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Coronavirus: Volkswagen bereitet Produktionsstopp in Deutschland vor

| Autor: Christoph Seyerlein

Volkswagen kann die Produktion aufgrund der Corona-Pandemie nicht wie gewohnt aufrecht erhalten. Konzernchef Herbert Diess erklärte am Dienstag, wie der Autobauer nun seine Werke steuern will.

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Bei Volkswagen werden bald die meisten Bänder stillstehen.
Bei Volkswagen werden bald die meisten Bänder stillstehen.
(Bild: VW)

Volkswagen bereitet sich in Deutschland und Europa aufgrund der Ausbreitung des Corona-Virus auf einen Produktionsstopp von zwei Wochen vor. Das kündigte Konzernchef Herbert Diess am Dienstag in Wolfsburg an. Zum einen gehe es darum, die Mitarbeiter und die Gesellschaft im Allgemeinen zu schützen. Zum anderen spürt der Konzern aber bereits eine deutliche Nachfragedelle.

Volkswagen-Personalvorstand Gunnar Kilian sagte, je nach Lage der Versorgung der Werke werde der Konzern abwägen, Kurzarbeitergeld zu beantragen. Diess fügte an, es sei sehr gut denkbar, dass der Autobauer die nächsten Wochen auch damit überbrücken werde.

VW Pkw will nach eigenen Angaben seine Werke in Wolfsburg, Emden, Dresden, Osnabrück, Zwickau, Bratislava (Slowakei), Pamplona (Spanien), Palmela (Portugal) sowie die Komponentenwerke Braunschweig, Chemnitz, Hannover, Kassel, Salzgitter schrittweise herunterfahren. Letzte Arbeiten sollen am Donnerstag in der Spätschicht vorgenommen werden. Auch VW Nutzfahrzeuge kündigte an, seine Werke in Deutschland und Polen ab Donnerstag zu schließen. Jene Maßnahme gilt allerdings vorerst nur für zehn Tage.

Audi kündigte am Dienstag an, die Werke in Ingolstadt, Neckarsulm, Belgien, Mexiko und Ungarn schrittweise herunterzufahren. Angesichts der deutlich verschlechterten Absatzlage und der sich abzeichnenden Unsicherheit der Teileversorgung der Werke „wird es an den meisten Standorten des Volkswagen-Konzerns zu Produktionsunterbrechungen kommen“, teilte Audi am Dienstag mit. Ab Montag soll die Produktion dann komplett stillstehen.

Auch Skoda beschloss einen vorübergehenden Produktionsstopp. Die Werke Mlada Boleslav, Kvasiny und Vrchlabi werden am Mittwoch um 22 Uhr heruntergefahren, wie aus einem Brief der Firmenleitung an die Mitarbeiter vom Dienstag hervorgeht. Die Maßnahme gilt zunächst für rund zwei Wochen. Die Beschäftigten erhalten zu Beginn des Produktionsstopps 70 Prozent ihres Durchschnittseinkommens, in der zweiten Woche 75 Prozent. Skoda finanziert dies zunächst aus eigenen Mitteln.

Wegen der Coronavirus-Gefahr hatte die Regierung in Prag den Notstand ausgerufen und die Bewegungsfreiheit der Menschen eingeschränkt, aber von behördlich angeordneten Betriebsschließungen abgesehen. „Skoda-Auto ist ein Schlüsselbetrieb für unsere Wirtschaft und hat den größten Einfluss auf das Bruttoinlandsprodukt“, sagte Regierungschef Andrej Babis. Im vorigen Jahr liefen erstmals mehr als 900.000 Autos von den Fließbändern der tschechischen Skoda-Werke. Weltweit lieferte das Fabrikat 2019 mehr als 1,2 Millionen Autos aus.

In Spanien bei Seat, in Italien bei Lamborghini sowie in den VW-Werken in der Slowakei ruhen die meisten Bänder bereits. In China läuft die Produktion nach einigen Unterbrechungen zuletzt dagegen aktuell wieder hoch. Nicht alle, aber die meisten Standorte seien bereits wieder am Netz so Diess. Und auch die Auslieferungszahlen in China würden sich langsam stabilisieren. „Global steht uns die Krise aber noch bevor. Wir müssen alles tun, um diese zu meistern“, erklärte Diess.

Darüber hinaus sagte der Konzernchef: „Die Corona-Pandemie stellt uns vor ungekannte operative und finanzielle Herausforderungen. Zudem sind nachhaltige Konjunktureinflüsse zu befürchten. Durch die Bündelung unserer Kräfte, eine enge Zusammenarbeit und gute Moral im Konzern wird es uns gelingen, die Corona-Krise zu bewältigen.“

Betriebsrat übt Kritik

Kritik am Krisenmanagement des Vorstands übte der Betriebsrat. Er hält einen Stopp am Freitag für zu spät. „Für die verbleibenden Tage fordern wir eine Information aus dem Gesundheitswesen an die betroffenen Kolleginnen und Kollegen zu der Frage, wie ihr Ansteckungsrisiko zu bewerten ist“, forderte das Gremium in einem Brief. Es sei nicht mehr einzusehen, „warum sie ohne eine klare Ansage und ohne klare Worte aus dem Management für ein paar hundert Autos mehr eine Ansteckung riskieren sollen, die sie dann womöglich früher oder später nach Hause in ihre Familien tragen.“

Das neuartige Coronavirus sorge für eine unwirkliche Situation, heiß es weiter. „Sie bereitet vielen Menschen Sorgen, etlichen macht sie auch Angst.“ Auch der Aufenthalt in engen Team-Räumen sei in der Produktion nicht mehr zu halten. Diess betonte, es sei am wichtigsten, die Gesundheit und Sicherheit der Belegschaft sowie von deren Familien sicherzustellen: „Oberstes Ziel ist es, die Ausbreitung des Coronavirus so stark wie möglich zu verlangsamen.“

Bereits gestern hatten Fiat Chrysler und PSA angekündigt, die Produktion aufgrund der Corona-Krise vorerst in den meisten europäischen Werken auszusetzen.

Mit Material von dpa

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