DAF will Händler-Rendite sichern

Autor: Stephan Richter

DAF-Geschäftsführer Marcel die Vries kommt gleich zu Beginn seiner Amtszeit mit einem Produkt heraus, für das der niederländische Importeur in Deutschland bislang wenig bekannt war.

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Marcel de Vries: „Leider könnten wir die starke Nachfrage nach Euro 5 kaum befriedigen.“
Marcel de Vries: „Leider könnten wir die starke Nachfrage nach Euro 5 kaum befriedigen.“
(Foto: Richter)

Der niederländische Lkw-Hersteller DAF möchte im kommenden Jahr vor allem durch den Verkauf von Fahrgestellen Marktanteile gewinnen. Diesen Plan verfolge das Unternehmen zwar schon seit vielen Jahren, habe aber erstmals tiefgreifende Veränderungen in den Produktions- und Orderprozessen durchgeführt, erklärte DAF-Geschäftsführer Marcel de Vries im Rahmen der IAA Nutzfahrzeuge.

Auf der Messe präsentierte DAF nicht nur einen Lkw mit aufgebautem BDF-Rahmen, sondern gab bekannt, diese Variante neuerdings auch direkt ab Werk anzufertigen. „Wir müssen es unseren Verkäufern so einfach wie möglich machen, die Fahrgestelle zu verkaufen – das heißt, wir brauchen ähnlich effiziente Bestell- und Produktionsprozesse, um dieselbe Qualität wie bei den Sattelzugmaschinen zu bieten“; sagte de Vries.

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Ein weiterer Vorteil der Fahrgestelle sei ihre regionale Bindung, sagte de Vries: „Sattelzugmaschinen werden oft fern der Heimat gewartet oder repariert. Im Gegensatz dazu erhöhen Fahrgestelle die Werkstattauslastung, da sie in der Regel rund um den Kirchturm eingesetzt werden.

Um seinen Händler in Zukunft die Rendite zu sichern, möchte de Vries keine Vielzahl an neuen Standorten eröffnen. Vielmehr ist dem gebürtigen Holländer daran gelegen, die Betreuungsgebiete seine Partner zu vergrößern: „Händlernetzentwicklung ist bei uns ein sehr dynamisches Thema. Die Kundenanforderungen ändern sich ja auch permanent. Mir ist eine gute Kooperation zwischen unseren 34 unabhängigen Vertriebspartnern wichtig. Daher befinden wir uns im regen und regelmäßigen Austausch.“

IAA 2014: die Lkw
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Dass DAF im ersten Halbjahr bei den Neuzulassungen von seinem fest angestammten dritten Platz auf Rang fünf abrutschte, erklärte de Vries mit fehlenden Produktionskapazitäten: „Leider könnten wir die starke Nachfrage nach Lkw mit Euro-5-Motoren kaum befriedigen, da wir im Prinzip schon im August 2013 ausverkauft waren. Euro 5 bestimmte aber Anfang dieses Jahres noch 66 Prozent aller EU-Neuzulassungen im schweren Segment. Zudem waren wir mit dem Euro-6-Angebot später dran als manch anderer Hersteller. Doch jetzt sind wir zu 100 Prozent bereit: Von Juli auf August konnten wir unseren Absatz schon wieder um 10,3 Prozent steigern.“

Mit geräuschoptimiertem Lkw in die Stadt

Auf der IAA stellte DAF neben seinen bekannten Modellen noch den CF Silent mit geräuschisoliertem Getriebe vor. Per Knopfdruck regelt die Motorsoftware das Drehmoment herunter und drosselt die Geschwindigkeit, sodass der Lkw nur noch 72 Dezibel erzeugt. Zudem schaltet das System die Gänge bei einer geringeren Drehzahl. Eine zusätzliche Kapselung des Getriebes trägt ebenfalls zur Geräuschreduktion bei. Mit dieser Technik fährt der CF Silent günstiger und zuverlässiger als Fahrzeuge mit Gasmotoren.

De Vries ist sich sicher, dass DAF mit diesem Angebot vor allem im innerstädtischen Lieferkehr zu den Abendstunden und nachts punktet: „Viele Geschäfte haben nur kleine Lagerräume und sind auf eine permanente Lieferung angewiesen – auch in den vorgeschriebenen Ruhezeiten. Der neue Flüstermodus lässt sich per Knopfdruck an- und abschalten, sodass sich der CF Silent außerhalb des Modus wie ein normaler Lkw fährt.“

Motoren umrüsten ist gängige Praxis

Für die zukünftige Vermarktung von Lkw mit Euro-6-Motoren ins außereuropäische Ausland sieht de Vries keine Probleme. Schon jetzt wäre es üblich, dass Kunden ihre Fahrzeuge zurückrüsten, ob nun von Euro 5 auf Euro 4, oder sogar auf Euro 3, wie es bei einigen Käufern aus Afrika oder dem Osten der Fall ist: „Lkw aus Mitteleuropa stehen bei ausländischen Kunden hoch im Kurs. Daran werden die teureren Euro-6-Fahrzeuge nichts ändern.“

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