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Camillo Castiglioni: Ein Film über den, der BMW erfand

Autor: Steffen Dominsky

In den Zwanzigerjahren war er einer der reichsten Männer Europas: Camillo Castiglioni. Er war Automobil- und Luftfahrtfan – und er war ein skrupelloser Finanzhai. Aber er war auch derjenige, der es BMW ermöglichte, das zu werden, was die Münchner heute sind.

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Der Film „Der Millionensassa - Das schillernde Leben des Finanzjongleurs Camillo Castiglioni" widmet sich dem Wirken des BMW-Mitbegründers.
Der Film „Der Millionensassa - Das schillernde Leben des Finanzjongleurs Camillo Castiglioni" widmet sich dem Wirken des BMW-Mitbegründers.
(Bild: ORF/ÖNB)

Früher war bekanntlich alles besser – logo! Arbeitnehmer waren fromm und Arbeitgeber ehrlich – klar! Das Berufsbild des „Turbokapitalisten“ oder des „Finanzjongleures“ gab‘s noch nicht – bestimmt! Sicher? Nö! Richtig, denn letztere gab’s bereits zu Zeiten von Uroma und Uropa. Geldgierige Finanzhaie mit dem Riecher fürs richtige Geschäft zur richtigen Zeit. Camillo Castiglioni war so einer. Der 1879 in Triest geborene Österreicher mit italienischen Wurzeln war vielseitig. Er war in Technik verliebt und dem Geld hörig. Und er war zuweilen extrem skrupellos.

Nach einem rasanten Aufstieg als k.u.k. Rüstungsfabrikant – er besaß mehrere Flugzeugfabriken – war es vor allem die Zeit danach und ihre horrende Inflation, die ihn stinkreich werden ließ. Aber auch der Siegeszug des Automobils trug seinen Teil dazu bei. Von beiden Entwicklungen profitierte Castiglioni massiv und wurde zu einer umstrittenen Ikone: als Turbokapitalist, der schon bei der österreichischen Automarke Austro-Daimler gespürt hat, wo das Mobilitätsgeschäft der Zukunft liegt, und als Finanzakrobat, der gewusst hat, wie man trotz Geldentwertung noch reicher werden kann.

Die BMW Group hat die Dreharbeiten zum Film mit Requisiten und ihrem Firmenarchiv unterstützt.
Die BMW Group hat die Dreharbeiten zum Film mit Requisiten und ihrem Firmenarchiv unterstützt.
(Bild: ORF/ÖNB)

Weil er dabei teilweise zu unsauberen Methoden griff und auch enorme Summen in den Sand setzte, wurde der Österreicher zu einer Reizfigur. Immer wieder stand er während seiner Karriere mit einem Fuß im Gefängnis und am Pranger. Dabei werden seine guten Taten gerne vergessen – wie z. B. die Rettung von BMW. Gegründet am 7.3.1916, stand die „Bayerische Flugzeugwerke AG“ (BFW) drei Jahre später bereits vor der Pleite. Gerettet hat sie Castiglioni, der alle Anteile übernahm, das Unternehmen umstrukturierte und ihm den Namen „Bayerische Motoren Werke“ verpasste. 1920 veräußerte er das Unternehmen, nur um es zwei Jahre später wieder von der Knorr-Bremse-AG zurückzukaufen und die BMW AG zu gründen.

Damals wie Heute: Schillernde Persönlichkeiten strahlten Glanz aus und hatten/haben oft auch ihre Schattenseiten.
Damals wie Heute: Schillernde Persönlichkeiten strahlten Glanz aus und hatten/haben oft auch ihre Schattenseiten.
(Bild: ORF/ÖNB)

Das Leben des schillernden Österreichers hat der bayerische Rundfunk zusammen mit dem ORF jetzt verfilmt: „Der Millionensassa“ heißt der Film und er entstand mit tatkräftiger Unterstützung der BMW Group. So fanden die Dreharbeiten unter anderem im BMW Museum und auf dem Gelände von BMW Classic statt. Historische Aufnahmen und Dokumente aus dem Archiv der Münchner finden sich ebenso in der Produktion wieder und ermöglichten laut BMW die „authentische Darstellung eines Wirtschaftskrimis aus der Frühzeit des Unternehmens“.

Die Erstausstrahlung des Films war bereits am 14. Januar im BR-Fernsehen. Anschauen kann man ihn aber noch in der Mediathek.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group