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China-Start-up Aiways will 2020 in Europa starten

| Autor / Redakteur: Ampnet/gr/cs / Andreas Grimm

Wieder einmal nutzt ein chinesisches Start-up den Genfer Salon als Plattform für den Markteintritt. Aiways heißt der neue Autobauer, hinter dem erfahrene Automanager stehen und das schon 2020 mit einem rein elekrisch angetriebenen SUV starten will. Auch in Europa.

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Auf dem Genfer Salon 2019 ist mal wieder ein Neuling aus China zu sehen: der Aiways U5.
Auf dem Genfer Salon 2019 ist mal wieder ein Neuling aus China zu sehen: der Aiways U5.
(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Das Start-up Aiways übernimmt in diesem Jahr in Genf die Rolle des hoffnungsvollen Newcomers aus China. Ohne einen neuen Mitspieler aus Fernost ist in den letzten Jahren kaum ein Genfer Salon oder die IAA ausgekommen. Brilliance 2007, Qoros 2013 in Genf, im gleichen Jahr Changan auf der IAA in Frankfurt, danach Borgward oder Wey – um nur ein paar zu nennen. In den vergangenen Jahren hat es nicht an Auftritten von Herstellern aus dem Reich der Mitte gemangelt, doch der Erfolg blieb, trotz erwartungsfroher Ankündigungen, bislang aus.

Das will nun das Start-up Aiways ändern – mit der Konzentration auf die Elektromobilität. Sie soll die Eintrittshürde senken, weil mit dieser Technik der lange Zeit als Differenzierungsmerkmal dienende Verbrenner entfällt. Tatsächlich waren ja die Motorleistungen/Verbräuche der chinesischen Autobauer nicht wirklich konkurrenzfähig. Worin sich Aiways nicht von seinen Vorgängern unterscheidet, sind allerdings die vollmundigen Ankündigungen.

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Marktstart für das Fabrikat und sein in Genf vorgestelltes rein elektrisch fahrendes SUV namens U5 soll Anfang 2020 sein – auch in Europa. „Europa ist ein wichtiger Markt für uns“, sagte ein Aiways-Sprecher auf Nachfrage von »kfz-betrieb«. Als Absatzziel nannte er für den Anfang 150.000 Einheiten. Diese Zahl soll sich in den kommenden Jahren auf 300.000 Einheiten verdoppeln – vor allem aber wohl zunächst getrieben vom größten E-Automarkt der Welt, China.

Doch was steckt hinter Aiways? Gegründet wurde das Unternehmen vom ehemaligen Finanzchef des chinesischen Automobilkonzerns SAIC, Gu Feng, vor etwa drei Jahren. Inzwischen arbeiten 1.100 Menschen für das Unternehmen. Darunter ist auch der für die Produktentwicklung zuständige Roland Gumpert, ehemaliger Sportchef bei Audi. Der Gründer der Sportwagenmarke Apollo steht auch hinter dem Brennstoffzellen-Sportwagen Nathalie, den Aiways im vergangenen Jahr auf mehreren Messen gezeigt hat.

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Technische Daten zum Aiways U5

Nach dem Marktstart in China sollen die ersten Exemplare des 4,70 Meter lange SUV U5 (entspricht ungefähr dem Audi Q5) zügig nach Europa kommen. Nach Deutschland sollen die Modelle per Bahn transportiert werden, um so gegenüber dem Transport mit dem Schiff rund drei Wochen Zeit zu gewinnen. Die Verantwortlichen von Aiways wollen offensichtlich keine Zeit verlieren, um den europäischen Markt zu erschließen.

Der in Genf vorgestellte U5 Ion ist ein konventionell gezeichnetes SUV, das von einem 140 kW starken E-Motor an der Vorderachse angetrieben wird. Das Drehmoment liegt bei 315 Nm. Die technischen Daten versprechen keine Revolution, sondern liegen eher im Rahmen der in diesem Segment üblichen Werte. Das gilt auch für die Reichweite. Aiways verspricht maximal 460 Kilometer, und wer Wert auf zusätzliche Reichweite legt, kann ein um 20 Kilowattstunden optimiertes Akkupaket mieten, um so zusätzliche 100 Kilometer weit zu kommen. Als Höchstgeschwindigkeit gibt der Hersteller 160 km/h an. Ein aktueller Nissan Leaf schafft 144 km/h (abgeregelt).

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Ist die Antriebstechnik noch vergleichsweise konventionell, so bietet das Elektro-SUV an anderen Stellen nach ersten Informationen durchaus innovative Ansätze. So sollen sich die Türen mittels Gesichts- oder Handerkennung öffnen lassen, und zahlreiche Kameras ermöglichen eine lückenlose 360-Grad-Rundumsicht. Außerdem ist der U5 für das autonome Fahren nach Level 2 ausgerüstet.

Der U5 ist dank der modularen Bauweise der Plattform erst der Auftakt zu einer kompletten Modellpalette. Vom kommenden Jahr an sollen, so die ehrgeizigen Pläne, zwei neue Modelle pro Jahr auf den Markt kommen. Wie die Aiways-Modelle in Europa vertrieben werden sollen, ist ebenso unbekannt wie die Preisvorstellungen der Chinesen. Schätzwerte schwanken zwischen 25.000 Euro und 35.000 Euro. Sollte Aiways tatsächlich Anfang kommenden Jahres auf den europäischen Markt rollen dann würde ausgerechnet das jüngste Unternehmen alle anderen etablierten chinesischen Mitbewerber überholen.

(ID:45786437)