CO2-Bilanz: E-Autos nicht pauschal besser als Verbrenner

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Ein wiederum ganz anderes Bild zeigt sich in der Oberen Mittelklasse. Dort zog der ADAC Daten eines Mercedes E220 d (Diesel), eines Mercedes E400 (Benzin), eines Volvo XC90 (Plug-in-Hybrid) und eines Tesla Model X 100D (Elektro) heran. Die beste Bilanz, wenn man den deutschen Strommix 2013 zugrunde legt, hatte mit großem Abstand das Diesel-Modell mit rund 220 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer. Auf Platz 2 landete das Elektroauto (knapp 280 Gramm), gefolgt vom Plug-in-Hybrid (etwa 290 Gramm) und dem Benziner (etwa 300 Gramm). Bei vollständiger Versorgung durch erneuerbare Energien bescheinigt der ADAC dem Stromer das Potenzial, auf etwa 145 Gramm zu kommen. Der Plug-in-Hybrid könnte seinen Ausstoß auf etwas mehr als 250 Gramm senken.

Noch deutlich länger als in den anderen Klassen dauert es aktuell nach Einschätzung des ADAC, bis ein Elektroauto aus der Oberen Mittelklasse Umweltvorteile aufweisen kann. Um die Diesel-E-Klasse zu überholen müsste das Tesla Model X demnach erst einmal satte 580.000 Kilometer fahren. Auch beim Benziner (116.000 Kilometer) und beim Plug-in-Hybrid (130.000 Kilometer).

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Insgesamt zieht der ADAC eine ganze Reihe an Schlussfolgerungen aus seinen Berechnungen, die auch den jüngsten Eco-Test und Daten des Instituts für Energie und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu) als Basis nutzten. So seien beispielsweise die Batterieherstellung und der deutsche Strommix durchaus Klimaprobleme. Generell gelte es, mehr auf regenerative Quellen zu setzen – egal, ob in der Herstellung von Fahrzeugen, Batterien oder der Stromerzeugung. Dafür brauche es in Deutschland aber zunächst einmal die Grundlagen. Deshalb fordern die Studienautoren einen Ausbau der erneuerbaren Quellen zur Stromerzeugung und eine Anpassung der Versorgungsnetze.

Der ADAC weist zudem darauf hin, dass Elektroautos effizienter werden müssten. Vor allem Modelle mit großen Batteriekapazitäten und hohem Stromverbrauch trügen einen „ökologischen Rucksack“.

„Alleinige Förderung von Elektro nicht zielführend“

Aber auch bei Autos mit konventionellem Antrieb sieht der Club noch Luft nach oben. „Weitere Maßnahmen zur Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs (z.B. innermotorische Maßnahmen, Leichtbau, Hybridisierung) sowie der Einsatz von synthetischen Kraftstoffen (z.B. Synfuel, E-Diesel) können die CO2-Emissionen der Kraftstoffbereitstellung (Well-to-Tank) und Fahrzeugnutzung (Tank-to-Wheel) weiter reduzieren“, heißt es vom ADAC.

Generell wäre es aus Sicht der Studienautoren am sinnvollsten, Förderinstrumente zur Reduzierung der CO2-Emissionen aus dem Pkw-Verkehr technologieneutral auszurichten. „Die alleinige Förderung von Elektro- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen, wie derzeit mit dem Umweltbonus für Elektromobilität festgeschrieben, ist bei Nutzung des deutschen Strommixes aus Sicht des Klimaschutzes nicht zielführend“, so das Gesamtfazit der ADAC-Studie.

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