Fachkräftemangel Bye bye Babyboomer! Ihr werdet fehlen

Von Silvia Lulei und Siynet Spangenberg 5 min Lesedauer

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Wenn Babyboomer in Rente gehen, drohen große Verluste für Unternehmen: Wissen und soziale Kompetenz gehen verloren. Das muss aber nicht sein, wenn Autohändler es verstehen, Wissen zu bewahren und Generationen zu verbinden.

Bevor die Seifenblasen platzen, könnten Unternehmen ihre in Rente gegangenen Babyboomer mit attraktiven Teilzeitangeboten wieder zurück holen.(Bild:  © Viacheslav Yakobchuk)
Bevor die Seifenblasen platzen, könnten Unternehmen ihre in Rente gegangenen Babyboomer mit attraktiven Teilzeitangeboten wieder zurück holen.
(Bild: © Viacheslav Yakobchuk)

Bei Autohäusern kommt der Fachkräftemangel on top zu Herausforderungen wie dem Kostendruck, der geringeren Nachfrage und Imageproblemen der Hersteller. Der Berater, Trainer, Coach und Autor Michael Hampel weiß, dass viele Unternehmen verzweifelt nach Kfz-Mechatronikern oder Servicemitarbeitern suchen. „Mancher Experte sieht in dieser Lage das Recruiting mit KI als Lösung aller Probleme“, so der Bayreuther. „Doch die Lücken, die die in Rente gehenden Babyboomer reißen, lassen sich so oft nur temporär schließen, da neue Mitarbeiter häufig schon nach kurzer Zeit die Unternehmen wieder verlassen.“ Es gehe daher vor allem um langfristige Mitarbeiterbindung und Attraktivität für neue Mitarbeiter. Der demografische Wandel lässt sich nicht verhindern, doch niemand müsse deswegen den Kopf in den Sand stecken, ist Hampel überzeugt. Aus seiner täglichen Praxis ist ihm bekannt, wie unterschiedlich hart Betriebe vom Verlust der älteren Mitarbeiter getroffen werden. Die definitiv schlechteste „Lösung“ sei es, so weiterzumachen wie bisher. „Das wird nicht funktionieren“, sagt Hampel.

Enormer Wissensschatz

Zunächst einmal gelte es, sich bewusst zu machen, was mit den Babyboomern verschwinden wird, sagt Hampel. Da ist das enorme Know-how, das sie sich in vielen Berufsjahren angeeignet haben. Zwar ändert sich in Sachen Autos gerade sehr viel sehr schnell, aber trotzdem ist das Wissen der Älteren nicht wertlos – ganz im Gegenteil. Das gilt ebenso für ihre Erfahrung, zum Beispiel im Umgang mit Kunden, Kollegen oder Mitarbeitern. Daraus erwächst laut Hampel eine Problemlösungskompetenz, die sich junge Menschen erst im Laufe ihres Berufslebens aneignen können. Dazu kommt, dass ältere Mitarbeiter weniger oft den Arbeitgeber wechseln und somit für Beständigkeit in der Belegschaft sorgen.

Hampel rät dazu, den Schatz an Fachwissen der Babyboomer zu digitalisieren, bevor diese aus dem Berufsleben ausscheiden. Zum Beispiel könne man Erklärvideos produzieren, die innerhalb des Unternehmens zur Verfügung gestellt werden. So würden Aus- und Weiterbildungsplattformen geschaffen, die komplett inhouse entstanden und damit hundertprozentig auf die Bedürfnisse des Betriebs zugeschnitten sind. Eine optimale Quelle für die Generation Z, aus der die Arbeitskräfte der Zukunft kommen – und auch für Mitarbeiter aus dem Ausland, die verstärkt angesprochen werden sollten. In Deutschland herrsche enormer Nachholbedarf bei dieser Art der Wissensvermittlung, sagt Hampel: „Unternehmen, die hier vorangehen, haben im Wettbewerb die Nase vorn. Die Archivierung des Wissens hat als internes Nachschlagewerk mit einer Stichwortsuche einen enormen Wert für den eigenen Betrieb.“

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Ruheständler zurückholen

Es sei aber auch sinnvoll, Babyboomer länger im Job zu halten, so Hampel weiter. Die Rente mit 63 hält er für kontraproduktiv. Stattdessen sollten Unternehmen das Umfeld so gestalten, dass ältere Arbeitnehmer Lust haben, länger im Betrieb zu bleiben. Wichtig dafür seien attraktive Teilzeit-Angebote, aber auch ganz besonders die Wertschätzung für die Leistung der Mitarbeiter – was selbstredend für Mitarbeiter jedes Alters gelte. „Das muss ein zentraler Bestandteil der Unternehmenskultur sein“, sagt der Experte. Hampel kennt auch Betriebe, die ehemalige Mitarbeiter aus dem Ruhestand zurückgeholt haben, wovon beide Seiten profitieren würden.

