Corona-Krise macht den Reifenwechsel schwierig

Saison verschiebt sich

| Autor: dpa

(Foto: ADAC)

Der für Millionen Autofahrer anstehende Wechsel von Winter- auf Sommerreifen wird dieses Jahr zur Herausforderung. „Die Kunden müssen sich auf längere Wartezeiten einstellen“, sagte Yorick M. Lowin, der Geschäftsführer des Reifenfachhandelsverbands BRV in Bonn. Die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie bremsten den Wechsel.

Zudem sei es in manchen Bundesländern, die wie Bayern stärkere Ausgangsbeschränkungen hätten, derzeit gar nicht erlaubt, wegen eines Reifenwechsels in die Autowerkstatt zu fahren. Auch das Gesundheitsministerium des Freistaats bestätigt: „Reifenwechsel stellen keine triftigen Gründe zum Verlassen der Wohnung dar.“

„Selbst wenn die Unternehmen offen haben, können sie nicht mit 100 Prozent plus x arbeiten“, sagte Lowin. Normalerweise sind die Wechselzeiten im Frühjahr und Herbst ausgesprochen hektische Zeiten beim Reifenhandel, in denen teilweise am Anschlag gearbeitet wird.

Das ist laut Lowin jetzt nicht möglich – schon alleine, weil die Mitarbeiter auch in der Werkstatt Abstand halten müssten und man auch nicht so viele Kunden wie sonst gleichzeitig im Betrieb haben könne. Dass – wie sonst manchmal zu Stoßzeiten – 20 Menschen gleichzeitig warteten, sei derzeit nicht möglich.

Auch Wilhelm Hülsdonk, Bundesinnungsmeister des Kfz-Handwerks, sagte: „Die Saison wird wegen der aktuellen Einschränkungen und unserer Bemühungen, die Kontakte mit den Kunden zu reduzieren, länger dauern.“ Bisher kämen auch noch nicht so viele Kunden in die Werkstätten. „Aber ob ich diese Umsätze im April oder Juni mache, ist nicht so wichtig.“ Da gebe es zur Zeit größere Probleme. „Insgesamt ist die aktuelle Situation für unsere Betriebe sehr belastend.“

Ketten sehen noch keinen Ansturm

Zusätzlich bremsend wirkt sich aus, dass manche Werkstätten derzeit gar nicht geöffnet haben. ATU aus Weiden zum Beispiel, mit 574 Filialen die größte unabhängige Werkstattkette Deutschlands, hat seit Mitte März den Großteil ihrer Betriebe vorübergehend geschlossen. Aktuell gebe es zehn Standorte, die eine Notfallversorgung böten, sagte ein Sprecher. Man arbeite daran, weitere zu öffnen.

ATU startet in zehn Filialen mit Werkstatt-Notbetrieb

ATU startet in zehn Filialen mit Werkstatt-Notbetrieb

24.03.20 - In begrenztem Umfang und unter erhöhten Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz nehmen zehn ATU-Werkstätten den Betrieb wieder auf. Die Mitarbeiter haben dabei klare Vorgaben bekommen, welche Aufträge Priorität genießen. lesen

ATU erwartet aber, dass sich die Reifenwechselsaison dieses Jahr ohnehin nach hinten verschiebt. „Wir gehen aktuell davon aus, dass ATU rechtzeitig zur diesjährigen Frühjahrsumbereifung wieder flächendeckend den Betrieb aufnehmen kann“, so der Sprecher. „Spezielle Maßnahmen für die Zeit nach den Covid-19 bedingten Betriebsunterbrechungen sind derzeit in Vorbereitung.“

Andere Ketten – wie beispielsweise Euromaster – haben dagegen geöffnet. Momentan beobachte man noch keinen riesigen Ansturm – auch wenn viele Menschen die alte Regel, die Winterreifen von Oktober bis Ostern zu fahren, durchaus ernst nähmen, sagte eine Sprecherin.

Auf die Verkehrssicherheit hat die verzögerte Wechselsaison wohl keine dramatischen Auswirkungen – auch wenn Winterreifen bei hohen Temperaturen wegen ihrer auf Kälte eingestellten Gummimischung längere Bremswege haben. „Wenn Reifen schon stark heruntergefahren sind oder eine längere Reise ansteht, sollte man den Wechsel möglichst bald machen lassen“, sagte Hülsdonk vom Kfz-Handwerk. „Aber wenn das Auto im Moment ohnehin vor allem vor der Türe steht, kann man ruhig noch ein oder zwei Monate warten.“

Auch der ADAC sieht noch keinen Grund zur Hektik. Je deutlicher die Temperaturen in den zweistelligen Bereich kommen, desto kritischer wird es, sagte ein Sprecher des Autofahrerclubs. „Aber davon sind wir im Moment noch weit entfernt.“ Zudem seien die Menschen derzeit vor allem morgens und abends unterwegs, wenn es kühler sei, sagte der Sprecher und rät: Man könne ja jetzt einfach schon einen Termin für das Monatsende vereinbaren.

Bei Reifenschäden sind Reparaturen weiter erlaubt

Dass in der Krise deutlich mehr Menschen als sonst selbst zu Wagenheber und Drehmomentschlüssel greifen, um die Reifen zu wechseln, erwartet Lowin nicht. Angesichts von Techniken wie Reifendruckkontrollsystemen könne das nicht jeder. Zudem würden die Reifen auf den Autos immer größer und damit schwerer, selbst zu wechseln.

In den meisten Bundesländern ist die Fahrt zur Werkstatt zum Reifenwechsel auch von den Regelungen gedeckt. Und Reparaturarbeiten an der Bereifung sind bei akuten Schäden sowieso weiter erlaubt – auch in Bayern. „Wenn zum Beispiel die RDKS-Kontrolllampe aufleuchtet, es Luftverlust gibt oder die gesetzliche Mindestprofiltiefe erreicht ist – dann sind das triftige Gründe für den Gang zur Werkstatt“, betont Yorick M. Lowin vom BRV.

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 46486800 / Service)

Plus-Fachartikel

Die GVO in der Prüfungsphase

Die GVO in der Prüfungsphase

Die EU-Kommission prüft derzeit, ob und wie die GVO weiterentwickelt werden soll. ZDK-Geschäftsführerin Antje Woltermann schildert den aktuellen Stand der Dinge und die Forderungen des Verbands. lesen

Coronakrise: Große Auswirkungen

Coronakrise: Große Auswirkungen

Kurzarbeit verringert das Einkommen der betroffenen Mitarbeiter. Und sie betrifft auch zukünftige Einkünfte – nämlich jene aus der betrieblichen Altersvorsorge. Einvernehmliche Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer können helfen. lesen