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Auf dem Weg zum unfall- und emissionsfreien Fahren

| Autor / Redakteur: Ottmar Holz / Ottmar Holz

Null Tote im Straßenverkehr bis 2050 – so lautet das Ziel des EU-Verkehrssicherheitsprojekts Vision Zero. Was auf diesem Weg heute schon möglich ist, stellte ZF Friedrichshafen jüngst auf einer Teststrecke vor.

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Das „Vision Zero Vehicle“ fährt elektrisch und teilautonom mit einer Vielzahl von Assistenzsystemen.
Das „Vision Zero Vehicle“ fährt elektrisch und teilautonom mit einer Vielzahl von Assistenzsystemen.
(Bild: Holz / »kfz-betrieb«)

Zwölf Tote sind die traurige Bilanz von 2.200 Geisterfahrten auf deutschen Autobahnen im letzten Jahr. Sie könnten wahrscheinlich noch leben, wenn in den Autos der Falschfahrer bereits die ZF-Entwicklung „Wrong-way Inhibit“ ADAS verbaut gewesen wäre. Das kamerabasierte Assistenzsystem erkennt die beginnende Falschfahrt und stoppt das Auto per Vollbremsung nach wenigen Metern, wenn der vom System alarmierte Fahrer nicht entsprechend reagiert.

Was dieser elektronische Assistent kann, zeigt er an Bord des rein elektrisch angetriebenen „Vision Zero Vehicles“, das ZF auf dem Global Press Event 2017 im österreichischen Pachfurt vorstellte. Das Modul ist das Ergebnis der unternehmensinternen Leitlinie „ZF 2025“. Deren Vision reicht über die politischen Ziele der EU noch hinaus: ZF will nicht nur die Zahl der Unfälle auf Null drücken, die Fahrzeuge sollen zudem (lokal) emissionsfrei unterwegs sein, verdeutlichte ZF-Marktvorstand Peter Lake.

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Dementsprechend zeigte der Friedrichshafener Technologiekonzern auf den Teststrecken im Fahrtrainingszentrum Pachfurt unter dem Motto „On the Road to Vision Zero“ eine Reihe von Eigenentwicklungen. Dazu zählen Systembausteine für autonomes Fahren, aber auch Komfortverbesserungssysteme für herkömmliche Fahrzeuge oder das modular aufgebaute „mSTARS“-Achssystem.

Letzteres sorgt im „Vision Zero Vehicle“ auf Wunsch für vehementen, aber stets abgasfreien Vortrieb. Kernstück des Hinterachsantriebsmoduls ist ein 150 Kilowatt starker Elektromotor. Für höhere Fahrsicherheit und besseren Fahrkomfort bei Kurvenfahrt und Ausweichmanövern sorgt die Hinterachslenkung „Active Kinematics Control“ (AKC) in Verbindung mit elektronisch geregelten Stoßdämpfern (CDC).

Verschiedene Ausbauvarianten von AKC und CDC zeigten auf der Teststecke und Landstraßen der Umgebung auch in aktuellen Fahrzeugen wie Porsche Panamera oder Audi Q7 ihr Potenzial. Sogar ein so sperriges Fahrzeug wie der F150 von Ford lässt sich mit dem Hinterradlenksystem beinahe mühelos durch die engen Kurven einer engen Pylonengasse zirkeln.

Strategische Zusammenarbeit

Um die selbst formulierten Unternehmensziele bis 2025 zu erreichen, kooperiert ZF bereits mit IT-Unternehmen wie Nvidia oder Fahrzeuginnenraumausstattern wie Faurecia. Nun rücken die Friedrichshafener zudem näher an Hella heran, wie die Vorstandschefs von ZF und Hella, Stefan Sommer und Ralf Breidenbach, am Vortag des Global Press Events erklärten.

Die Kooperation konzentriert sich auf die Technologiefelder Kamerasysteme und Bilderkennung sowie Radarsensorik. Ein erstes gemeinsames Entwicklungsprojekt startet unmittelbar, das Produkt (ein Frontkamerasystem) soll bereits 2020 auf dem Markt erscheinen. Hier zielen die Partner auf einen aktuellen Markttrend: Höchstnoten im Euro NCAP wird es in Zukunft nur noch für Fahrzeuge mit kameragestützten Assistenzsystemen geben.

Auch im Bereich Radarsysteme wollen die Kooperationspartner durch die gemeinsame Ausrichtung ihres Produktportfolios kurz- bis mittelfristig neue Serienlösungen anbieten. Die gemeinsame Entwicklungsarbeit soll den Schwerpunkt auf Systemlösungen setzen, auf Komponentenebene werden beide Partner jedoch weiterhin eigenständig entwickeln und im Markt agieren. Auch mit Blick auf das „Vision Zero Vehicle“ betont die ZF Friedrichshafen AG, weiterhin nur als Zulieferer und nicht als Hersteller auftreten zu wollen.

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