BMW X7: Groß, größer, am größten
Mit dem neuen X7 hat BMW zum Mercedes GLS aufgeschlossen und Audis Q7 in punkto Größe deutlich hinter sich gelassen. Zumindest unter den deutschen Herstellern kommt da keiner drüber.

„Das neue Maß der Dinge“, so steht es selbstbewusst auf der Preisliste des neuen BMW X7. Und tatsächlich muss neu denken, wer bislang schon den BMW X5 für groß oder gar protzig gehalten hat. Der X7 schiebt diese Grenzen mit Leichtigkeit nach außen und oben. Das liegt nicht nur an der schieren Länge von 5,15 Metern (X5: 4,92 Meter) – was als erstes ins Auge sticht, ist die gewaltige Doppelniere.
Nie war das klassische Erkennungszeichen eines BMW größer, sein Kühlergrill nämlich. Angesichts der Stattlichkeit des gesamten Autos ist es folgerichtig, keine zu kleinen Nierchen einzusetzen, dennoch hat der Auftritt des X7 auch ein gewisses Abschreckungspotenzial, man stelle sich diese Kühlermaske im eigenen Rückspiegel vor. Was zugunsten der Designer spricht: Im realen Leben und in natürlicher, dreidimensionaler Ansicht wirkt das Auto nicht ganz so martialisch wie auf den Fotos. Tatsächlich zeigt es sogar eine – für diese Größenklasse – ganz eigene Anmut, die sich auch aus der hohen Design- und Verarbeitungsqualität im Detail speist.
In seinen Ausmaßen und auch in der grundsätzlichen Form entspricht der X7 dem Mercedes GLS, der schon seit 2012 beweist, dass auch deutsche Hersteller die amerikanische Disziplin beherrschen, SUVs immer größer werden zu lassen. Fullsize-SUV heißt diese Fünfmeter-Plus-Kategorie in den Vereinigten Staaten, Autos wie BMW X5, Mercedes GLE oder Audi Q7 werden dagegen nur als Midsize geführt.
Und wer mit dem X7 ein paar Hundert Meilen durch Nevada und Kalifornien zurücklegt, lernt schnell, dass es auch noch so etwas wie Supersize-Autos gibt. Pkw nämlich, die von kleinen Trucks abgeleitet sind und den X7 an Länge und Höhe noch überragen. Cadillac Escalade oder Lincoln Navigator zum Beispiel – und natürlich ein nicht geringer Teil der allgegenwärtigen Pick-up-Flotte.
Man muss sich den amerikanischen Way of Drive zwar nicht unbedingt zum Vorbild nehmen, die BMW-Strategen aber sehen gerade jenseits des Atlantiks hohe Absatzchancen für ihr Fullsize-Modell, das sie wie üblich nicht SUV nennen, sondern SAV: Sports Activity Vehicle statt Sports Utility Vehicle – um dem Ganzen schon sprachlich etwas mehr Glanz und Eleganz zu verleihen.
Neue Zielgruppe
Solche Semantik-Spielchen haben sie in München eigentlich gar nicht nötig, denn der Fahreindruck der bisherigen X-Modelle (von X1 bis X6 lässt an Agilität, Komfort und – in den oberen Klassen – einem Schuss Luxus nicht zweifeln. Diese Grundtugenden nimmt natürlich auch der X7 auf und hebt sie in ein höheres Segment, wo BMW bislang nicht war, wo es aber weltweit Kunden gibt, die laut Hersteller tatsächlich nach so einem Auto gefragt haben.
Seit Mitte März ist der X7 nun in den USA verfügbar, der Verkaufsstart in Deutschland folgt im Mai. Und wer jetzt ein Auto bestellt, das in seiner Basiskonfiguration mindestens 86.300 Euro kostet, wird sich bis Ende 2019 gedulden müssen, bevor er es besitzen kann.
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