Audi 80: Im dritten Anlauf zum Premium-Status

Autor / Redakteur: sp-x / Christoph Seyerlein

Der Audi 80 legte einen wichtigen Grundstein, das Fabrikat als Premiummarke zu etablieren. BMW und Mercedes hatten meist das Nachsehen gegen die vielen Derivate der Baureihe. Doch nicht alles aus der 80er-Familie wurde ein Erfolg.

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Audi Cabriolet 2.0E von 1993.
Audi Cabriolet 2.0E von 1993.
(Bild: Audi)

Mit der 1986 eingeführten dritten Generation des 80 brachte Audi ein sensationelles Modell in den Markt, das kaum jemand von dieser bodenständigen Marke erwartet hatte. Der 80, die Fünfzylindertypen 90, sowie das Coupé und das erst 1991 lancierte Cabriolet waren die Stars auf jedem Supermarktparkplatz und zählten zu den neuen Favoriten der Yuppies und Jungdynamiker. Schließlich boten die Bayern den viel beworbenen „Vorsprung durch Technik“ unter anderem in Form einer vollverzinkten Karosserie, optionalem Quattro-Allradantrieb und sparsamen Turbodiesel-Triebwerken.

Besser als BMW und alle anderen? Fährt der Audi 80 den internationalen Gegnern davon? So fragte die deutsche Motorpresse im Herbst 1986 und lieferte die Vorlage für heftige Stammtischdiskussionen. Denn in Vergleichstests hatten die anderen, meist kantigen Neuzugänge in der Mittelklasse wie Fiat Croma, Honda Accord oder Renault 21 keine Chance gegenüber dem stromlinienglatten Audi.

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Auch im Interieur sei alles vom Feinsten in der Ingolstädter Limousine, hieß es, die nach dem Urteil der Tester nun auf Augenhöhe mit Mercedes und BMW fuhr. Der Käuferzuspruch war positiv: In knapp fünf Jahren wurden rund 1,3 Millionen Exemplare der dritten Audi-80-Generation ausgeliefert.

Mit gerade einmal 141.000 Einheiten vergleichsweise rar blieb der im Frühling 1987 nachgelegte Audi 90. Wie schon beim Vorgängermodell handelte es sich bei diesem Viertürer um den luxuriösen Leistungsträger des Audi 80. Für Vortrieb sorgten neben einem Vierzylinder-Turbodiesel ausschließlich Fünfzylinder-Benziner mit 85 kW/115 PS bis 125 kW/170 PS. Zwar war dieser 90 schneller als vergleichbare BMW 3er und Mercedes 190, doch vermutlich sorgte die etwas ambitionierte Preispositionierung von Audi für schleppenden Absatz und das Produktionsende im Jahr 1991.

Benziner ohne Quattro als Verkaufsschlager

Auch den Audi 80 gab es ab Verkaufsstart als Quattro, zum Volumenmodell avancierte aber ein Vierzylinder mit Vorderradantrieb. Dieser Audi 80 1,8 S mit 66 kW/90 PS starkem Benziner machte fast die Hälfte der Gesamtverkaufszahlen aus, dagegen brachten es die beiden Dieselversionen nur auf elf Prozent Anteil. Daran konnten nicht einmal rekordverdächtig niedrige Verbrauchswerte etwas ändern, so begnügte sich der 59 kW/80 PS leistende Audi 80 turbo d mit 3,8 Liter Normverbrauch im Landstraßenzyklus.

Sportlichster Audi 80 war der im Herbst 1989 vorgestellte Audi 80 16V mit dem Speedsymbol eines Heckflügels. Der von der Fachwelt ob seiner Laufkultur hochgelobte 101 kW/137 PS leistende 16-Ventiler nahm dem gleichfalls neuen 16-Ventiler im BMW 318i beim Tempo-100-Sprint eine ganze Sekunde ab, und belegte mit Allradantrieb eine Alleinstellung in der damals angesagten 16-V-Mittelklasse.

Das Audi Coupé startete, passend zu einem Revival sportlich-eleganter Zweitürer in der Mittelklasse, im Jahr 1988. Unter neuen viersitzigen Sportcoupés wie Nissan 200 SX, VW Corrado oder Opel Calibra genoss der Audi damals als einziger Premiumimage, zumal es noch kein BMW 3er Coupé gab.

Letzte Glanzpunkte Anfang der 90er

In Serie ging dieser Audi anfangs ausschließlich mit Fünfzylindermotoren. Vier- und Sechszylinder sowie ein leistungsstarker 20-Ventil-Turbomotor ergänzten in den folgenden Jahren die Motorenpalette. Schon die erste Serie des Fünfzylinders im Audi S2 Coupé, erkennbar an polierten Felgensternen, hatte 162 kW/220 PS Leistung und war fast 250 km/h schnell. Damit deklassierte der S2 sogar den Ur-Quattro, der Anfang der 1990er Jahre mit dem gleichen Triebwerk ausgerüstet wurde. Auch der erste BMW M3 war chancenlos gegen so viel Power.

Als die Audi-80-Limousine (B3) das Feld bereits ihren Nachfolgern überlassen hatte, setzte das von ihr abgeleitete Cabriolet einen finalen technischen Glanzpunkt: Im Herbst 1995 überraschte der Luftikus die Cabrioszene sogar noch durch einen lautstarken Turbodiesel – damals unerhört.

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