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Corona-Folgen werden ab 2021 „brutal“ spürbar

| Autor / Redakteur: dpa/gr / Andreas Grimm

Bislang äußern sich die Folgen der Corona-Krise vor allem in sinkenden Verkaufszahlen. Doch die tieferen Folgen sind laut einer EY-Analyse weit gravierender. Ab dem kommenden Jahr drohen massive Arbeitsplatzverluste.

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Die Folgen der Corona-Pandemie werden sich erst mit Verzögerung bemerkbar machen. Sie könnten mit Werksschließungen und Entlassungen „brutal“ ausfallen.
Die Folgen der Corona-Pandemie werden sich erst mit Verzögerung bemerkbar machen. Sie könnten mit Werksschließungen und Entlassungen „brutal“ ausfallen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die Corona-Krise hat die Autobranche weltweit Milliarden gekostet und tief in die roten Zahlen gedrückt. Einer Analyse des Beratungsunternehmens EY zufolge summierten sich die operativen Verluste der 17 größten Autokonzerne im zweiten Quartal auf fast elf Milliarden Euro – nach knapp 22 Milliarden Euro Gewinn im zweiten Quartal des Vorjahres. Nur sechs Hersteller mussten keine roten Zahlen verbuchen, einzig Tesla schnitt im Zeitraum April bis Juni sogar besser ab als im Vorjahr und sprang laut EY auch gleich an die Spitze der Rangliste der profitabelsten Autokonzerne.

Vor sinkenden Umsätzen konnte sich der Analyse zufolge keiner der Hersteller im zweiten Quartal retten. Zusammen büßten sie fast 177 Milliarden Euro ein, das ist ein Rückgang um 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Auch hier ist die Bandbreite allerdings groß und reicht von 5 Prozent Umsatzminus bei Tesla bis zu minus 57 Prozent bei Mitsubishi.

Die drei deutschen Hersteller Volkswagen (-37 %), Daimler (-29 %) und BMW (-22 %) lagen im Mittelfeld. Sie verbuchten zusammen im Schnitt einen Umsatzrückgang um 32 Prozent. Die französischen und die US-Konzerne verzeichneten sogar Einbußen von 49 bzw. 50 Prozent.

Gleichwohl können die Autokonzerne auf ein großes Finanzpolster zurückgreifen. Zum Ende des zweiten Quartals verfügten die Unternehmen über Zahlungsmittel in Höhe von 250 Milliarden. Die höchste Liquidität wies Toyota mit gut 56 Milliarden Euro aus, gefolgt von Volkswagen mit 43 Milliarden Euro und Daimler mit 22 Milliarden Euro. Ermöglicht wurde die hohe Liquidität unter anderem durch die Ausgabe neuer Anleihen.

„Einen derartigen Einbruch hat es noch nie gegeben“

„Einen derartigen Einbruch bei Umsatz, Gewinn und Absatz hat es noch nie gegeben“, sagte der Leiter des Bereichs Automotive & Transportation bei EY, Constantin M. Gall, am Mittwoch. Besonders groß waren die Einbußen in Westeuropa, wo der Absatz um 53 Prozent zurückging. In den USA lag das Minus bei 34 Prozent. In China gingen die Verkäufe im zweiten Quartal sogar nach oben (+1 %), nachdem der Markt im ersten Quartal 38 Prozent eingebrochen war.

Mit dieser Entwicklung hat sich China im zweiten Quartal einmal mehr als wichtiger Stützpfeiler für die deutschen Hersteller erwiesen. Alle drei deutschen Autokonzerne konnten im zweiten Quartal in China zulegen, während der Absatz in den anderen Regionen massiv einbrach. Der Anteil Chinas am weltweiten Absatz der deutschen Autobauer kletterte dadurch von 33 auf 51 Prozent.

Massiver Arbeitsplatzverlust ab 2021

Die massiven Absatzrückgänge auf den westlichen Märkten und die nur relativ zaghafte Erholung auch im laufenden dritten Quartal verstärken laut EY nun „das ohnehin seit Jahren schwelende Problem der Überkapazitäten“. Eine Rückkehr der Absatzzahlen auf das Vorkrisenniveau erwarten die EY-Experten aber frühestens 2022. Die Konsolidierung der Automobilindustrie werde sich in den kommenden Monaten und Jahren beschleunigen. „Diese Krise werden nicht alle Autohersteller und erst recht nicht alle Zulieferer überleben“, sagte Gall.

Als Gegenmaßnahme würden die Konzerne künftig sehr viel enger zusammenarbeiten müssen als bisher. Das wiederum verstärkt die Notwendigkeit von Werksschließungen und Arbeitsplatzverlusten. An ihnen führe kein Weg vorbei, denn „es gibt keinen Grund, Kapazitäten vorzuhalten, die auf absehbare Zeit nicht gebraucht werden“ sagte EY-Autoexperte Peter Fuß. Das große Sterben wird allerdings nicht sofort einsetzen. „Das bittere Erwachen wird wohl erst im nächsten Jahr kommen“, erwartet Fuß. „Dann wird es eine brutale Auslese geben.“

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