Mit den Marken Land Rover, Volvo sowie Lynk & Co konnte das Weiterstädter Autohaus Hedtke in den vergangenen beiden Jahren den Neuwagenabsatz um jeweils 30 Prozent steigern. Dahinter stecken mehrere strategische Maßnahmen, die Hedtke unter die Gewinnerbetriebe des Automotive Business Awards 2026 brachten.
Das Autohaus Hedtke in Weiterstadt gehört zu den Gewinnerbetrieben des Automotive Business Awards 2026.
(Bild: Wehner - VCG)
Es ist ein beeindruckendes Gelände am Rande eines Industriegebiets im hessischen Weiterstadt, auf dem das Autohaus Hedtke seinen Sitz hat. Mit 130 Mitarbeitern verkaufen die Inhaber Holger und Michael Hedtke die Marken Volvo, Land Rover und Lynk & Co. Zudem existieren Serviceverträge für Jaguar und Polestar.
Durch die Kombination verschiedener Maßnahmen schaffte es der Betrieb, in den vergangenen beiden Jahren den Neuwagenabsatz um jeweils 30 Prozent zu steigern. Grund genug für die Jury, das Autohaus Hedtke zum Gewinnerbetrieb beim Automotive Business Awards 2026 zu machen. Doch wie hat das Unternehmen das geschafft?
Um sich für die Zukunft aufzustellen, hat Hedtke mehrere strategische Verkaufsprojekte angestoßen. Bei Volvo fußt dieses Wachstum auf zwei Säulen: Eine ist der Ausbau des Fleet-&-Business-Geschäfts, die andere die Erweiterung des Onlinevertriebs. Für den Flottenbereich hat Hedtke 2026 eine eigene Stelle geschaffen; zudem wurde ein dezentral arbeitender Onlineverkäufer eingestellt.
Seit dem zweiten Halbjahr 2025 durchläuft das Verkaufsteam flankierend ein zwölf Monate umfassendes Coaching. Die Schwerpunkte liegen auf Telefonakquise und Bestandskundenbetreuung. Die Verkaufsleiter absolvieren parallel ein eigenes Führungskräfte-Coaching. Erklärtes Ziel der Hedtkes ist es, die Abhängigkeit von herstellerseitigen Quartalsprogrammen zu reduzieren und das Geschäft selbst stärker zu gestalten.
Das tut Hedtke auch mit zusätzlichen Marken. Seit 2025 gehört Lynk & Co zum Portfolio des Unternehmens. Nachdem die Geely-Tochter vom Direktvertrieb auf den Vertrieb durch den Handel umgeschwenkt war, eröffnete Hedtke als erster Partner in Deutschland einen Lynk&Co-Showroom. Doch von allein kommen die Kunden nicht. Schließlich kennt kaum jemand Lynk & Co. Daher beschloss man bei Hedtke eine Testimonial-Aktion. Das Unternehmen orderte 60 Fahrzeuge, ließ sie auffällig bekleben und rief Kunden auf, sich zu bewerben, um eines der Autos für einen gewissen Zeitraum kostenlos fahren zu dürfen.
Der Zuspruch war groß: 275 Interessenten meldeten sich. Die telefonierten die Hedtke-Mitarbeiter alle ab, um die passenden Kandidaten herauszufiltern. Am Ende standen 60 Personen fest, die in den nächsten zwei bis drei Monaten 2.000 kostenlose Kilometer mit den Autos fahren dürfen. So erhofft sich Hedtke nicht nur direkt den einen oder anderen neuen Kunden, sondern schafft sich auch Sichtbarkeit in der Region.
Zudem setzt das Unternehmen auf individualisierte Fahrzeuge. Der hauseigene Tuner Heico Sportiv existiert schon seit vielen Jahren. Im vergangenen Jahr wurden dort die letzten zehn Fahrzeuge des auslaufenden Volvo V90 als Signature-Edition aufbereitet und vermarktet. Die Käufer kamen aus ganz Deutschland. Weitere limitierte Editionen und Einzelumbauten sind in Planung. Heico Sportiv ist zudem seit dem vergangenen Jahr offizieller Werks-Veredler von Lynk & Co. Schon bald soll eine Heico-Linie als offizielle dritte Produktlinie ab Werk bestellbar sein.
Mit dem Projekt „Land Rover Classic“ erschließt Hedtke ein Segment jenseits des klassischen Neuwagengeschäfts. Über Events und gezielte Kommunikation positioniert der Betrieb das Thema Heritage. Das Unternehmen ist einer von bundesweit vier autorisierten Partnern für den Classic Defender Works V8, einen von Grund auf neu aufgebauten und modernisierten Original-Defender aus der Land-Rover-Classic-Abteilung. Jedes Fahrzeug wird nach individueller Kundenkonfiguration bei Land Rover in England aufgebaut. Der Verkaufspreis für ein solches Fahrzeug liegt bei rund 300.000 Euro.
Die hauseigene Autovermietung erfüllt bei Hedtke eine Doppelfunktion: Sie überbrückt Mobilitätsengpässe bei Interessenten und Kunden und führt die genutzten Fahrzeuge anschließend als junge Gebrauchtwagen dem Vertrieb zu. Um diese Fahrzeuge – genauso wie die zahlreichen Leasingrückläufer – schnell für den Wiederverkauf vorzubereiten, hat Hedtke die Abteilung Vertriebstechnik als eigenständige Einheit gegründet. Räumlich vom übrigen Werkstattbetrieb getrennt, unterstützt sie ausschließlich den Vertrieb. Zwei Kfz-Meister und drei Mechatroniker verantworten dort den Rücknahmeprozess. 2025 realisierte das Team über 2.200 Aufträge, für 2026 sind 2.700 Aufträge geplant.
Eine modernisierte Fotobox in der Aufbereitungshalle sorgt zudem dafür, dass die Autos ins rechte Licht gerückt werden. Dort entstehen automatisiert 360-Grad-Videos sowie Innen- und Außenaufnahmen, die direkt ins DMS und von dort in die Fahrzeugbörsen übertragen werden. Getrennte Auslieferungslounges für Land Rover und Volvo, jeweils an die Marken-CI angelehnt und beduftet, runden das Kundenerlebnis ab.
Stand: 08.12.2025
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Anfang 2025 überarbeitete Hedtke zudem die Serviceprozesse aus Kundenperspektive. Der Ablauf ist vollständig digitalisiert: Kunden buchen Termine online, der Auftrag liegt im DMS vor, wenn das Fahrzeug eintrifft. Die Direktannahme erfolgt mit einem Electronic Vehicle Check inklusive Foto- und Videodokumentation. Per SMS erhält der Kunde eine Kostenübersicht und kann die Freigabe erteilen; Arbeitszeit und Ersatzteile werden automatisch zugebucht. Techniker sehen farbcodiert, wie viel Zeit für einen Auftrag eingeplant ist; der Fahrzeugstatus ist für alle Beteiligten jederzeit einsehbar. Die Rechnung geht vorab per E-Mail an den Kunden, damit die Abholung ohne Wartezeit möglich ist. Das System ist direkt an die Garantieabwicklung angebunden. Serviceleiter Benjamin Fetzer beziffert den Anstieg des Net Promoter Score auf rund 20 Prozent. Die im Servicebereich entwickelten Prozessansätze sollen schrittweise auf weitere Unternehmensbereiche übertragen werden.
Holger Hedtke fasst die Haltung des Hauses so zusammen: „Wir passen nicht in eine Kiste. Wir haben Mitarbeiter, die nicht Standard sind, wir sind Unternehmer, die nicht Standard sind. Standard ist langweilig.“