Autobiz: Megahändler zeigen sich krisenresistent
Der Marktanalyst Autobiz sieht bei den 100 größten europäischen Autohandels-Gruppen drei „krisenbrechende“ Handlungsoptionen: strategische Zukäufe, Neugestaltung des Markenportfolios und Öffnung für zukunftsträchtige Allianzen.
Die 100 größten Autohandels-Gruppen in Europa gehen laut einer aktuellen Erhebung des Marktanalysten Autobiz aus der Krise des Jahres 2009 „gestärkt hervor“. Trotz schlechter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen hätten Europas Megahändler im vergangenen Jahr ihre Marktmacht gegenüber Automobilherstellern und -importeuren weiter gefestigt.
Absatz steigt, Umsatz bleibt stabil
Aktuellen Zahlen des „Autobiz Top 100 Guide“ zufolge verkauften Europas größte Autohandels-Gruppen im vergangenen Jahr insgesamt rund 3,5 Millionen Neuwagen, das waren pro Betrieb etwa 4.000 Autos mehr als im Jahr zuvor. Der Gruppen-Umsatz blieb mit durchschnittlich 1,7 Milliarden Euro den Angaben zufolge „weitgehend stabil“. Einen wesentlichen Wachstumseffekt beim Absatzvolumen entfachten dabei die staatlichen Programme zur Stützung der Autokonjunktur. Sie sorgten wie etwa die „Umweltprämie“ in Deutschland in zahlreichen europäischen Ländern für eine Stabilisierung des durch Banken- und Finanzkrise gebeutelten Automobilmarkts.
Absatzstärkste Autohausgruppe in Europa war laut „Autobiz Top 100 Guide“ auch im vergangenen Jahr die österreichische Porsche Holding GmbH. Das Handelsunternehmen mit Sitz in Salzburg verkaufte 2009 rund 470.000 Neuwagen. Mit deutlichem Abstand folgen die Schweizerische Emil-Frey-Gruppe (190.000 Einheiten) und der amerikanisch-britische Megadealer Penske Automotive Group (140.000 Einheiten).
Zu den Top 100 Autohandels-Gruppen in Europa zählen laut Autobiz-Studie derzeit auch 17 deutsche Handelsgruppen wie Mahag (VW/München), AVAG (Opel/Augsburg), Schwabengarage/Emil Frey Deutschland (Ford/Stuttgart), Gottfried Schultz (Audi/Düsseldorf), AHG Autohandelsgesellschaft (BMW/Horb), Fahrzeugwerke Lueg (Mercedes/Bochum) und Auto Weller (Toyota/Osnabrück). Diese Unternehmen reagierten mit unterschiedlichen „Initiativen“ auf die Krise und sicherten so ihre Marktposition.
Drei strategische Optionen
1. Viele der Mega-Händler nutzten laut Autobiz die „Dynamik des Marktes“ und kauften unter strategisch-wirtschaftlichen Gesichtspunkten die Vertriebsstandorte insolventer Autohändler oder Autohaus-Gruppen. Spektakulärstes Beispiel dafür ist die Übernahme von Standorten der im März 2009 insolvent gegangenen Kroymans-Gruppe durch AVAG (Berlin 2x), Schwabengarage/Emil Frey Deutschland (Leverkusen/München) oder Ebbinghaus Automobile (Dortmund).
2. Andere Händlergruppen strukturierten ihr Markenportfolio neu, um sich im Sinne der „strategischen Risikodiversifizierung“ unabhängiger von einzelnen Marken und Herstellern zu machen. Diese Umstrukturierung umfasst sowohl die Abgabe „unrentabler“ Bestandsmarken, als auch die Aufnahme „marktrelevanter“ Neumarken. Bestes Beispiel hierfür ist die Augsburger AVAG Holding AG. Der weltgrößte Opel-Händler ergänzte im Sommer vergangenen Jahres sein bis dato allzu GM-lastiges Markenportfolio um die Volumenmarke Ford und federte so die Auswirkungen der Opel/GM-Krise ab.
3. Dritte Handlungsoption ist laut Autobiz-Studie die Öffnung für neue strategische Allianzen, die zukunftsträchtige Markttrends wie Elektro-Mobilität oder chinesische Marken aufgreifen. Beispiele hierfür sind die Emil Frey Gruppe (Schweiz) und die IM Group (Großbritannien). Die Schweizer Autohandelsgruppe kooperiert seit kurzem mit der dänisch-amerikanischen Hybrid-Sportwagen-Marke Fisker und unterstreicht damit ihre „grüne Neuorientierung“. Die britische IM Group agiert künftig als offizieller Europa-Importeur der chinesischen Marke Great Wall und wird deren Autos demnächst in den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen vertreiben. Ab 2011 soll die IM Group Modelle von Great Wall auch in Skandinavien, Großbritannien und Irland anbieten.
„Top 100 Guide“
Autobiz berechnet und analysiert alljährlich für seine Kunden relevante Marktzahlen der 100 größten Automobilhandelsunternehmen in Europa. Die Studie „Autobiz Top 100 Guide“ bietet Unternehmensangaben zufolge ein Ranking der 100 Top-Gruppen sowie detaillierte Informationen zu jeder Gruppe. Dazu gehören unter anderem Betriebskennzahlen (z. B. Umsatz, Betriebsergebnis, Neuwagenabsatz, Mitarbeiterzahl) im Drei-Jahres-Vergleich, die geografische Präsenz der Gruppe in Europa sowie Informationen über die einzelnen Verkaufsstandorte. Auftraggeber und Kunden von Autobiz sind den Angaben zufolge unter anderem BMW, Daimler, Porsche, AutoScout 24, Roland Berger und ADP Dealers Services.
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