„Die Ruheständler sind oft noch topfit, wollen gebraucht werden und möchten sich einbringen“, hat Hampel beobachtet. Zudem sind Ältere im Umgang mit jungen Mitarbeitern meist gelassen und geduldig und wissen, wie schwierige Situationen zu meistern sind. Damit könnten sie eine Vorbildfunktion für die Ausbilder mittleren Alters übernehmen. Und natürlich haben die Unternehmen den Vorteil, Personallücken zumindest für eine gewisse Zeit füllen zu können.

Zudem sollten Unternehmen sich bei der Suche nach neuen Mitarbeitern mehr auf die Generation X und die Babyboomer einlassen, statt sich ausschließlich auf junge Leute zu fixieren. Hampel weiß von vielen Fachkräften zu berichten, die schon mit Anfang 50 die Erfahrung machen, nur Absagen zu kassieren. Dabei komme es viel mehr auf die Haltung der Menschen an als auf das Alter.

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Generation Z besser als ihr Ruf

Vom Wehklagen über die Jungen der Generation Z hält Hampel gar nichts: „Das kennen wir doch seit den alten Griechen. Auch Sokrates und Platon haben über die angebliche Faulheit, Respektlosigkeit und Verdorbenheit der Jugend geklagt.“ Generationenkonflikte seien also kein modernes Phänomen und dass die Generation Z undiszipliniert sei und gar nicht arbeiten wolle, kann Hampel nicht bestätigen. Da gebe es viele Klischees und Vorurteile. Überhaupt sei die Einteilung in Generationen mit jeweils bestimmten Eigenschaften fragwürdig, meint Hampel und verweist dazu etwa auf Studien des Soziologie-Professors Martin Schröder. Laut Schröder belegen Metastudien, dass Werte, Einstellung und Haltung von Menschen nicht von ihrem Geburtsjahr ableitbar sind; der Zeitgeist beeinflusst alle Generationen, nicht nur bestimmte Alterskohorten.

Insofern sollte die Fixierung auf die Generationen aufhören, sagt Hampel. Ob Babyboomer, X , Y oder Z: Entscheidender Erfolgsfaktor für Unternehmen sei es, die Fähigkeiten der Älteren und der Jüngeren zusammenzubringen. „Eine Kombination bringt beide Seiten und den Betrieb voran“, ist Hampel sich sicher. Zudem sollte die Führungsarbeit genau unter die Lupe genommen werden, denn: „Wie die Führung in einem Betrieb aussieht, entscheidet maßgeblich über die Attraktivität für neue und die Bindung bestehender Mitarbeiter.“

7 Tipps für den Umgang mit dem demografischen Wandel
  • 1. Schaffen Sie ein Arbeitsumfeld, das auch für ältere Mitarbeiter attraktiv ist.
  • 2. Sichern Sie den Wissensschatz der ausscheidenden Babyboomer, indem Sie ihn digitalisieren – und damit betriebsinterne Aus- und Weiterbildungsplattformen schaffen.
  • 3. Sprechen Sie ehemalige Mitarbeiter an, die bereits in den Ruhestand gegangen sind – und versuchen Sie, diese zurückzuholen.
  • 4. Stellen Sie Ältere mit ihrer Ruhe und Gelassenheit den Ausbildern mittleren Alters an die Seite.
  • 5. Machen Sie Wertschätzung der Leistung aller Mitarbeiter zu einem zentralen Bestandteil Ihrer Unternehmenskultur.
  • 6. Verabschieden Sie sich von Ihren Vorurteilen gegenüber den Babyboomern oder der Generation Z – falls Sie diese haben sollten.
  • 7. Bringen Sie die Kompetenzen der Jüngeren und die Erfahrungen der Älteren optimal zusammen.

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