Mitarbeiterbindung und -gewinnung Welche Gruppen und kleineren Händler einen Inflationsausgleich zahlen

Von Martin Achter

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Die Lebenshaltungskosten steigen: Nach und nach geben Handels- und Servicebetriebe bekannt, ihren Mitarbeitern einen Inflationsausgleich zu zahlen – große Gruppen, aber auch viele kleine Unternehmen aus der Kfz-Branche sind dabei. Und es geht nicht nur um Geld.

Nach und nach geben verschiedene Kfz-Betriebe bekannt, ihren Mitarbeitern einen Inflationsausgleich zu zahlen. Motive sind in der Regel auch die Mitarbeiterbindung und -gewinnung.
Nach und nach geben verschiedene Kfz-Betriebe bekannt, ihren Mitarbeitern einen Inflationsausgleich zu zahlen. Motive sind in der Regel auch die Mitarbeiterbindung und -gewinnung.
(Bild: Markus Spiske/Unsplash)

In den letzten Wochen haben immer mehr Autohäuser und Werkstätten vermeldet, ihrer Belegschaft vor dem Hintergrund der allgemeinen Preissteigerungen finanziell unter die Arme zu greifen – und dafür auch die steuerlichen Möglichkeiten zu nutzen. Mit diesem Beitrag, den wir fortlaufend aktualisieren, geben wir einen Überblick, welche Kfz-Betriebe wie handeln. Zuletzt meldeten sich bei der Redaktion »kfz-betrieb« sowohl kleinere Autohäuser und Werkstätten als auch große Autohandelsgruppen.

Seitz-Gruppe

Beispielsweise verkündete die Seitz-Gruppe mit 27 Standorten im Allgäu und in Oberschwaben (u.a. VW, Audi, Seat, Skoda), ihren Mitarbeitern eine „Dankeschön-Prämie“ auszuschütten. Ende Dezember erhalten alle Beschäftigten in Vollzeit 1.500 Euro zusätzlich zum üblichen Weihnachtsgeld. „Das Geld kommt eins zu eins netto auf den Konten unserer Mitarbeiter an und kann somit steigende Lebenshaltungskosten sowie Energiekosten auffangen“, kommentiert die Geschäftsführung.

Insgesamt zahlt Seitz fast 1,5 Millionen Euro aus. Auch wenn das eine merkliche wirtschaftliche Belastung darstelle, sei es dem Unternehmen ein Anliegen, die Erfolge der letzten Jahre an das Team weiterzugeben: „Die aktuellen politischen Entwicklungen stellen uns alle vor zusätzliche Herausforderungen, welche wir als Team aber auch monetär auffangen müssen. Deshalb ist es für uns selbstverständlich unsere Belegschaft angemessen zu unterstützen“, heißt es von der Gruppe.

Herbrand-Gruppe

Die Herbrand-Gruppe am Niederrhein (u. a. Mercedes-Benz) mit ihren rund 1.100 Mitarbeitern gab kürzlich bekannt, ein Paket aus Inflationsausgleich und Lohnerhöhung geschnürt zu haben: Auf 14 Monate verteilt erhalten die Mitarbeiter demnach bis zu 3.000 Euro netto. Ab Januar 2024 sei zudem eine Lohnerhöhung als „dauerhafte Entlastung“ vorgesehen. Diese Schritte seien mit dem Betriebsrat abgestimmt.

Demnach erhalten die Herbrand-Mitarbeiter vom 1. November 2022 bis zum 31. Dezember 2023 „bei einer positiven Leistungsbeurteilung“ eine zusätzliche monatliche Auszahlung in Höhe von bis zu fünf Prozent ihres Grundlohns. Zum 1. Januar 2024 zahlt Herbrand dann noch mal fünf Prozent mehr in Form einer außerordentlichen Einkommenserhöhung.

Ausgeschlossen hiervon seien allerdings das Verkaufspersonal, das provisionsbasiert arbeitet, sowie geringfügig Beschäftigte. Azubis bekommen für die nächsten 14 Monate pauschal 50 Euro mehr. Nach welchen Kriterien Herbrand die Leistung der Mitarbeiter bewertet, teilte das Unternehmen nicht mit.

Autohaus Kunzmann

Unterstützung angesichts der massiv steigenden Preise gibt es auch im Autohaus Robert Kunzmann (Mercedes, Smart). Das Aschaffenburger Unternehmen zahlt allen Mitarbeitern, darunter auch den Auszubildenden 300 Euro Inflationsausgleich. „Wir versuchen, unseren Mitarbeitern so gut wie möglich unter die Arme zu greifen“, sagt Inhaber Karl Diehm.

Autohaus Laumen

Das Autohaus Laumen mit Sitz in Castrop-Rauxel beschloss im September, nachdem der Bundesrat den Weg für die steuerfreie Prämie in Höhe bis zu 3.000 Euro frei machte, diese an seine 24 Mitarbeiter auszuzahlen. Der familiengeführte Betrieb, der die Marken VW, VW Nutzfahrzeuge, Audi und Peugeot als Servicevertragswerkstatt vertritt, schüttete im November als ersten Schritt 1.000 Euro an die Vollzeitkräfte und 200 Euro an Azubis und Minijobber aus.

