Transformation BMW-Chef warnt vor „Schrumpfungskurs“ bei frühem Verbrennerabschied

Autor / Redakteur: dpa / Tanja Schmitt

Langsamer Abschied: BMW hält länger am Verbrenner fest als andere Autobauer. Denn mit einem zu frühen Ausstieg ginge „das halbe Marktvolumen verloren“, ist sich Oliver Zipse sicher.

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Elektro ja, aber bitte nicht zu schnell – die Devise von BMW.
Elektro ja, aber bitte nicht zu schnell – die Devise von BMW.
(Bild: Daniel Kraus/BMW)

BMW-Chef Oliver Zipse hat die Strategie seines Konzerns verteidigt, langsamer als etwa der heimische Konkurrent Audi aus der Produktion klassischer Verbrennermotoren auszusteigen. „Die wahren Entscheider in unserer Industrie sind die Kunden. Und die sollte man nie aus den Augen verliere“, sagte der Manager in einem Interview der „Passauer Neuen Presse“ und des „Donaukuriers“ am Montag (21. Juni).

Dabei verwies er auf die Pläne des Münchner Konzerns, 2030 die Hälfte der Autos mit rein batterieelektrischem Antrieb zu verkaufen. „Wenn ein Hersteller dann kein Verbrennerangebot mehr hat, dann geht ihm das halbe Marktvolumen verloren, und er befindet sich auf einem unternehmerischen Schrumpfungskurs.“ Zwar werde es in den kommenden 15 Jahren Städte, Regionen und Länder geben, in denen sich der Transformationsprozess zur Elektromobilität vollständig vollziehe. Aber in der Summe der weltweit 140 BMW-Märkte werde das nicht der Fall sein.

Daimler will früher vom Verbrenner weg

Daimler-Chef Ola Källenius bekräftigte wiederum, die selbstgesteckten Klimaziele des Autoabauers früher erreichen zu wollen. Das Ziel, bis 2039 CO2-neutral zu sein, sei inzwischen das konservativste Szenario, sagte der Manager in einem am Sonntag (20. Juni) veröffentlichten Interview der „Stuttgarter Zeitung“. „Wir schauen uns verschiedene Szenarien an, die noch progressiver sind.“

Der Konzern werde in diesem Jahr ein Strategie-Update geben, in dem die Umsetzungsgeschwindigkeit und die nächsten Schritte erläutert würden. „Wir haben da sehr ambitionierte Pläne.“ Nach Källenius' Worten wird es Autos mit Verbrennermotoren geben, so lange die Märkte oder die Ladeinfrastruktur noch nicht den Punkt erreicht haben, komplett auf Elektrofahrzeuge umzusteigen.

Entscheidend sei, wie man die Technik mit einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis auf die Straße bekomme. Die Arbeit dafür müsse in diesem Jahrzehnt erledigt werden, sagte der schwedische Manager. „Das heißt: Wir werden bis 2030 bereit sein, alle Marktsegmente von der A-Klasse bis zur S-Klasse mit Elektrofahrzeugen abdecken zu können. Wir brauchen aber schnelle Fortschritte bei der Ladeinfrastruktur.“ Daimler hat sich bisher vorgenommen, dass spätestens 2039 die gesamte Neuwagenflotte von Mercedes-Benz CO2-neutral sein soll. Für die Produktion soll das schon ab 2022 gelten.

Die Volkswagen-Tochter Audi hatte jüngst angekündigt, Mitte des Jahrzehnts den letzten Verbrenner auf den Markt zu bringen. Ab 2032 oder 2033 will der Ingolstädter Konzern weltweit dann nur noch Fahrzeuge mit Elektroantrieb verkaufen.

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