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Autowerkstatt muss bei Reparaturauftrag nicht alles prüfen

Autor: Doris Pfaff

Muss eine Kfz-Werkstatt nach einer Reparatur Schadenersatz zahlen, wenn sie möglicherweise vorhandene Schäden am Fahrzeug übersieht, auch wenn sie nicht im Zusammenhang mit der Reparatur stehen? Diese Frage beschäftigte das Oberlandesgericht Koblenz.

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Der Tachometer eines Motorrads.
Der Tachometer eines Motorrads.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Wenn eine Werkstatt bei der Reparatur eines Fahrzeugs Schäden an anderen Fahrzeugteilen bemerkt, muss sie den Kunden grundsätzlich darüber informieren. Dass sie das nicht getan habe, warf eine Motorradfahrerin einer Werkstatt vor und verlangte Schadenersatz und Schmerzensgeld.

Die Frau war mit ihrem Motorrad verunglückt, kurz nachdem sie es aus der Werkstatt geholt hatte. Die Bremsen hätten versagt, was die Werkstatt hätte feststellen und sie darüber informieren müssen. Das sah das OLG Koblenz (AZ: 1 U242/19) in seinem Urteil anders. Eine Werkstatt muss nach Ansicht des Gerichts bei einem konkreten Reparaturauftrag nicht andere Teile ohne Anlass prüfen.

Weil ihr digitaler Tachometer defekt war, hatte die Motorradfahrerin ihr Fahrzeug in die Werkstatt gebracht und den schriftlichen Auftrag gegeben, den Tacho zu prüfen. Über das elektronische Bremssystem C-ABS, mit dem das Krad ausgestattet war, war nicht gesprochen worden. Die Werkstatt testete den Tachometer und tauschte die Batterie des Motorrads aus.

Bei der anschließenden Testfahrt funktionierte die Tachoanzeige nach Auskunft der Werkstatt wieder. Weil sonst alles in Ordnung schien, holte die Kundin ihr Fahrzeug wieder ab. Nach nur wenigen Kilometern verunglückte die Frau schwer, weil sie ungebremst in eine Leitplanke gefahren war. Sie gab an, die Bremsen hätten versagt. Zeugen erklärten, dass kein Bremslicht angezeigt worden sei.

Laut einem Gutachten könnte eine fehlerhafte Bremsflüssigkeit als Unfallursache infrage kommen, auch weil Verfärbungen der Bremsschreiben festgestellt wurden. Es hätte aber auch sein können, dass die Frau nicht gebremst habe.

Letzteres stritt die Frau ab und verlangte von der Werkstatt ein Schmerzensgeld in Höhe von 5.000 Euro und Schadenersatz in Höhe von 15.000 Euro, weil die Werkstatt sie auf die Gefahr eines Bremsversagens hätte hinweisen müssen.

Werkstatt muss nicht ohne Anlass prüfen

Das Gericht lehnte die Klage ab. Seine Begründung: Eine nebenvertragliche Mitteilungspflicht über eine mangelnde Betriebssicherheit des Fahrzeugs sei hier nicht gegeben gewesen, weil der konkrete Reparaturauftrag sich allein auf den Tacho bezogen und die Reparatur in keinem Zusammenhang mit dem Bremssystem gestanden habe. Auch weil die Bremsen bei der Testfahrt funktioniert haben, habe die Werkstatt keinen Anlass gehabt, diese zu überprüfen.

Eine Überprüfung anderer Fahrzeugteile ohne Anlass und Auftrag könne nicht von einer Kfz-Werkstatt verlangt werden, so das Gericht. Im Umkehrschluss würde auch kein Kunde hinterher für die Kosten für diese nicht in Auftrag gegebene Arbeit aufkommen wollen.

Somit habe die Werkstatt auch nicht gegen eine Mitteilungspflicht gegenüber der Kundin verstoßen können. Nur dann hätte die Frau Anspruch auf Schadenersatz gehabt.

Einen Beweis dafür, dass die Werkstatt sehr wohl Kenntnisse von einer defekten Bremse gehabt habe, hätte die Klägerin vorbringen müssen, so das Gericht. Dann aber stünde auch noch eine weitere Unfallursache im Raum, nämlich, dass die Frau gar nicht gebremst habe.

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik