Autofahren ohne Lenkrad und Benzin

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Fast verzweifelt wären die Stromer-Konstrukteure an einem Beschleunigungstest. „Gefordert waren 18 Sekunden von 0 auf 60 Meilen, wir lagen bei 19. Dann haben wir uns auch noch einen Bremsplatten geholt“, erzählt Möscheid. Doch am Ende glückte auch diese Prüfung. In seiner Klasse fuhr das Team TW4XP nach knüppelharten Wettkämpfen schließlich als Dritter über die Ziellinie – mit einem Stromverbrauch, der einem Benzindurst von lediglich 1,71 Litern pro 100 Kilometer entspricht.

Die Wahl des Antriebs war den Entwicklern frei gestellt, die Fahrzeuge mussten jedoch mit der Energiemenge aus einer Gallone Kraftstoff mindestens 100 Meilen weit kommen. Das entspricht einem Verbrauch von 2,35 Litern pro 100 Kilometer. Dabei dürfen die rollenden Sparwunder beim X Prize nicht nur reine Machbarkeitsstudien sein. Sie müssen vielmehr zahlreiche Sicherheitsanforderungen erfüllen und für die Serienproduktion geeignet sein.

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Problempunkt Übergewicht

Auch das TW4XP soll kein Einzelstück bleiben. „Die Grundlagen für Antrieb und Fahrwerk stehen“, sagt Martin Möscheid. Die Batterie will er noch in den Unterboden verlegen, um den Schwerpunkt nach unten zu verschieben. „Am Gewicht müssen wir ebenfalls arbeiten. Das Fahrzeug wiegt 675 Kilo, das ist zu schwer für einen Zweisitzer“, betont Möscheid. Das Serienmodell soll weniger als 500 Kilo auf die Waage bringen. Technisch sehen die Entwickler bei ihrem Stromer aber keine Hürden, die nicht in absehbarer Zeit überwindbar wären. Auch an der Idee, dass der Fahrer, wie beim Twike, mit Pedalen zusätzlich Strom produziert und damit kleinere Energieverbraucher an Bord speisen kann, wollen die Hessen festhalten.

Das Problem ist wie bei so vielen Elektroauto-Projekten die Finanzierung. Die 400.000 US-Dollar Preisgeld, die der Automotive X Prize den Hessen beschert, decken kaum die Hälfte der bisherigen Investitionen. Immerhin hat Möscheid schon einige Partner ins Boot geholt. Der Wechselrichter des TW4XP zum Beispiel stammt vom Unternehmen LTi. Im kommenden Frühjahr soll der erste Prototyp des Serienmodells rollen, 2012 könnte dann eine Produktion von maximal 1.000 Fahrzeugen starten. „Unser Zielpreis lautet 20.000 Euro pro Stück, aber das wird natürlich eine harte Nuss werden“, so Möscheid.

Auch wenn man sich beim TW4XP die emissionsarme Mobilität teuer erkauft, werden die Betriebskosten extrem niedrig sein. Den Energieverbrauch des Dreirads wollen die Entwickler von aktuell 12,5 kWh auf unter 10 kWh pro 100 Kilometer drücken, was etwa einem Liter Benzinverbrauch entspräche. Damit würde das Fahrzeug weniger Energie konsumieren als jedes herkömmliche Auto und wahrscheinlich sogar weniger als alle Elektro-Flitzer, die schon auf dem Markt sind.

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