CO2-Bilanz: E-Autos nicht pauschal besser als Verbrenner

ADAC betrachtet Ökobilanz verschiedener Antriebe

| Autor: Christoph Seyerlein

Kleine Elektroautos, die vor allem in der Stadt genutzt werden, müssen lange fahren, um einen Umweltvorteil gegenüber einem kleinen Diesel herauszuholen.
Kleine Elektroautos, die vor allem in der Stadt genutzt werden, müssen lange fahren, um einen Umweltvorteil gegenüber einem kleinen Diesel herauszuholen. (Bild: BMW)

Welche Antriebsform ist die umweltschonendste? Mit dieser Frage hat sich der ADAC in einer Studie befasst und kommt zu folgendem Ergebnis: Eine pauschale Aussage, welche Technik am klimafreundlichsten abschneidet, kann der Club aktuell nicht treffen.

In seiner Untersuchung hat der ADAC verschiedene Diesel-, Benziner, Erdgas- und Autogas-Pkw sowie Hybrid, Plug-in-Hybride in Kleinwagen, Kompakt- und obere Mittelklasse eingeteilt und bei einer Gesamtlaufleistung von 150.000 Kilometern miteinander verglichen. Dabei zeigt sich je nach Fahrzeugklasse ein differenziertes Bild. Generell stellt der Club dabei wenig überraschend fest: Je mehr regenerativer Strom im deutschen Mix enthalten ist, desto besser wird die Bilanz von Elektroautos. Das wird auch aus den ADAC-Berechnungen deutlich.

Die Studienautoren haben zum einen den Strommix aus dem Jahr 2013 als Basis angelegt, als regenerative Energie 23 Prozent vom deutschen Strommix ausmachte. Aktuellere Daten hat das Umweltbundesamt noch nicht veröffentlicht. Um den Unterschied deutlich zu machen, hat der ADAC zudem Berechnungen aufgestellt, wie sich die Bilanzen verändern würden, wenn der Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen käme.

Und so fielen die einzelnen Ergebnisse letztlich aus: Im Kleinwagensegment verglich der ADAC die Werte von einem Mazda 2 (Diesel), einem Mitsubishi Space Star (Benzin), einem Toyota Yaris (Hybrid) und einem BMW i3 (Elektro). Die beste Bilanz nach 150.000 gefahrenen Kilometern hat auf Grundlage des Strommixes 2013 der BMW i3 mit knapp 160 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer. Allerdings liegt er damit nur unwesentlich vor dem Mazda 2 mit Dieselantrieb, der knapp über 160 Gramm liegt. Mitsubishi Space Star und Toyota Yaris kommen dagegen beide fast auf 180 Gramm pro Kilometer. Könnte der i3 komplett grünen Strom nutzen, würde er sich laut ADAC mit nur etwas mehr als 60 Gramm pro Kilometer klar vom Rest absetzen.

So zieht der ADAC aber das Fazit, dass kleine E-Autos, die vor allem in der Stadt zum Einsatz kommen, „eine ungünstige CO2-Bilanz aufweisen“. Ursache dafür sei, dass die hohen CO2-Emissionen aus Fahrzeugherstellung und -recycling sowie der Strombereitstellung bei einer relativ geringen Gesamtlaufleistung wie etwa 50.000 Kilometern nicht ausgeglichen würden. Deshalb lägen verbrauchsarme Verbrenner im Vergleich praktisch gleichauf. Laut ADAC hat ein Elektroauto auf Basis dieser Daten erst nach rund 111.000 Kilometern einen Vorteil gegenüber vergleichbaren Diesel-Modellen, Benziner (80.000 Kilometer) und Hybride (58.000 Kilometer) lassen die Stromer schneller hinter sich.

Stromer in der unteren Mittelklasse weiter vorne

Etwas anders sieht es bereits in der unteren Mittelklasse aus. Dort ließ der ADAC einen Mazda 3 (Diesel), einen VW Golf 1.5 TSI (Benzin), einen Mercedes B200 (Erdgas), einen Dacia Logan MCV (Autogas), einen Toyota Prius (Hybrid), einen Toyota Prius Plug-in-Hybrid und einen Hyundai Ioniq (Elektro) gegeneinander antreten. Hier lagen auf Basis des Strommixes 2013 das Elektro-Auto und der Plug-in-Hybrid mit rund 150 Gramm CO2 pro Kilometer klar vorne. Es folgten der Hybrid (ca. 170 Gramm), das Erdgas-Modell (ca. 175 Gramm), der Diesel (ca. 185 Gramm), das Autogas-Modell (knapp 190 Gramm) und der Benziner (gut 200 Gramm). Bei komplett grünem Strommix läge das Elektroauto nach ADAC-Einschätzung mit rund 70 Gramm CO2 klar vor dem Plug-in-Hybrid mit etwa 125 Gramm.

Aber auch in jenem Segment dauert es einige Zeit, bis das Elektroauto seine Vorteile ausspielen kann. Einen Plug-in-Hybrid überholt ein reiner Stromer in der Umweltbilanz erst nach 106.000 Kilometern, beim Erdgas-Auto dauert es 71.000 Kilometer. Etwas schneller geht es im Vergleich mit Hybrid (60.000 Kilometer), Diesel (57.000 Kilometer), Autogas (55.000 Kilometer) und Benziner (45.000 Kilometer).

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