Aston Martin Vantage S Präziser Fahrspaß mit ausreichend Biss

Von sp-x 5 min Lesedauer

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Aston Martin hat seinen Vantage als schärfere S-Version aufgelegt. Die bringt etwas mehr Würze ins Spiel. Trackfans wird das freuen. Doch der Brit-Bolide ist auch im Alltag eine Bank.

Mit dem S hat Aston Martin eine leicht geschärfte Version des Vantage Coupé im Angebot.(Bild:  Aston Martin)
Mit dem S hat Aston Martin eine leicht geschärfte Version des Vantage Coupé im Angebot.
(Bild: Aston Martin)

Anfang März zeigt sich die Eifel von ihrer freundlichen Seite: milde Sonne, erste Frühlingsboten, noch ein Hauch von Winter in der Luft. Genau hier, wenige Meter von der Nordschleife entfernt, hat Aston Martin ins AMR Performance Center geladen. Ausgerechnet dorthin führt die Route heute nicht. Statt Rundenzeiten geht es auf Landstraßen und ein Stück Autobahn. Eine gute Entscheidung. Denn der neue Vantage S zeigt hier schnell, dass er mehr ist als ein reiner Kurvenspezialist. Zwei nahezu widersprüchliche Seelen prägen seinen Charakter und machen ihn gerade dadurch für Sportwagenkunden besonders faszinierend.

Schon im Stand ist klar: Alltagsheld will dieser Aston Martin nicht sein. Das metallisch schimmernde British Racing Green, die scharf geschnittenen Aerodynamikdetails und neonfarbene Akzente lassen das Coupé seit dem Facelift 2024 noch entschlossener auftreten. In einer Gegend, in der leistungsstarke Sportwagen zum Alltag gehören, zieht er durchaus Blicke auf sich. Das ultrakurze Heck mit mächtigem Diffusor und vier Endrohren wirkt wie unter Spannung, die leicht aufgestellte Abrisskante setzt einen feinen, fast frechen Akzent. Breite Schweller, große Lufteinlässe und die 21-Zoll-Räder mit vorne sehr breiten und hinten nochmals deutlich breiteren Michelin-Reifen lassen keinen Zweifel daran, wo die Reise hingeht. Gleichzeitig bleibt diese typisch britische Eleganz erhalten, die Aston Martin seit Jahrzehnten von anderen Sportwagenmarken unterscheidet.

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Mercedes bringt Ordnung ins Cockpit

Innen zeigt sich, wie sich die Marke in der jüngeren Vergangenheit zugleich weiterentwickelt hat. Die Zeiten leicht exzentrischer Bedienkonzepte sind vorbei. Der Touchscreen reagiert schnell und zuverlässig, die Menüführung ist logisch, die Zusammenarbeit mit Mercedes hat hier sichtbar Ordnung geschaffen. Gleichzeitig bleibt es erfreulich analog. Echte Tasten und Drehregler in der Mittelkonsole sorgen dafür, dass man sich nicht für jede Funktion durch Untermenüs hangeln muss. Die vergleichsweise kleinen Displays lenken zudem nicht übermäßig vom Fahren ab. Das passt gut zum Charakter des Autos.

Weniger überzeugend ist die Einschränkung bei der Konnektivität. Android Auto gibt es nicht, nur Apple Carplay. Die Begründung, der Großteil der Kundschaft nutze ohnehin Apple, wirkt pragmatisch, aber nicht unbedingt zeitgemäß. Und wer frühere Aston-Modelle kennt, wird vielleicht ein paar dieser besonderen Details vermissen, etwa aufwendig gefräste Metallteile, die einst für eine sehr eigene Haptik sorgten. Ein Vantage ist heute perfekter und weniger eigenwillig als früher.

Aber das Gesamtpaket stimmt. Das Platzangebot und die Sitzposition sind für einen Sportwagen dieses Kalibers erstaunlich alltagstauglich. Auch längere Strecken sind damit keine Zumutung. Materialien und Verarbeitung bewegen sich auf dem Niveau, das man in dieser Preisklasse erwarten darf. Der Vantage S kann Gran Turismo, ohne seine Schärfe zu verwässern.

Sonores Grollen statt brachialer Lärm

Dann der Startknopf. Der Biturbo-V8 erwacht nicht mit brachialem Getöse, sondern mit sonorer Selbstverständlichkeit. Ein kurzes Räuspern, ein tiefes Grollen, dann läuft er ruhig und fast kultiviert. Im Zusammenspiel mit der Achtgang-Automatik lässt sich das Coupé erstaunlich entspannt bewegen. Durch Ortschaften, über enge Straßen und selbst durch verkehrsberuhigte Bereiche rollt der Vantage unaufgeregt und gelassen.

