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Citroën will mit dem Ami One die urbane Mobilität gestalten

| Autor / Redakteur: sp-x/cb / Andreas Grimm

Citroën zeigt auf dem Genfer Salon mit einer Studie, wie urbane Mobilität nach französischer Art künftig funktionieren könnte. Dem Namen nach verweist der 2,50 Meter kurze Zweisitzer allerdings in die Vergangenheit: Einen „Ami“ von Citroën gab es schon einmal – und ziemlich erfolgreich.

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Citroën präsentiert auf dem Genfer Salon 2019 seine Vision von urbaner Mobilität mit der Studie „Ami One“.
Citroën präsentiert auf dem Genfer Salon 2019 seine Vision von urbaner Mobilität mit der Studie „Ami One“.
(Bild: Citroën)

Es ist ziemlich kess, sich an dem berühmtesten politischen Slogan Europas zu vergreifen: „Liberté, Egalité, Fraternité!“, riefen einst die französischen Revolutionäre von den Barrikaden – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Diese Grundpfeiler des westlichen Wertesystems hat Citroën ziemlich schamlos umgedichtet und sogar ins Englische übersetzt: In dem Pariser Fotostudio, wo das Konzeptauto Ami One auf Besucher wartet, steht „Liberty, Electricity, Mobility“ an der Wand und das Teilwort City ist genauso fettgedruckt wie Mobility. Immerhin, die Freiheit ist noch da, aber sie wird nun gekoppelt mit Elektrizität und Mobilität. Und, das darf man sagen, mit ziemlich revolutionären Ideen.

Zwei Türen, zwei Sitze, 2,50 Meter lang, dabei nur 1,50 Meter breit und exakt genauso hoch – der Ami One sieht aus wie ein Würfel auf Rädern. Die Kunststoff-Paneele der Vorder- und Rückseite sind identisch gestaltet, genauso wie die beiden Türen, die folgerichtig auch unterschiedlich angeschlagen sind. Während man die Beifahrertür wie bei jedem gewöhnlichen Auto bedient, öffnet die Fahrertür nach vorn, so wie in einem Rolls-Royce.

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Nun ist es nicht so, dass es zweisitzige Fahrzeugstudien mit zweieinhalb Metern Länge noch nie gegeben hätte, eine davon ist sogar in Serie gegangen, unter dem Namen Smart. Viel Konkurrenz hat der Smart im Zweisitzermarkt nicht, möglicherweise ist Citroëns Idee also einfach nur falsch. „Nein“, sagt Frédéric Duvernier, der Chefdesigner für Citroëns Konzeptautos, „denn der Ami One ist kein Auto, sondern ein Mobilitätsgerät.“

Das klingt etwas abgehoben, wird aber verständlicher, wenn man einen Blick in das sehr spartanische Cockpit wirft. Außer dem rechteckigen, aber abgerundeten Lenkrad findet man da nicht viel – und so wie Lichtschalter, Startknopf oder Warnblinktaste gestaltet sind, sieht man ihnen den Widerwillen der Designer geradezu an, etwas so Profanes und Herkömmliches im Innenraum vorzusehen. Das wichtigste Element ist ein kleiner Kasten oberhalb des Lenkrads: Dort legt man sein Smartphone hinein, und dann wird nicht etwa nur das Infotainment des Handys ins Auto integriert. Nein, eine spezielle App verwaltet das gesamte Auto, Tachometer inklusive – und die Navigationskarte des Handys wird ganz frech in die Windschutzscheibe gespiegelt, Head-up-Display light.

Microcar für Fahrer ab 15

Und dann rückt der Designer mit dem speziell Französischen am Ami One heraus: „Man kann den Wagen bei uns ohne Führerschein fahren, ab 16, nach dem Ablegen einer theoretischen Prüfung.“ Das ist in der Tat eine smarte Lösung für die Pariser Pubertierenden, doch in vielen anderen europäischen Ländern ist diese Voraussetzung nicht gegeben. Zwar gibt es auch in Deutschland die sogenannten Microcars (sie stammen überwiegend aus Frankreich) und in einigen östlichen Bundesländern darf man sie sogar schon mit 15 Jahren fahren. Doch sind die Microcars, die in Frankreich auch Quadricycle heißen, in Deutschland bislang kein durchschlagender Verkaufserfolg und mit Preisen ab circa 13.000 Euro sind sie zudem recht teuer.

Das dürfte auch auf den Ami One zutreffen, denn der ist natürlich als Elektroauto geplant. Und aus teurem Carbon besteht er noch dazu, weil Quadricycles nur 450 Kilogramm wiegen dürfen. Um die konkrete technische Umsetzung hat sich bei Citroën noch niemand gekümmert, der Ami One ist längst kein Entwicklungsauftrag, sondern bislang wirklich nur eine Idee, daher gibt es auch nur rudimentäre Daten.

Aber Duvernier und sein Team beteuern, dass sie den Raum für ein kleines Akku-Pack im Unterboden freigelassen haben, und auch der Elektromotor, der die Hinterachse antreibt, finde seinen Platz im Heck des Autos. Wegen der Leergewichtsgrenze von 450 kg (der Smart electric drive wiegt 1.000 kg) und weil das Microcar nur 45 km/h schnell fahren darf, sind für die angestrebte Alltagsreichweite von 100 Kilometern (Smart ed: 160 km) nicht zu viele Batterien vonnöten.

Vertrieb per Onlineplattform

Citroëns Designer sprechen bei der angepeilten Kundschaft von der „No-Car-Generation“. Für diese jungen Menschen gälten ganz andere Maßstäbe und daher wurde auch gleich ein Vermarktungs- und Nutzungskonzept für den Ami One ersonnen. Der „Freund eins“, so die Übersetzung der franko-englischen Kombination Ami One, kommt grundsätzlich als Ergebnis einer Online-Bestellung zu seinem Fahrer, und man soll später wählen können zwischen fünf Minuten beziehungsweise Stunden, fünf Tagen, fünf Monaten und fünf Jahren Nutzungsdauer.

Alles in allem ist der Citroën Ami One ein interessanter Diskussionsbeitrag zu der Frage, wie wir künftig individuelle Mobilität in Großstädten organisieren. Spricht man mit den Citroen-Designern, dann spürt man zwischen den Zeilen ihren Wunsch, man möge das neuzeitliche Konzept in eine gedankliche Reihe mit dem 2CV stellen, der „Ente“. Auch dieses Auto war zu seiner Zeit radikal anders im Design und hatte die Aufgabe, andere Käuferschichten (in dem Fall: die ärmeren) zu Autobesitzern zu machen.

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