2023 möchte das unternehmen jeweils zum Quartalsende erneut jeweils 500 Euro auszahlen, um die Prämie in voller Höhe auszuschöpfen. Azubis und Minijobber werden dann anteilig entlohnt. „Wir sehen diese Unterstützung einerseits als Entlastung der Mitarbeiter bei den gestiegenen Lebenshaltungskosten anderseits dient es auch als eine Art Mitarbeiterbindungsmittel an unser Haus“, sagt der kaufmännische Leiter Mathias Lux.

Auch Mitarbeiter, die im kommenden Jahr neu eingestellt werden, erhalten die Prämie in vollem Umfang – beispielsweise ein Servicetechniker, der im Dezember seinen Arbeitsvertrag unterschrieb. Die Auslobung der Prämie auf Socia-Media-Kanälen und in Printmedien sei aber nicht der Auslöser der Bewerbung gewesen, betont Lux.

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Autohaus Kalla

Auch das Toyota-Autohaus Kalla, das zwischen Berlin und Frankfurt/Oder zwei Standorte betreibt (Straußberg, Fürstenwalde) schüttet seinen 13 Mitarbeitern gestaffelt 3.000 Euro aus. Die Summe teilt das Unternehmen auf monatliche Zahlungen auf, die zwischen 100 und 300 Euro variieren, wie Geschäftsführer Marco Hantsche sagt.

So zahlte das Autohaus Kalla im November 300 Euro, genauso im November kommenden Jahres. Dazwischen sind monatliche Zahlungen von 100 Euro vorgesehen; nach Dezember 2023 dann 200 Euro. Daneben gab es schon bisher zusätzliche Incentives wie Tankgutscheine.

Marco Hantsche will damit unter anderem für Mitarbeiterbindung sorgen und neue Mitarbeiter ansprechen: „Wir als Geschäftsführer sind ja nicht blind. Auch wir kaufen abends im Supermarkt ein und sehen, dass die Butter teurer geworden ist.“ Auch der Berliner Händler CSB Schimmel (Hyundai, Mitsubishi, MG, Maxus) staffelt seine Zahlungen und differenziert zwischen Einkommensgruppen.

Autohaus Oskar Bleicher

Teilweise wollen Betriebe Mitarbeitern nicht nur finanziell unter die Arme greifen, Sie bieten auch alternative Arbeitszeitmodelle an.

So lässt das Autohaus Oskar Bleicher in Friedrichshafen (VW, VW Nutzfahrzeuge, Seat) seinen 80 Mitarbeitern ab 2023 die Wahl zwischen einer Lohnerhöhung um fünf Prozent oder einem neuen Arbeitszeitmodell: Sie können 38 statt 40 Stunden in der Woche arbeiten. Enthalten sind auch andere Pausenzeiten sowie ein anderer Beginn der täglichen Arbeit. Damit sollen die Mitarbeiter die Möglichkeit erhalten, jede zweite Woche eine Vier-Tage-Woche zu leisten. Mit der Auswahl will das Autohaus den Interessen verschiedener Generationen gerecht werden.

Im Dezember gibt es bei Oskar Bleicher noch einen Inflationsausgleich von 300 Euro pro Mitarbeiter. Azubis erhalten 150 Euro.

Autohaus Erwin Egler

Das Ford-Autohaus Erwin Egler in Rosengarten im südlichen Hamburger Umland erhöhte im September die Löhne seiner zwölf Mitarbeiter um fünf Prozent, wie Inhaber Karsten Egler im Gespräch mit »kfz-betrieb« sagte. Im November erhielten die technischen und kaufmännischen Mitarbeiter dann einen Inflationsbonus von 1.500 Euro, die Teilzeitbeschäftigten 1.000 Euro und die Auszubildenden 500 Euro. Entwickelt sich das Geschäft weiter positiv, sollen bis Ende 2023 noch einmal Boni in gleicher Höhe fließen.

Autohaus Westend

Das Münchner Autohaus Westend (Service für VW, VW Nutzfahrzeuge, Audi und Skoda) hat Mitarbeitern in diesem Jahr 1.500 Euro gezahlt. Auszubildende erhielten einen Inflationsausgleich von 500 Euro. Verschlechtert sich für das Unternehmen die Lage nicht, sind 2023 noch einmal 1.500 Euro geplant.

Autohaus Tröndle

Auch das Autohaus Tröndle (Kia, Service für VW, Audi und Skoda) in Grafenhausen im Schwarzwald nahe der Schweizer Grenze zahlt seinen Mitarbeitern einen Inflationsausgleich. Dieser fließt monatlich bis Juli 2023.

Zahlt auch Ihr Autohaus oder Ihre Werkstatt Mitarbeitern einen Inflationsausgleich? Lassen Sie es uns wissen, und schreiben Sie eine Mail an: info@kfz-betrieb.de. Wir aktualisieren diesen Beitrag unregelmäßig, aber fortlaufend.

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