Während beim normalen Quattro das Mittendifferenzial für die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse sorgt, geschieht dies beim Plug-In-Hybrid rein elektronisch. Beeindruckend ist die schnelle Reaktionszeit des Systems, während der A5 durch Schnee und Eis pflügt: Die Elektromotoren reagieren extrem sensibel auf Antriebsschlupf, die Räder drehen selbst bei schnellen Kurven und Drifts kaum durch und sortieren sich in Windeseile für die optimale Kraftverteilung.
Entwickler: „Wir trennen Traktion und Fahrdynamik“
Theoretisch könnte man die Drehmomentzuweisung an der Hinterachse mit zwei Elektromotoren realisieren, von denen jeder für ein Rad zuständig ist. Damit die volle Querdynamik aber bei jedem Fahr- und auch bei jedem Ladezustand der Batterie parat steht, benutzen die Ingenieure einen Trick: „Wir trennen Traktion und Fahrdynamik“, erklärt Ralf Schwarz, bei Audi für die Hybrid-Fahrwerksentwicklung zuständig. Die Beschleunigung an der Hinterachse geschieht über den Elektromotor. Die Querdynamik erreicht man aber über eine mechanische Verteilung des Drehmoments zwischen den beiden Hinterrädern.
Für dieses sogenannte Torque Vectoring haben die Ingenieure das Sportdifferenzial aus dem S5 an die Hinterachse des E-Tron Quattro angepasst. Auf beiden Seiten des Differenzials befinden sich Überlagerungsstufen, die die Kräfte des E-Motors verteilen. Beim Beschleunigen in Kurven zum Beispiel bekommt das kurvenäußere Rad die meiste Kraft ab und drückt das Auto in die Kurve hinein. Torque Vectoring verringert die Tendenzen sowohl zum Unter- als auch zum Übersteuern.
Serienproduktion 2014 oder 2015
Der teilelektrische Quattro-Antrieb macht im Versuchsstadium schon mal einen guten Eindruck. „Wir werden dieses System in Serie bringen, ohne Abstriche“, betont Entwicklungschef Horst Glaser. Allerdings werde es erst 2014 oder 2015 soweit sein. Die Eingriffe in die bestehende Audi-Plattform sind so groß, dass zum Beispiel die aktuelle A5-Generation nicht mehr in den Genuss des Systems kommen kann. Denkbar scheint der Einsatz in den Nachfolgern des aktuellen A4 und A5.
2012 wird die Allrad-Palette erst einmal auf herkömmliche Weise erweitert, und zwar nach unten. „Wir werden den A1 mit Quattro-Antrieb bringen“, kündigt Glaser an. Ein Versuchsträger mit Zweiliter-Benziner an Bord lässt sich schon jetzt mit Schmackes durch die Kurven scheuchen – mit 1,4 Tonnen Leergewicht ist der Wagen fast so ein Leichtfuß wie der erste Audi Quattro mit seinen 1335 Kilogramm. Zum Markstart wird der A1 Quattro wahrscheinlich mit dem 2.0 TFSI und deutlich über 200 PS zur Verfügung stehen.
(ID:373615)