AVAG zeigt sich krisenfest

Strategiewechsel 2012/2013: Konsolidierung statt Expansion

| Autor: Gerd Steiler

Drei mal Still: (v.re.) AVAG-Vorstandssprecher Roman Still, Aufsichtsratsschef Albert Still und AVI-Vorstand Albert C. Still.
Drei mal Still: (v.re.) AVAG-Vorstandssprecher Roman Still, Aufsichtsratsschef Albert Still und AVI-Vorstand Albert C. Still. (Foto: AVAG)

Die Augsburger AVAG Holding SE hat der Finanz- und Wirtschaftskrise in Europa im abgelaufenen Geschäftsjahr erfolgreich getrotzt. Wie das Unternehmen am Mittwoch auf einer Bilanz-Pressekonferenz in Augsburg mitteilte, erzielte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2011/2012 (1. September bis 31. August) einen konsolidierten Umsatz von gut 1,35 Milliarden Euro. Gegenüber 2010/2011 (1,34 Milliarden Euro) bedeutet dies ein leichtes Plus von 0,9 Prozent.

Leicht rückläufig war dagegen der Absatz der Augsburger Autohandels-Gruppe. Sie verkaufte im Geschäftsjahr 2011/2012 insgesamt 84.200 Fahrzeuge. Das sind 2,7 Prozent weniger als im Geschäftsjahr 2010/2011, als gut 86.500 Autos abgesetzt wurden. Zum Gesamtverkaufsergebnis steuerten die Neuwagen 47.700 Einheiten bei (Vorjahr: 48.300), die Gebrauchtwagen 36.500 Einheiten (Vorjahr: 38.200). Dass unterm Strich dennoch ein leichtes Umsatzplus steht, liegt nach Angaben von AVAG-Vorstandschef Roman Still an der im Durchschnitt gestiegenen Austattungsqualität der verkauften Fahrzeuge.

Allein in Deutschland lieferte die AVAG im abgelaufenen Geschäftsjahr rund 35.500 Neuwagen aus. Damit behaupteten die Augsburger einen Anteil von gut 1,1 Prozent am deutschen Pkw-Gesamtmarkt, der es im Vorjahr auf knapp 3,1 Millionen Neuzulassungen brachte.

Das operative Ergebnis sackte von 17,5 auf 8,0 Millionen Euro ab. Angesichts der allgemeinen Branchenentwicklung zeigte sich der Vorstand damit „zufrieden“. Die aktuelle Umsatzrendite von 0,6 Prozent liege aber außerhalb des Zielkorridors. Mittelfristig will das Unternehmen eine Umsatzrendite von mindestens 1 Prozent erreichen. Aufsichtsratschef Albert Still hält langfristig eine Rendite von 1,5 Prozent für eine „erstrebenswerte Größe“.

Erreichtes nachhaltig sichern

Wenig rund lief es für die AVAG auf dem Problemmarkt Kroatien. Dort brachen die Verkaufszahlen der Marken Opel (1.424 Einheiten) und Chevrolet (877 Einheiten) aufgrund der „angespannten Wirtschaftslage“ und erhöhter Mehrwertsteuersätze um fast ein Drittel ein. „Auch 2013 wird für uns dort ein schwieriges Jahr, da sich die Situation in Kroatien ähnlich darstellt wie in den südeuropäischen Krisenländern“, so Still. An einen Rückzug denkt der AVAG-Chef indes nicht.

Der aktuellen Marktentwicklung folgend, richtet die AVAG ihre Unternehmensstrategie im laufenden Geschäftsjahr 2012/2013 neu aus. Das Motto lautet: Konsolidierung statt Expansion. Laut Still verfolge man die seit Jahren bewährte Strategie der „Risikodiversifizierung“ und der „dezentralen Struktur“ zwar weiter. Das bislang übliche Wachstumsziel von 5 bis 10 Prozent per anno habe man vorerst aber ausgesetzt. „Das starke Wachstum der AVAG in den vergangenen Jahren mit vielen neuen Betrieben auf der 'grünen Wiese' hat uns teils hohe Anlaufkosten beschert. Nun gilt es, den erreichten Erfolg nachhaltig abzusichern und unser Unternehmen in eine sichere Zukunft zu führen.“

Neue Kernaufgaben

Deshalb wolle man sich mittelfristig auf drei zentrale Aufgaben konzentrieren: die Verbesserung der Rendite, die weitere Erhöhung der Eigenkapitalqote von derzeit rund 20 Prozent und die qualitative Weiterentwicklung der Handelsbetriebe. So etwa soll künftig jeder neue AVAG-Betrieb spätestens nach drei Jahren schwarze Zahlen schreiben. Dem neuen Konsolidierungskurs entsprechend plant die AVAG laut Still bis auf Weiteres keine Erweiterung des Markenportfolios und keine Standortübernahmen. Lediglich zwei bereits länger geplante Projekte seien noch abzuarbeiten: Die Übernahme eines Ford-Betriebs „im nordbayerischen Raum“ noch in diesem Jahr sowie 2014 die Eröffnung eines weiteren AVAG-Standorts in Nürnberg, in den rund 5 Millionen Euro investiert werden sollen.

Die AVAG ist eigenen Angaben zufolge derzeit mit 53 Vertragshändlern an 140 Betriebsstätten in Deutschland, Österreich, Kroatien, Polen und Ungarn aktiv. Neben dem Stammfabrikat Opel/Chevrolet vertritt die Autohandelsgruppe die Marken Toyota/Lexus, Ford, Nissan, Honda, Subaru, Suzuki, Kia, Peugeot, Citroën, Fiat und Alfa Romeo.

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