Autofahren ohne Lenkrad und Benzin

Autor / Redakteur: Sebastian Viehmann, press-inform / Dipl.-Ing. Edgar Schmidt

Das Elektrodreirad TW4XP aus Hessen hat beim Automotive X Prize – der Weltmeisterschaft der Ökomobile – den dritten Platz belegt. Das sparsame Elektromobil könnte 2012 in Serie gehen.

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Das Dreirad-Elektromobil TW4XP belegte beim Automotiv X Prize den dritten Platz.
Das Dreirad-Elektromobil TW4XP belegte beim Automotiv X Prize den dritten Platz.
( Archiv: Vogel Business Media )

Am Steuer des TW4XP (steht für ThreeWheeler 4 X Prize) müssen sich passionierte Autofahrer erst einmal umgewöhnen. Das Lenkrad fehlt, gesteuert wird das futuristische Elektro-Dreirad mit zwei Joystick-förmigen Hebeln: Bei einer Rechtskurve drückt der Fahrer den linken Hebel nach vorn, bei einer Linkskurve den rechten. Ein Gaspedal gibt es nicht, man beschleunigt und bremst das kompakte Gefährt mit einem Wippschalter am rechten Lenkhebel. Dabei sitzt man durchaus entspannt im Schalensitz und genießt den Ausblick durch die kuppelförmige Panoramascheibe.

Nun könnte das Gefährt bald auf den Straßen zu sehen sein, denn der TW4XP hat beim US-Wettbewerb Automotive X Prize den dritten platz Belegt. Der Wettbewerb soll findige Köpfe dazu ermuntern, eine neue Generation höchst effizienter Fahrzeuge auf die Räder zu stellen. Für die Gewinner gab es ein Preisgeld von 10 Millionen Dollar. Rund 110 Teams hatten sich beworben, von denen 43 zur Endausscheidung in die USA eingeladen wurden.

Reichweite von 160 Kilometern

Mit einem leisen Surren nimmt das TW4XP Fahrt auf, der Elektromotor mit seiner Maximalleistung von 30 kW schiebt das Dreirad mit ordentlichem Schub voran. Die Energie liefert ein Lithium-Ionen-Akku. Das Fahrzeug erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 130 km/h und soll eine Reichweite von 160 Kilometern haben.

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Durch das ungewöhnliche Lenkprinzip dauert es eine Weile, bis man das Dreirad in Kurven sicher beherrscht, dann macht es aber richtig Spaß. Der größte Teil der Verzögerungen erfolgt über den zum Generator umgeschalteten E-Motor, um die Bremsenergie in den Batterien zurück zu speisen.

Für eine Notbremsung und zum Parken hat das Fahrzeug jedoch auch noch ein Bremspedal im Fußraum. Der Lenkung fehlt noch eine Servounterstützung, was man schnell in den Armen merkt. Auch die karge Innenausstattung und der Not-Aus-Schalter an der Mittelkonsole erinnern den Fahrer daran, dass es sich noch nicht um ein Serienmodell handelt.

Auf die drei Räder gestellt haben den TW4XP Martin Möscheid und seinem Team. Der Maschinenbauer aus dem hessischen Rosenthal baut mit seinem Unternehmen, der Fine Mobile GmbH, bereits das Elektro-Dreirad Twike, das ursprünglich in der Schweiz entwickelt wurde und schon seit 1996 auf den Straßen rollt. Das TW4XP bleibt dem Grundkonzept des Twike treu – drei Räder, zwei Sitze, Handgriff-Steuerung. Das Fahrzeug ist mit 2,8 Metern Länge kürzer als ein Smart und ragt nur 1,4 Meter über den Erdboden. Die riesige Windschutzscheibe sorgt für den Aquarium-Effekt, und mit ein paar Handgriffen am Stoffverdeck wird das flüsterleise Gefährt sogar zum Freiluft-Stromer.

Serienreife Technik

Dass die Technik des Fahrzeugs serienreif ist, hat das Projekt TW4XP beim renommierten Automotive X Prize in den USA bewiesen. Vier Wochen lang hat das Team aus Hessen geschwitzt, geschraubt und gebangt, um alle Prüfungen in der Weltmeisterschaft der Ökomobile zu bestehen. „Sieben Uhr aufstehen, acht Uhr Testbeginn. Jeden Tag gab es eine neue Hürde“, erzählt Martin Möscheid, dem man die Anstrengungen der letzten Wochen noch anmerkt.

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