Schon knapp über Leerlauf reagiert der um 15 PS auf 500 kW/680 PS erstarkte Motor mit vehementem Vorwärtsdrang. Unterhalb von 1.500 Touren liegt bereits so viel Druck an, dass jeder Gasbefehl unmittelbar umgesetzt wird. Die Leistungsentfaltung wirkt wie ein stetig anschwellender Strom aus Kraft, der sich immer wieder neu aufbaut. Die kürzer übersetzte Achtgang-Transaxle-Automatik schaltet erfreulich schnell. Die arbeitet ganz von selbst oder manuell über Schaltpaddles, die satt klicken und ein betont analoges Erlebnis vermitteln.

Was den Vantage S vom ohnehin überzeugenden Basismodell abhebt, ist weniger eine einzelne spektakuläre Änderung als vielmehr die Summe vieler gezielter Feinschliffe. Der Vierliter-V8 legt zwar nur moderat an Leistung zu, wirkt aber dank geschärfter Gasannahme wacher. Entscheidender ist das überarbeitete Fahrwerk. Straffer abgestimmt und direkter angebunden, rückt der S den Fahrer noch näher ans Geschehen heran. Lenkbefehle setzt er unmittelbarer um, Richtungswechsel wirken präziser, das gesamte Auto fühlt sich kompakter und agiler an. Aerodynamische Detailverbesserungen sorgen bei höherem Tempo für zusätzliche Stabilität. So entsteht ein Vantage, der nicht nur schneller, sondern vor allem intensiver wirkt.

Straff am Asphalt, nah am Geschehen

Die elektronisch geregelten Dämpfer arbeiten straff, werden aber nie unangenehm hart. Die Lenkung ist schwer, direkt und voller Rückmeldung, ohne nervös zu wirken. Man sitzt tief und sehr nah an der Hinterachse, jede Bewegung des Autos ist unmittelbar spürbar. Dazu passt die Bremsanlage, die selbst bei starker Verzögerung mit Biss und exakter Dosierbarkeit überzeugt. Dabei sind dem Vantage S Nickbewegungen nahezu fremd.

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Auf den kurvigen Eifelstraßen zeigt sich, wie präzise dieses Gesamtpaket funktioniert. Die Front baut sofort Vertrauen auf, die breiten Vorderreifen vermitteln trotz der an vielen Stellen noch mit Wintersplit bedeckten Fahrbahnoberflächen viel Vertrauen. Untersteuern spielt praktisch keine Rolle. Stattdessen lenkt der Vantage neutral ein, zieht sauber durch die Kurve und lässt sich am Kurvenausgang fein über das Gaspedal justieren. Differenzialsperre und Traktionskontrolle arbeiten im Hintergrund und bieten Sicherheit, ohne sich aufzudrängen. Ist der Gasstoß zu fordernd, kann das Heck ein wenig nervös zu den Seiten ausscheren.

Auf der Autobahn offenbart sich eine weitere Stärke. Selbst bei Tempo 200 wirkt der Vantage S erstaunlich entspannt. Der Wagen liegt satt auf der Straße, die Lenkung bleibt ruhig, und der Antrieb signalisiert jederzeit reichlich Reserven. Es ist diese Souveränität im hohen Geschwindigkeitsbereich, die ihn auch als Langstreckenauto ernsthaft qualifiziert.

13,5 Liter – standesgemäß

Der Verbrauch fällt dabei standesgemäß aus. Im Test lagen 13,5 Liter auf 100 Kilometer an und damit rund 1,4 Liter mehr als die WLTP-Angabe verspricht. Angesichts von Leistung und Charakter des Fahrzeugs bleibt das im erwartbaren Rahmen.

Auch akustisch liefert der Vantage S genau das, was man sich von einem klassischen V8 erhofft. Vorne ein tiefes, pulsierendes Grollen, hinten ein deutlich präsenteres Klangbild, welches beim Runterschalten gerne auch von Sprotzeln und Schnalzen begleitet wird, ohne ins Künstliche abzurutschen. Gerade weil man so nah an der Hinterachse sitzt, wirkt das Klangbild besonders intensiv.

Und genau darin liegt die Faszination dieses Autos. Der Vantage S ist weder kompromissloses Track-Tool noch weichgespülter Gran Turismo. Er vereint beide Welten auf überzeugende Weise. Er kann entspannt cruisen und im nächsten Moment fordern, ohne zu überfordern.

Am Ende bleibt vor allem dieses Gefühl, etwas Besonderes gefahren zu sein. Ein Sportwagen, der nicht nur schnell ist, sondern eine echte Verbindung zwischen Fahrer, Maschine und Straße herstellt. Einer, der Emotionen nicht simuliert, sondern erzeugt. Der Preis von rund 203.000 Euro rückt dabei fast in den Hintergrund. Wer sich darauf einlässt, wird ihn kaum mit dem Taschenrechner erklären wollen, sondern schlicht genießen.

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