Citroën GS Birotor: Französischer Wankel-Mut

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Grimm

Mit dem GS Birotor wollte Citroën einen weiteren Meilenstein der technischen Innovation setzen. Doch das Projekt scheiterte – die anschließende Vernichtungskampagne überlebten nur wenige Exemplare.

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(Bild: Citroën)

Der Autohersteller Citroën war immer bestrebt, sich mit unkonventionellen und innovativen Technikkonzepten einen Namen zu machen. Vor allem in den 1960er und 1970er Jahren pflegten die Franzosen mit besonderer Hingabe ihr Image als Innovator. Nichts schien zu abwegig, um für die Großserienlösung in Frage zu kommen. Dabei konnte Citroën einige Erfolge feiern, musste aber auch gnadenlose Flops verdauen. Zur letzten Kategorie gehörte der fast vergessene und letztlich sogar unerwünschte GS Birotor.

In den vom technischen Fortschritt besessenen „Roaring Sixties“ setzte der Wankelmotor zum vermeintlich großen Karrieresprung an. Allen voran der deutsche Autohersteller NSU wollte mit den kompakten, leichten und vibrationsarmen Motoren nach den Sternen greifen. Eindrucksvollster Vertreter dieser Ära war der ab 1967 angebotene Ro 80, der als seiner Zeit weit voraus galt. In diesem Jahr vereinbarten NSU und Citroën unter dem Namen Comotor eine Wankelmotor-Kooperation, die ursprünglich die Produktion von gemeinsam entwickelten Modellen mit Kreiskolbenmaschinen vorsah.

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Als zwei Jahre später NSU von VW geschluckt wurde, endete auch das Joint-Venture. Die gemeinsam von Citroën und NSU im Saarland geplante Comotor-Fabrik haben die Franzosen deshalb im Alleingang realisiert. Ende 1972 startete dort die Produktion des neuen Wankelmotors Typ KKM 624, letztlich eine Weiterentwicklung der Maschine aus dem Ro 80. Das Zweischeiben-Aggregat mit gut einem Liter Hubraum leistete immerhin 79 kW/107 PS und 137 Newtonmeter Drehmoment. Erstmalig zum Serieneinsatz kam der KKM 624 in der Mittelklasse-Limousine Citroën GS im Jahr 1973. Das neue Topmodell der Baureihe erhielt den Namenszusatz Birotor, der als Schriftzug das Heck zierte.

1973 war allerdings ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für das vergleichsweise durstige Wankelkonzept. Der Birotor war mit rund 13 Liter Durchschnittsverbrauch alles andere als bescheiden, was Kunden angesichts der überraschend einsetzenden Ölkrise und dem damit einhergehenden Benzinpreisschock abschreckte. Der GS Birotor, so faszinierend seine Antriebstechnik auch sein mochte, wurde zum Ladenhüter.

Nur 847 verkaufte Exemplare

Lediglich 847 Exemplare konnte Citroën bis 1975 verkaufen. Als dann Peugeot bei Citroën das Ruder übernahm, zogen die neuen Herren kurzerhand einen Schlussstrich unter das wirtschaftlich wenig zukunftsträchtige Comotor-Projekt. Im Jahr 1976 wurde die eigentlich für 1.000 Mitarbeiter gedachte Fabrik schließlich abgewickelt. Der KKM 624 konnte danach noch einmal als Antrieb für das Motorrad Van Veen OCR 1000 für Aufsehen sorgen. Mit lediglich 40 verkauften OCR 1000 blieb auch hier der Wankelmotor eine wirtschaftliche Randerscheinung.

Apropos Ökonomie: Citroën wollte einen endgültigen Schlussstrich unter das glücklose Wankel-Experiment ziehen und kaufte den größten Teil der GS Birotor von den Kunden zurück, um sich so der Verpflichtung zur Ersatzteilversorgung zu entledigen. Einige Exemplare sind dennoch in Kundenhand verblieben, in Europa sind es angeblich nur noch vier Stück.

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