch ist das Classic-Business für Vögler – und damit anders als manch anderes – eines mit spürbarem Wachstum. Neben T1-Bussen hat das Unternehmen auch schon Käfer Cabrios bzw. Karmann Ghias restauriert. Ein ganz besonderes Restaurierungsobjekt, zumindest aus Sicht eines luftgekühlten VW-Fans, hat eben erst die Räumlichkeiten im südhessischen Bad König geentert: ein VW Fridolin (Typ 147). Der seltene Ex-Postwagen soll in der neuen Restaurierungswerkstatt, die der VW-Spezialist erst vor Kurzem geschaffenen hat, seiner Wiederauferstehung entgegensehen.

Dass es neben Räumlichkeiten und entsprechendem Equipment vor allem auch die richtige Manpower braucht – sprich auf und für alte Fahrzeuge qualifizierte Mitarbeiter –, ist Jan Vögler sehr wohl bewusst. Deshalb will er gezielt jungen Nachwuchs heranziehen, der ausschließlich an altem Blech arbeitet. Anders dürfte die steigende Nachfrage nach Restaurierungen und typischen Servicearbeiten für historische Fahrzeuge nicht zu befriedigen sein, ist sich der Geschäftsführer bewusst.

Dafür aber bereichert das Classic Business das angestammte Geschäft auch manchmal auf unerwartete Art und Weise. So kam kürzlich ein älterer Herr auf Jan Vögler zu. „Er habe so eine kleine Oldtimersammlung, und mit seinen nunmehr 80 Lenzen könne und wolle er mit dieser nichts mehr anfangen“, so der Mann. Und schon hatte Vögler einen gut dotierten Job als Vermarkter von mehreren Dutzend Klassikern an Land gezogen. Auch nicht schlecht, oder?

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